Lokales

Musikalischer Prinz

KIRCHHEIM Eigentlich war es eine Dreiecksbeziehung. Und eine ungewöhnliche noch dazu. Ein junger Prinz, Johann Ernst von Sachsen-Weimar, lernt bei einer Geschäftsreise in die Niederlande die Musik Antonio Vivaldis kennen. Begeistert zeigt der Heimkehrer Notenabschriften von Vivaldi-Konzerten seinem Hoforganisten (einem gewissen Johann Sebastian Bach) und dem Organisten der Weimarer Stadtkirche, Johann Gottfried Walther.

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Alle drei sind eng miteinander befreundet, Walther sogar entfernt mit Bach verwandt, und jeder ist irgendwie auch des anderen Schüler. Johann Ernst erhält Orgel- und Violinunterricht bei Bach und Tonsatzunterricht bei Walther. Walther wiederum untersucht die Orgelwerke des jungen Bach nach tonsetzerischen Mängeln, während Bach an Walthers Orgeltechnik feilt.

Der Aufforderung des Weimarer Prinzen, Vivaldis Concerti für die Orgel umzuschreiben, kommen beide Organisten mit Feuereifer nach und wenden sich in ihrer Begeisterung auch anderen italienischen Barockmeistern wie Albinoni oder Torelli zu.

Die nächste Orgelmusik zur Marktzeit in der Martinskirche (die übrigens vorletzte insgesamt und letzte mit Bezirkskantor Ralf Sach) trägt die Überschrift "Ich befehle Euch, Musiker zu werden"! Dieses Zitat ist ein Beweis, dass die Chemie zwischen diesen Dreien gestimmt haben muss, denn nicht etwa Johann Ernst war derjenige, der diesen Befehl erteilte, sondern diese Aufforderung stammte von seinem Kompositionslehrer Walther.

In der um 11 Uhr beginnenden Orgelmusik in der Martinskirche werden Kompositionen von Johann Gottfried Walther und Johann Ernst von Sachsen-Weimar erklingen. Darunter das concerto-artige Praeludium und Fuge in G-Dur von Walther sowie zwei Concerti von Johann Ernst in der Bearbeitung für Orgel von Johann Sebastian Bach.

Der Eintritt ist frei, wie immer wird um eine Spende für die Kirchenmusik an der Kirchheimer Martinskirche gebeten.

pm