Lokales

Musikalische und "theatralische" Erinnerungen an früher

Nach einer einjährigen Pause konnte bei der Winterunterhaltung des Gesangvereins Jesingen die "Rückkehr" der Theatergruppe entsprechend gefeiert werden. Mit dem Dreiakter "Ab heut' wird g'spart" von Walter G. Pfaus sorgte sie für wahre Lachsalven und markierte einen der vielen Höhepunkte des kurzweiligen Abends.

KIRCHHEIM Der Vereinsvorsitzende, Jürgen Baur, freute sich über die vielen Besucher, unter denen neben Ortsvorsteher Harald Eiberger und Rektor Hans Gregor mit Herbert Block auch ein Vertreter des Kreisverbandes der Blasmusik Esslingen befand. Er bestätigte, dass der Musikverein an nichts gespart habe, weder in musikalischer noch in theatralischer Hinsicht von der Dekoration der Festhalle ganz zu schweigen.

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Herbert Block honorierte in seiner Laudatio das hohe Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer. An das Revers der beiden Jubilare Achim Baur und Gerd Keller heftete er die goldene Ehrennadel des Blasmusikverbandes für 30 Jahre aktives Musizieren. Beide Musiker haben sich in den vergangenen Jahren darüber hinaus als Jugendleiter der Jugendarbeit des Vereins gewidmet. Gerd Keller hat dieses Amt in diesem Jahr "an den Nagel gehängt" und zu Jahresbeginn die musikalische Leitung als Dirigent bei den Jungmusikern übernommen. Zu Ehrenmitgliedern wurden Sebastian Loy, Alfred Münch, Herrmann Allgaier und Karl Stolz ernannt.

Mit seiner Jugendkapelle eröffnete dann Gerd Keller mit der Titelmelodie der Fernseh-Serie "J. A. G. - Im Auftrag der Ehre" den Festabend. Eine charmante Ansage von Iris Martsch und Laura Friedrich unterstrich die jugendliche Frische im Musikprogramm, das mit dem "Saxofone Rag" und dem Solisten Raphael Lahn temperamentvoll weiterging. An den King of Rock'n Roll erinnerte das Medley "Elvis: The Legend Lives". Mit den schönsten Melodien aus dem Musical "Beauty And The Beast" beendeten die mittlerweile musikalisch gereiften Jugendlichen ihr Musikprogramm, durften die Bühne aber natürlich nicht ohne eine Zugabe verlassen.

Musikalisches Hauptthema der Stammkapelle waren deutsches Liedgut, deutsche Komponisten und deutsche Interpreten. Der unkonventionelle "Einmarsch" der aktiven Kapelle zum Titel "Blue Danube Rag" war schon etwas ganz besonderes. So nach und nach "plätscherten" die Musiker auf die Bühne. In diesem humorvollen Arrangement von Alfred Lauss, wurde der verjazzte Ohrwurm "An der schönen blauen Donau" mit lustigen Einfällen garniert. Moderatorin Birgit Hayler führte mit Anekdoten zu den Stücken durch das Programm, das mit der "Montana Fanfare" von Thomas Doss fortgesetzt wurde. Kraftvolle Fanfaren im Wechsel mit melodischen, zarten Passagen vermittelten gleich zu Beginn die enorme Spielfreude von Dirigent und Musikern.

Das aus dem Geiste von Ravels Bolero schöpfende "Crescendo" von Klaus Peter Bruchmann ließ Raum für einen solistischen Einsatz. Querflöte, Flügelhorn Saxofon, an der Trompete der Youngster der Kapelle, der 15-jährige Michael Maier, Posaune und der Holzsatz vereinen sich zu einem immer kräftiger werdenden Hörerlebnis, das in einem gewaltigen tonalen Absturz endet. "Beswingt" von der "High Society" ging es weiter im Programm. Die Solisten Ralf Winterling (Flügelhorn), Michael Kurz (Trompete) und Ulli Kunstfeld (Klarinette) swingten sich gekonnt durch die oberen Zehntausend.

Bei deutscher Musik dürfen die fünf Schwaben aus Bietigheim-Bissingen besser bekannt als Pur" - auf keinen Fall fehlen. Die Hits "Indianer", "Ich lieb' dich", "Abenteuerland" und "Lena" wurden in einem poppigen Medley verpackt und von einer textsicheren Fangemeinde mitgesungen. Nach einem Spezial-Arrangement von Franz Watz, das die Hits der Boy-Band "The Flippers" vereinte, sorgte das Medley mit Melodien der "Comedian Harmonists" für einen weiteren Höhepunkt mit Ohrwürmern wie "Veronika, der Lenz ist da" oder "Mein kleiner grüner Kaktus". Als Solisten agierten Daniel Schubert (Posaune) und Michael Kurz (Trompete).

Mit einem Dankeschön an den Volksmusikhelden Ernst Mosch endete das variantenreiche Musikprogramm. Das begeisterte Publikum forderte noch eine musikalische Zugabe, bevor sich der Vorhang schloss, um sich für einen weiteren Höhepunkt wieder zu öffnen. "Wo isch die guate alte Zeit blieba? Wo send die Kavalier nokomma? Wo send meine Zäh?" mit diesen Fragen eröffnete Oma Habermehl (Birgit Hayler) die turbulente und pointenreiche Komödie.

Sparmaßnahmen stehen den Habermehls ins Haus, denn Vater Hans (Bruno Hayler) ist plötzlich arbeitslos. Eine eilig einberufene Familienkonferenz soll wichtige Entscheidungen für die nahe Zukunft treffen, aber die beiden fast erwachsenen Kinder Elke und Florian (Iris Martsch und Dirk Ernst) haben das nicht mehr vorhandene Einkommen für Führerschein und Reisen bereits fest verplant.

Freund "Piwi" (Michael Bezler) leidet ebenfalls unter dem Sparfimmel von Vater Hans. Sein Schwerpunkt liegt da eher bei Tocher Elke. Auch Mutter Bärbel (Heidi Baur) hat schon Anschaffungen geplant. Diese plagen weniger die Geldsorgen, als die scharfen Kurven von Nachbarin Irma Korbmacher (Renate Stifter). Was tun? Das Sparschwein schlachten? Jobben? Niemand merkt, dass Oma mit Freund Georg Kotz (Ulrich Hayler) bereits eigene Wege geht und schon gegangen ist . . .

Mit der Komödie "Ab heut wird g'spart!" von Walter G. Pfaus ist der Mannschaft von Theaterleiterin Birgit Hayler ein absolutes Highlight gelungen vor dem Hintergrund einer sehr bekannten und durchaus ernsten Situation frech, schnell, pfiffig, mit glänzenden Dialogen, in denen die Gags in rascher Folge nur so "knallen". Bruno Hayler als "fanatischer" Sparer und eine nicht wieder zu erkennende Renate Stifter als "Mrs. 10 000 Volt" haben einmal mehr gezeigt, wie viel Potenzial in ihnen steckt. Besonders stolz ist Birgit Hayler auf ihre "Newcomer" Iris Martsch, Dirk Ernst und Michael Bezler, die mit einer bravourösen Leistung ihre ganz persönliche Theaterpremiere feierten.

Wer die Komödie verpasst hat oder gerne noch einmal ansehen möchte, hat am Samstag, 15. Januar, bei der Winterfeier der Stadtkapelle Musikverein Weilheim nochmals Gelegenheit dazu.

ha