Lokales

Musikalischer Feuerwehr-Botschafter

Spielmannszug der Feuerwehr Kirchheim feiert 50-jähriges Bestehen mit einem Wochenende voll Musik

NICOLE MOHN

Kirchheim. Es ist eine echte Erfolgsgeschichte, die am Wochenende gefeiert wurde: Mit Kameradschaft und einer großen Portion Idealismus bauten in den vergangenen fünf Jahrzehnten viele engagierte Musiker und nicht minder motivierte Stabführer den Spielmannszug der Feuerwehr Kirchheim zu einer festen Größe in der Teckstadt und Umgebung auf. Selbst die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker gehört zu den erklärten Fans des Zuges: „Ich freue mich immer wieder, den Spielmannszug zu erleben“, bekannte die Stadtchefin in ihrer Laudatio. Von den Festlichkeiten zum Partnerschaftsjubiläum mit Kalocsa hatte sich die Oberbürgermeisterin für eine knappe Stunde losgeeist, um den Musikern beim Festakt am Samstag im Saal der Feuerwache ihre Aufwartung zu machen.

Nicht immer war die Arbeit freilich einfach. An so manchen Stolperstein erinnerte Stadtbrandmeister Roland Schultheiß am Samstagabend beim Festakt im Saal der Feuerwache in seinem Rückblick auf die wechselvolle Geschichte des Zuges. Musik machte man bei der Feuerwehr Kirchheim schon Mitte des 19. Jahrhunderts. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts gründete sich ein Spielmannszug, der bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges bei fast allen größeren Feuerwehrveranstaltungen in Erscheinung trat. In den Nachkriegsjahren bemühten sich einige Musiker darum, den Spielmannszug wieder aufleben zu lassen. Dazu mussten sie echte Überzeugungsarbeit beim Feuerwehrausschuss leisten. Dies gelang erst mit Hilfestellung Nürtinger Kameraden. Mit 19 Musikern feierte der Spielmannszug 1960 seine Wiedergeburt. Erste Proben fanden im Keller des Kornhauses statt. Bald zogen die Feuerwehrmusiker ins Ludwig-Uhland-Gymnasium um, bevor die neue Feuerwache das endgültige Domizil wurde. Starken Aufwind bekam der Zug als Willi Ziegler 1966 die Stabführung übernahm. Vielen ist der Kirchheimer Ehrenstabführer, der sich auch über viele Jahre im Arbeitskreis Musik der Feuerwehrmusik engagierte, bis heute ein Begriff. Selbst nachdem er den Stab nach 14 Jahren an Harry Kemmer weiter gegeben hatte, stand er dem Spielmannszug mit Rat und Tat zur Seite.

Erfolge feierten die Musiker bei zahlreichen Wertungsspielen. 1982 erarbeitete sich der Kirchheimer Zug in der hart umkämpften B-Klasse bei Landeswertungsspielen in Oberjettingen die Silbermedaille. Sechs Jahre später, nun unter der Leitung von Stabführer Günter Schurr in Ettlingen, schrammte man nur um 0,85 Punkte am Pokal vorbei und holte Gold.

Zuvor war 1986 ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: Nach ausgiebiger Suche fanden sich endlich Fanfarenspieler für den Zug. Die ersten Proben fanden beim Spielmannszug Echterdingen statt. Seit 20 Jahren hat der Zug aus Kirchheim aber auch in diesem Bereich eigene Ausbilder.

Frauen nahm der Spielmannszug – anders als die Aktiven – schon früh in seine Reihen auf. Mit Elfriede Bäuchle-Gairing stand von 1997 bis 2001 sogar eine Stabführerin an der Spitze des Zuges. „Ihre Frauenquote ist Spitze, da könnten sich die Aktiven eine Scheibe abschneiden“, stellte auch Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich angesichts der ansehnlichen Frauenquote im Zug fest. Dass es vom „musikalischen Botschafter“ der Wehr auch Synergieeffekte für die aktive Wehr gibt, davon ist der Kreisbrandmeister indes fest überzeugt. Mit der Änderung des Feuerwehrgesetzes seien dafür nun zusätzlich Voraussetzungen geschaffen, so Dittrich in seinem Grußwort.

Für die Zukunft richtete sich der Spielmannszug der Kirchheimer Wehr bereits 2001 neu aus: Die Führungsaufgaben haben die Musiker nun auf zwei Schultern verteilt. Uli Schmid übernahm die musikalische Leitung. Ihm steht Frank Eberle als Zugführer zur Seite. Und auch in Sachen Nachwuchs sind die Weichen gestellt: Unter anderem bildet der Zug in seiner Blockflötengruppe bereits Jungen und Mädchen ab sechs Jahren musikalisch aus. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt der Blick auf die aktuelle Besetzung des Zuges, wo generationenübergreifend Musik gemacht wird. Das zeigte sich unter anderem bei den Ehrungen, die Bezirksstabführer Michael Leutenecker vom Arbeitskreis Musik im Namen des Landesfeuerwehrverbandes vornahm. Da reichte die Spanne von zuginternen Ehrungen für Jannik Schmid, der seit fünf Jahren dabei ist, bis zu Auszeichnungen für mehrere Jahrzehnte im Dienste des Spielmannszuges. Für 20 Jahre zeichnete Leutenecker den stellvertretenden Stabführer und Trommler Klaus Wick aus, seit 30 Jahren sind gar Stefanie Mäule (Flöte) und Brigitte Schmid (Flöte) dabei.

Dass die Feuerwehr musikalisch einiges zu bieten hat, davon konnte man sich nicht nur beim Festakt überzeugen, der mit vielen Stücken aus dem Repertoire an Märschen, Fanfarenstücken umrahmt wurde: Auch der Tag der offenen Tür gestern in der Kirchheimer Feuerwache stand ganz im Zeichen der Feuerwehrmusik. Befreundete Züge gaben ihr Stelldichein und zum Höhepunkt stimmte der Massenchor der Spielmannszüge aus dem gesamten Landkreis Esslingen gemeinsam ein ganz besonderes Geburtstagsständchen an.

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