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"Muss mit aller Macht verhindert werden"

Ganz und gar nicht einverstanden ist der Verband Region Stuttgart mit der flächenmäßigen Ausweitung des Fabrikverkaufs in Metzingen. Bei Enthaltung der FDP meldete der Planungsausschuss erhebliche Bedenken an, weil unter anderem ein deutlicher Kaufkraftabfluss, insbesondere aus Nürtingen, zu befürchten sei.

STUTTGART Nach den Plänen sollen die Verkaufsflächen für Fabrikverkauf und Fachmärkte in Metzingen um knapp 10 000 Quadratmeter wachsen. Das stelle einen ganz erheblichen Verkaufsflächenzuwachs zu den ohnehin schon vorhandenen 20 000 Quadratmetern dar, sagte Regionalplaner Martin Wiemann.

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Da Metzingen in der Region Neckar-Alb liegt und es sich um ein Raumordnungsverfahren des Regierungspräsidiums Tübingen handele, könnten die strengen Maßstäbe zum großflächigen Einzelhandel des Stuttgarter Regionalplans nicht geltend gemacht werden. Allerdings würden die Stuttgarter Planziele zum Schutz der innerörtlichen Versorgung der Bevölkerung aufgeweicht, wenn dieses Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Region Stuttgart realisiert würde, so Wiemann weiter.

Obwohl das Einzugsgebiet des Metzinger Fabrikverkaufs weit über die Region Stuttgart hinaus geht, sei mit einem deutlichen Kaufkraftabfluss vor allem aus Nürtingen zu rechnen, was durch ein GMA-Gutachten teilweise bestätigt wird.

Als weiteren Grund für die Ablehnung des Vorhabens führte Martin Wiemann auf, dass Fabrikverkauf nach dem Landesplanungsgesetz nur in Oberzentren zulässig sei. Lediglich, wenn die Geschossfläche unter 5 000 Quadratmetern liege, sei eine Ausnahme in einem Mittelzentrum möglich. Das ist beim geplanten Vorhaben in Metzingen nicht der Fall. Deshalb sprachen sich außer der FDP alle Fraktionen dafür aus, die Ablehnung des Projekts auch deutlich zu formulieren.

Für die CDU-Fraktion schlug Bernhard Fritz vor, nicht nur Bedenken, sondern "erhebliche Bedenken" zu erheben. Er wünschte sich mehr Entgegenkommen von der Region Neckar-Alb, die doch im Gegenzug beispielsweise von Flughafen oder Neuer Messe profitiere.

Auch Nürtingens Ex-OB, Alfred Bachofer (FW), war daran gelegen, einen deutlich schärferen Ton anzuschlagen. Denn, "es muss mit aller Macht verhindert werden, dass eine Konzentration, die heute schon schädlich ist, derart aufgestockt wird". Er verlangte, alle politischen Hebel in Bewegung zu setzen, um die Pläne zu verhindern. Dem stimmte die Kirchheimer Oberbürgermeisterin, Angelika Matt-Heidecker (SPD), zu. Bereits der heutige Zustand sei für einen großen Teil der Region Stuttgart, nämlich für den gesamten Filderbereich, verheerend. "Wir wollen die europäische Stadt und keine amerikanischen Städte."

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ingrid Grischtschenko, fragte sich: "Wie schlimm muss der Zustand schon sein, wenn das GMA-Gutachten bereits eine so deutliche Ablehnung trifft?" Sie schlug vor, der Stellungnahme die Kapitel für großflächigen Einzelhandel des Stuttgarter Regionalplans beizulegen. Egon Eigenthaler (Republikaner) war ebenfalls überzeugt, dass sich ein mittel- und langfristiger Schaden in Form von Kaufkraftabfluss einstelle. Ulrich Scholtz (FDP) sprach sich für eine differenziertere Betrachtung aus. Er verwies auf die historische Entwicklung des Fabrikverkaufs in Metzingen. Eine derartig gut funktionierende Einrichtung mit Käufern aus ganz Europa dürfe nicht kaputt geredet werden.

pm