Lokales

Musikalische Vielseitigkeit

Gedenkstein für den Komponisten und Musikpädagogen Willy Schneider in Oberlenningen eingeweiht

Bläserklang ertönte am Ewigkeitssonntag beim Albaufstieg zum Wielandstein: Anlässlich des 25. Todestags von Willy Schneider gedachten Familienangehörige, Musiker, ehemalige Schüler und Nachbarn dem Komponisten und Musikpädagogen in besonderer Weise.

Erika Hillegaart

Lenningen. Mitglieder des Förderkreises Schlössle, der Musikschule Lenningen und die Musikvereine Unterlenningen und Gutenberg hatten eine „Initiative Gedenkstein Professor Willy Schneider“ organisiert. Diese Gruppe hatte ausschließlich mit Spenden ein kleines Denkmal für den international bekannten Musikprofessor finanziert.

Eine Bronze-Schrifttafel erinnert nun im Vorgarten von Willy Schneiders ehemaligen Wohnhaus an den Ort, wo dieser fast vier Jahrzehnte gewohnt und gearbeitet hat. Eine filigrane Vogelplastik schmückt den Gedenkstein. Es ist eine Arbeit des Bildhauers Fritz Melis. Der grazile eherne Sänger auf dem heimatlichen Tuffstein kündet vom „reichen Lohn, der aus seiner Kehle dringt“. Der Owener Steinmetz Volker Hahnel gestaltete den Gedenkstein.

Zu der kleinen Matinee am Alb-aufstieg kamen Familienangehörige, Freunde des Komponisten sowie Vertreter der Gemeinde und der Vereine. Karl Sigel, stellvertretender Lenninger Bürgermeister, würdigte die Initiative als beispielhaft. Mit dem hier platzierten Denkmal bleibe das Andenken an Willy Schneider lebendig für die Bevölkerung und die Albwanderer. Sigel wies darauf hin, dass für die zukunftsorientierte Gemeinde Lenningen auch die Vergangenheit eine Botschaft habe: die musische Erziehung weiterhin zu fördern.

Ein Bläserensemble des Unterlenninger Musikvereins spielte die bekannte „Notzinger Dorfmusik“ von “Bläserwilly“. So nannte der Volksmund den ehemaligen Gründer und Leiter der landesweit ausgezeichneten Werkskapelle der Firma Scheufelen. Mit ihrem Open-Air-Spiel erinnerte die Bläsergruppe an die musikalische Heimat des Komponisten. Der Sohn des Stadtmusikdirektors Wilhelm Schneider blies schon als Junge vom Turm der Kirchheimer Martinskirche seine Klänge über die Dächer.

Im Namen der Initiativgruppe würdigte Günter Romberg, ehemaliger Rektor der Lenninger Grund- und Hauptschule und langjähriger Musikschulpädagoge, die Persönlichkeit des Geehrten. Er charakterisierte Willy Schneider als einen vielseitig begabten und hoch motivierten Musikpädagogen. Zunächst habe er Schulwerke und Musikliteratur für Klavier und Geige geschrieben. Der Auftrag, die Werkskapelle aufzubauen, beflügelte Willy Schneider zu einem systematischen Aufbau der Werksmusikschule sowie zu Unterrichtswerken für alle Blasinstrumente. Seine Kompositionen für die jeweiligen Instrumentalgruppen seien markant, volksnah, originell und einfallsreich auf unterschiedlichsten Empfindungsebenen.

Willy Schneider kann durch die Förderung der musikalischen Talente auch als Wegbereiter der 1976 gegründeten Musikschule Lenningen gelten. Seine Instrumentalschulen und Liedsammlungen sind heute noch aktuell und angesehen. Schneiders Kompositionen haben auch über den Rundfunk eine große Hörerschaft erreicht. Eine kürzlich aufgetauchte Aufnahme aus den 60er-Jahren dokumentiert sein Können: Zu Gedichten von Kirchheimer Realschülern komponierte der Musikpädagoge damals spontan eine „Frühlingskantate für Schülerchor und Orchester“.

Christian Schneider, der jüngere Sohn des Komponisten, freute sich über die Würdigung seines Vater. Oberlenningen hat jetzt einen schönen Gedenkstein, der in der Obhut der Gemeinde bleibt. Es mag ein Markstein der örtlichen Geschichte werden, denn gemeinsame Erinnerungen können auch Heimat sein.

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