Lokales

Mutige Investition einer kleinen Kirchengemeinde

In neuem Glanz erstrahlt die Nikolauskirche in Gutenberg. Feierlich wird sie am kommenden Sonntag mit einem Festgottesdienst, buntem Programm und einem geistlichen Chorkonzert eingeweiht.

LENNINGEN Eine Rundumerneuerung hat die Gutenberger Nikolauskirche hinter sich und zeigt sich nun nach Jahren der Renovierung dem Besucher in seiner ganzen Pracht. Der Zahn der Zeit hatte an dem 1865 erbauten Gotteshaus genagt, weshalb der Kirchengemeinderat beschlossen hatte, das Gebäude zu renovieren. Nötig geworden war dies, weil in das Kirchenschiff Regenwasser eingedrungen war und Wasserflecken die Wände verunstalteten.

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Begonnen wurde mit den Arbeiten im Frühjahr 1999. Zunächst wurden die Fugen der Sandsteinfassade abgedichtet und nach Abdampfen und Sandstrahlen präsentierte sich die Außenfassade in neuer Schönheit. Zudem wurde um das gesamte Gebäude eine Drainage verlegt. Im Zuge dieser Arbeiten kam zudem zu Tage, dass das Dach ebenfalls in einem schlechten Zustand war. "Der Kirchengemeinderat beschloss in einer Sondersitzung die Ausbesserung des Dachstuhles", sagt Gutenbergs Pfarrer Helmut Sobko. In diesem Zusammenhang wurde auch die Turmfassade erneuert.

"Die ebenfalls geplante Innenrenovierung der Kirche musste aus Finanzgründen zunächst zurückgestellt werden", so Helmut Sobko. Nachdem die Finanzierung für den zweiten Bauabschnitt geklärt war, fand am 4. Juli vergangenen Jahres der letzte Gottesdienst statt, ehe die Handwerker das Kommando in der Kirche übernahmen. Tatkräftigt unterstützt wurden sie dabei von zahlreichen Helferinnen und Helfern, die über 1000 kostenlose Arbeitsstunden leisteten. Kräftige Männer waren gefragt, als der Kirchenfußboden auf einer Tiefe von rund einem dreiviertel Meter mühselig mit Schaufel und Schubkarre entfernt werden musste. Etliche Tonnen Material kamen da zusammen, einen Minibagger einzusetzen untersagte das Landesdenkmalamt jedoch. "Dass wir bei unseren vorbereitenden Arbeiten so schnell voran kommen konnten, ist der tatkräftigen Hilfe einzelner Bürger und den zwei schnell entschlossenen schwungvollen Einsätzen der Männer der Freiwilligen Feuerwehr Gutenberg zuzuschreiben", ist im Internet nachzulesen, als es um die Entfernung der Bänke und Bankpodeste sowie des Bodens ging.

Mittlerweile ist der Unterbau eingebracht, Estrich und Fliesen gelegt. Erneuert wurden der Holzfußboden unter den Bänken und der Empore, Bänke und Stühle, Elektrik sowie Heizungs- und Akustikanlage. Zudem versetzten die Handwerker die Altarstufen und renovierten die Sakristei.

Die Kosten für die Innenrenovierung belaufen sich auf etwa 250 000 Euro, die Außenrenovierung kostete damals rund 250 000 Mark. Diese Investitionen sind ein mutiger Schritt für eine solch kleine Kirchengemeinde, die im Moment 651 Mitglieder zählt und zu der auch die Bewohner aus Krebsstein und Schlattstall zählen. "Wir mussten einen Kredit aufnehmen, der uns an die Grenzen des Möglichen für die nächsten zehn Jahre brachte", sagt Pfarrer Sobko. Finanziell unterstützt wurde die Kirchengemeinde auch von der Landeskirche, außerdem gab es auch zahlreiche Spenden.

Vor der Renovierung machten sich Kirchenmitglieder auf die Suche nach dem Bauplan des Gotteshauses, was jedoch lange ohne Erfolg gekrönt war. Im Sommer 1996 stießen sie dann beim Durchstöbern einer alten Chronik von Pfarrer Hochstetter vom 14. September 1865 auf die Lösung: "In den Chorbogen etwas über der Kanzel wurde ein Stein eingesetzt, in welchen eine lange blecherne Kapsel gelegt wurde. Dieselbe enthält eine Urkunde über den Kirchenbau nebst Riss auf Pergament. Auch die 2 Schriftchen, welche von mir zum Besten des Kirchenbaues herausgegeben wurden, nemlich: Die Teck und ihre Umgebung und 12 Gleichnisse aus dem Propheten Jeremia wurden in die Kapsel gelegt. Um den Stein etwas kenntlich zu machen, wurde in denselben die Jahrzahl eingehauen." Im Eifer des Gefechts zerstörten die "Schatzsucher" den Original-Abdeckstein von 1865, der nun durch einen neuen ersetzt wurde. Die Steintafel schließt die Wandöffnung, in der die Kupferschatulle an ihren alten Ort zurückgebracht wurde.

Wer mehr über die Geschichte der Nikolauskirche in Gutenberg erfahren möchte, zudem noch Interesse an Geschichten und Anekdoten hat, der wird auf der informativ und umfangreich gestalteten Internetseite unter www.kirche-gutenberg.de fündig. Dort erfährt man beispielsweise, wann der letzte Krebssteiner Täufling den Steig heruntergetragen wurde.

Am Sonntag, 17. April, wird das Gotteshaus feierlich eingeweiht. Neben den Veranstaltungen wird die Nikolauskirche den ganzen Tag über geöffnet sein. Organisten werden gelegentlich für musikalische Untermalung sorgen. Auch für Bewirtung ist gesorgt. Um 10 Uhr beginnt der Festgottesdienst für Kinder und Erwachsene unter Mitwirkung des Musikvereins Gutenberg und eines Musizierkreises, die Kinder gehen dann vor der Predigt zu einem extra Programm ins Gemeindehaus. Gegen 11.30 Uhr ist ein Ständerling geplant und von 14.30 bis 16 Uhr gibt es ein Kinderprogramm in der Kirche. Um 19.30 Uhr findet ein geistliches Chorkonzert mit dem Liederkranz Gutenberg und dem Kammerchor Schola Sine Nomine statt.

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