Lokales

„Muss jeden Cent umdreh‘n“

Für Karin M. und ihre Sprösslinge ist das Schulkinderprojekt der Diakonie ein Segen

Die Teckboten-Weihnachtsaktion unterstützt neben „Fit4family“ und dem Leihoma/-opa-Projekt das Schulkinderprojekt des Kreisdiakonieverbands Esslingen. Dieses ermöglicht Eltern mit geringem Einkommen, den Schulbedarf ihrer Kinder zu finanzieren.

richard umstadt

Kirchheim. Karin M. aus Owen (Name von der Redaktion geändert) muss Tag für Tag und Monat für Monat genau rechnen. Die Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines neunjährigen Sohnes ist alleinerziehend und lebt von Arbeitslosengeld II. Das sind monatlich 724 Euro plus 318 Euro Kindergeld und je Kind nochmals 156 Euro aus der Unterhaltsvorschusskasse. Macht summa summarum 1 354 Euro im Monat. Davon gehen knapp 400 Euro für die Kaltmiete der 64 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Wohnung ab, ebenso rund 140 Euro monatliche Nebenkosten für Heizung und Strom. Bleiben an Lebensunterhaltskosten rund 800 Euro übrig. „Da muss man auf jeden Cent schauen“, sagt die alleinerziehende Mutter, die in Secondhandläden, im Diakonieladen und in Discountern einkauft. Inzwischen ist sie darin geübt, günstige Angebote zu nutzen. Kommen allerdings unvorhergesehene Kosten auf sie zu, wird‘s brenzlig.

Auch eine Einschulung geht ins Geld. Das stellte Karin M. einmal mehr zum Schulbeginn ihrer Tochter fest. Zuvor war beim ersten Elternabend eine Liste verteilt worden, auf der die benötigten Materialien für die Abc-Schützen aufgeführt standen: Hefte, Umschläge, Ordner, Stifte, Radiergummi, Bleistiftspitzer, Schere und einiges mehr. Vor allem ein neuer Schulranzen sowie Turnschuhe und -klamotten hätten ein dickes Loch in die ohnehin schmale Familienkasse gerissen. „Es war für mich beruhigend zu wissen, dass es das Schulkinderprojekt der Diakonie gibt und ich meiner Tochter einen neuen Schulranzen kaufen konnte“, sagt die 40-Jährige. Immer wieder hat sie das Gefühl, ihren Kindern als Mutter nicht gerecht werden zu können. „Ich muss meinen Kindern immer wieder Wünsche verwehren“, stellt sie bedauernd fest und ihr Nachwuchs drückt seine Unzufriedenheit auch aus: „Du hast nie Geld.“ Und Kinder vergleichen. „Das fängt bereits in der Grundschule an.“ Sie sehen, was sich andere Familien leisten können und wie ihre Klassenkameradinnen und -kameraden ausgestattet sind.

Inzwischen konnte Karin M. einen Nebenjob auf 100-Euro-Basis ergattern. Darüber ist sie ganz froh. Das ermöglicht den Kindern ein normales Leben mit Freundinnen und Freunden und die Mitgliedschaft in einem Sportverein, der jährlich 34 Euro Beitrag kostet.

Die Owenerin lebte neun Jahre lang im Ausland. Als Wirtin einer kleinen Backpacker-Pension hatte sie sich in einem mittelamerikanischen Land selbstständig gemacht. Als die Rucksacktouristen immer spärlicher wurden und ihr Ältester vor der Einschulung stand, fand sie vor vier Jahren den Weg zurück in die alte Heimat. „Es war so gut wie aussichtslos, hier einen entsprechenden Halbtagsjob zu erhalten und relativ schwierig, eine Wohnung zu finden“, erinnert sie sich.

Nachdem nun beide Kinder vormittags zur Schule gehen und die Kernzeitenbetreuung von 7 bis 13 Uhr nutzen, kann sie getrost jobben gehen. Noch mehr entgegenkommen würde ihr eine Ganztagsschule. „Wenn ich meine Kinder den ganzen Tag versorgt wüsste, würde ich sicher auch eine entsprechende Arbeit finden“, ist Karin M. zuversichtlich. In ihren alten Beruf, sie wurde vor 20 Jahren zur Apothekenhelferin ausgebildet, kann sie nicht zurück, weil sie zu lange draußen ist, wie sie sagt. Doch die 40-Jährige ist von Haus aus optimistisch: „Ich nehm‘s wie‘s kommt und mach‘ das Beste da­raus.“

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