Lokales

Musiker auch als Handwerker aktiv

Drei Wochen lang war ein Teil des Owener CVJM-Posaunenchors in Brasilien. Zur Unterstützung eines Straßenkinderprojekts musizierten die Bläser insgesamt 20 mal und legten auch praktisch mit Hand an.

OWEN 22 Bläserinnen und Bläser reisten nach Brasilien, um dort ein Straßenkinderprojekt vor Ort kennenzulernen. Mit ihren Instrumenten haben sie mehrmals Auftritte gehabt und viel Erstaunen hervorgerufen. Blechbläsermusik ist im Norden Brasiliens nahezu völlig unbekannt. Musiziert wurde in Gottesdiensten und Konzerten, in Schulen und im Gefängnis, in Jugendhilfeeinrichtungen und sogar im lokalen Fernsehen.

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Bewusst haben die Bläser des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Owen Zeit und Finanzen geopfert, um der Verbundenheit mit dem christlichen Straßenkinderprojekt Gestalt zu geben. Entstanden war der Kontakt vor drei Jahren, als das brasilianische Ehepaar Thomaz und Mayra Litz für ein halbes Jahr in Owen war. Sie haben in Kirchengemeinde und CVJM ein Praktikum ab-solviert als Vorbereitung auf die Projektarbeit in Brasilien.

In der Millionenstadt Belém im nördlichen brasilianischen Bundesstaat Par arbeitet ein Team von 30 Mitarbeitern aus dem In- und Ausland sowie etliche Ehrenamtliche an den sozialen Brennpunkten. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den evangelischen Freikirchen der Stadt. Das Ehepaar Litz möchte durch die Projektarbeit den Christen der Stadt die Augen öffnen für den wichtigen diakonischen Dienst in der Gesellschaft. Und sie möchten die Kirchen mündig machen, als Christen soziale Verantwortung in ihrer Umgebung zu übernehmen. "Nur dort, wo Menschen zu einem persönlichen Glauben an Jesus Christus kommen, verändert sich ihr Lebensstil nachhaltig. Wenn wir nur Sozialhilfe leisten und nicht auch mit der christlichen Botschaft kommen, halten die Menschen dankbar die Hand auf, aber es verändert sich nichts. Aber wird konnten schon oft erleben, wie gescheiterte Menschen durch den Glauben an Jesus die Kraft bekamen, aus dem Dreck ihres Lebens herauszukommen und sich und ihrer Familie eine gute Existenz zu schaffen", berichtete der Projektleiter den Owener Besuchern.

Das Projekt "Pro Vida", übersetzt "Für das Leben" ist inzwischen breit gefächert. Sozialarbeiterinnen besuchen Familien in den Elendsgebieten am Rande der Großstadt (Favelas), wo ehemalige Landbewohner vergeblich nach dem "Glück in der Großstadt" suchen. Schon manchen konnten Möglichkeiten der Existenzsicherung eröffnet werden. Konkret wurde dies auch durch die Owener Delegation verwirklicht. Zwei kleine Häuser für gefährdete Familien wurden von den Deutschen mitgemauert, wobei die mangelnde Fachkenntnis durch brasilianische Großzügigkeit ausgeglichen wurde.

Für die kleinen Kinder organisieren die Projektmitarbeiter zusammen mit Kirchengemeinden Vorschulen, weil bei Schuleintritt Kenntnisse in Lesen und Schreiben vorausgesetzt werden, die Stadt aber nicht in der Lage ist, Vorschulen anzubieten. Wohlhabende Familien schicken ihre Kinder an teure Privatschulen. Nun wird durch das Projekt Pro Vida auch Kindern aus den Favelas geholfen.

Außer diesen präventiven Maßnahmen sind die eigentlichen Straßenkinder ein weiterer Schwer-punkt. Sozialarbeiter und Straßenmissionare suchen die Kinder und Jugendlichen dort auf, wo sie sich nach der Flucht von zuhause versammeln. Aus diesen Kontakten heraus wird einzelnen interessierten Jungen die Möglichkeit angeboten, wieder zu einem geregelten Leben mit Zukunft zu finden. Hierzu wurde das Jungenheim "Girassol" gegründet: ein Grundstück außerhalb der Stadt gelegen mit drei Häusern für je acht Jungen und Hauseltern sowie Gemeinschaftsräume, Büros und kleinem Schwimmbad. Mayra Litz als studierte Architektin hat die Gebäude mitkonzipiert. Die Owener Bläsergruppe hat mit einem Arbeitseinsatz bei der Geländesäuberung mitgeholfen. Mit den Jugendlichen, für die die Hilfe zu spät kam, weil sie bereits in Konflikt mit dem Gesetz geraten waren, bleibt das Pro Vida-Team auch im Gefängnis in Kontakt. Seit Neuestem hat die Stadtverwaltung sogar Mittel bereitgestellt, dass mit dem Teilprojekt "Novo Rumo" (Neue Richtung) jugendlichen Haftentlassenen Hilfestellung bei der Wiedereingliederung gegeben wird. Auch das macht das christliche Team aus Überzeugung gerne.

Für die Owener war von Anfang an wichtig, dass es keine touristische Reise sein würde, sondern bewusst zur Unterstützung dieser christlichen Arbeit in Belém. Daher war der Chor auch im Owener Gottesdienst zu dieser "Sendfahrt" ausgesandt worden und es wird am Freitag, 15. September, um 19.30 Uhr, einen Berichtsabend im Owener Gemeindehaus geben. Durch ein Konzert und einige Aktionen konnte der CVJM-Posaunenchor 6000 Euro für Pro Vida mitbringen.

Die Owener Gruppe hat auch vom Land Brasilien noch einiges sehen können. Eine Schifffahrt auf dem Amazonas, ein Besuch im tropischen Regenwald, Stadtführungen durch Manaus und Belém, Kontakte mit brasilianischen Christen und noch einige Urlaubstage am Atlantikstrand ließen auch die schönen Seiten dieses Landes kennenlernen. Aber nicht nur die Deutschen sind beeindruckt von dem Land und von der guten Projektarbeit des Ehepaares Litz. Auch die brasilianischen Gastgeber äußerten sich sehr dankbar über die Opfer- und Hilfsbereitschaft der Owener.