Lokales

Musiker mussten sich mit brisanten Themen befassen

Vertreter und Vorstände aus fast allen 53 Mitgliedsvereinen des Kreisverbands der Blasmusik Esslingen fanden sich in der Jesinger Gemeindehalle ein. Bei der Hauptversammlung wurde deutlich, dass sich auch die Musiker im Landkreis mit Themen wie Finanzknappheit der Kommunen oder der Ganztagesschule zu beschäftigen haben.

ANJA WEISSINGER

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KIRCHHEIM Schon von weitem war zu hören, dass es musikalisch zugeht in der Jesinger Gemeindehalle. Das "kulturelle Flaggschiff" des Teilorts Jesingen, wie Ortsvorsteher Harald Eiberger den Musikverein stolz nennt, bildete den Auftakt der Hauptversammlung des Kreisverbands der Blasmusik Esslingen, mit den vertrauten Klängen eines Blasorchesters.

Danach eröffnete Elmar Müller die Versammlung. Mit Freude verkündete er, dass die Zuwendungen von Seiten der Kommunen für die Mitgliedsvereine "weitgehend unberührt" geblieben seien. In einigen Ortschaften würde jedoch schon über zukünftige Regelungen für Zuschüsse diskutiert. Was den Vereinsnachwuchs und die Jugendarbeit angeht, zeigte sich der Präsident des Kreisverbands der Blasmusik sehr zufrieden. "In diesem Bereich haben wir eine Position, um die uns andere beneiden", verkündete er stolz. Ein Blick in die Verbandsstatistik zeigt, dass weit über die Hälfte aller aktiven Vereinsmitglieder unter 18 Jahren sind. Elmar Müller rief die Anwesenden dennoch dazu auf, "die Jugend auch weiterhin für die Blasmusik zu begeistern".

Ebenfalls erfreut zeigte sich der Präsident über die Tatsache, dass das Kreisjugendorchester (KJO) nach einigen Turbulenzen nun "musikalisch und organisatorisch wieder in ruhigem Fahrwasser schwimmt". Im vergangenen Jahr hatte der Verband, auf Vorschlag des Orchesters hin, Wolfgang Wössner als neuen Leiter des KJO verpflichtet. Dass Orchester und Dirigent sehr gut harmonieren, bestätigte der Verantwortliche, Christoph Neumann.

"Was uns jedoch bedrückt, ist die Lage des Schullandheimes Lichteneck", kam Präsident Elmar Müller auf weniger erfreuliche Themen zu sprechen. Aus finanziellen Gründen wäre bereits angedacht worden, das Schullandheim oberhalb von Hepsisau, das vom Kreisverband seit langem als Ausbildungsstätte genutzt wird, zu verkaufen, zu verpachten oder in die Hände einer Stiftung zu geben. "Der Landrat hat mir jedoch versichert, dass wir zumindest in diesem Jahr nicht mit wesentlichen Veränderungen rechnen müssen", erklärte Müller. "Es wäre ein großer Verlust, wenn uns Lichteneck nicht mehr als Ausbildungsstätte zu Verfügung stünde."

Die Einführung der Ganztagesbetreuung an Schulen stellt auch an den Kreisverband neue Herausforderungen. Für die Nachmittagsbetreuung der Kinder und Jugendlichen baut das Land unter anderem auch auf die Mithilfe von Vereinen. Müller betonte in diesem Zusammenhang, dass die Schulbetreuung das Zukunftsverhalten der Jugendlichen verändern würde. Darum sei es wichtig, in dieser Angelegenheit auch schon wegen des Nachwuchses für den Verein "von Anfang an dabei zu sein".

Kreisverbandsdirigent Michael Unger, der dabei federführend die Verhandlungen mit dem Landkreis übernimmt, gab jedoch zu bedenken: "Das Kultusministerium will Vereine nicht nur in die musikalische, sondern auch in die allgemeine Betreuung einbinden." Er hielte es für wünschenswerter den Musikunterricht, der seiner Meinung nach in den Grundschulen immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird, stärker zu fördern. Das sei Aufgabe der Musikvereine.

Unger sprach außerdem für den Arbeitskreis Musik, der dringend neue Mitstreiter bräuchte. Dabei rief er den Anwesenden ins Gedächtnis, dass der Arbeitskreis ein alters- und generationenübergreifendes Forum bilde, der auch die einzelnen Mitgliedsvereine verbinde.

Dass auch der Kreisverband mit der Zeit geht, zeigt der neue Internetauftritt, der von Jens Hojdar und Magnus Breisch eingerichtet wurde. Mit Hilfe des Webs will der Verband nun unter anderem die Verteilung von Infomaterial "auf die elektronische Schiene verlagern". Neben einer aktuellen Terminübersicht soll die neue Seite auch die Mitgliedervereine per Link anbinden.

Der geschäftsführende Präsident Dieter Wais, konnte in seinem Bericht verkünden, dass der Kreisverband im letzten Jahr zu einem ausgeglichenen Haushalt zurückkehren konnte: "Finanztechnisch läuft also alles in geregelten Bahnen". Außerdem belegte er, dass alles, was der Verband an Zuschüssen bekomme, restlos an seine Mitglieder weitergegeben werde.

Änderungen und Neuerungen im Prüfungswesen erläuterte Alexandra Zonca, Leiterin der Abteilung D-Lehrgänge. Neben einer neu überarbeiteten Schlagzeugprüfung wird es ab Juni zusätzlich das neue Juniorabzeichen geben. Es ermöglicht den Kindern, noch vor den so genannten D-Lehrgängen, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das Juniorabzeichen soll im Rahmen eines Vorspiels, ohne theoretische Prüfung stattfinden. Alexandra Zonca legte auf der Versammlung ihr Amt im Ausbildungswesen nieder und wurde vom Präsidium verabschiedet. Auch Präsident Elmar Müller teilte zum Schluss mit, dass er sich im nächsten Jahr aus zeitlichen und beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl stellen werde.