Lokales

Mythen und Märchen aus Lateinamerika

Für die Hilfe für die Ärmsten zu sensibilisieren und für Hilfe für Ecuador, das ärmste Land Lateinamerikas, zu werben, war das Ziel einer Benefizveranstaltung im katholischen Gemeindehaus in Weilheim. Hier bestand Gelegenheit, einen Blick auf die Menschen zu werfen, die dort leben, und ihre Traditionen kennenzulernen.

INGE SNAY

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WEILHEIM Das Nürtinger Gitarrenensemble hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt, und trug einfühlsame Musik vor. Im Wechsel mit Märchen und Mythen aus Lateinamerika entführten sie die Zuhörer in die Welt uralter Überlieferungen, durch Generationen weitergereicht unter den Indios.

Still wurden die Besucher, als perlende Gitarrenklänge den Vortragsabend eröffneten. Zu den zarten Klängen gesellten sich rasch eher dumpfe, rhythmische Töne, Überleitung zu einer fremdartigen Welt von Geistern und Göttern, von der die vorgetragenen Sagen erzählten, Geschichten, deren Zauber die Hörer einfing, und die ein wenig von der Seele und der Naturverbundenheit der Indios preisgaben.

Von Göttern wurde erzählt, die in Gestalt von Tieren oder Menschen oder auch unsichtbar ihre Rolle im Leben der Indios spielten, von Geistern, von denen die Menschen in ihrer Fantasie nicht immer sicher wussten, ob sie nun eigentlich gut waren oder böse. Präsentiert wurde eine mystische Welt, die schon durch ihre krasse Gegensätzlichkeit zum Realitätssinn hier und heute faszinierte.

Nur die erste Sage, die vom mächtigen Geist "Tungurbao", wurde zur Einstimmung in spanischer Sprache vorgetragen von Carolin Bross selbst aus Lateinamerika , alle weiteren dann in Deutsch. Der veranstaltende Verein "Hilfe für Guasmo" bekanntlich für junge Menschen in Ecuador tätig hatte das Glück gehabt, dafür die Rundfunksprecherin Irmgard Förch gewinnen zu können, deren exzellente Lesung die Zuhörer fesselte. Sowohl Irmgard Förch als auch das durch zwei Flöten verstärkte Nürtinger Gitarrenensemble hatten sich spontan bereit erklärt, unentgeltlich mitzuwirken.

Dass am Ende der Veranstaltung die Besucher sich mit einer Gabe ins Spendenkörbchen bedankten, freute die Veranstalter; jeder gespendete Euro trägt schließlich dazu bei, Jugendlichen aus dem unvorstellbar verwahrlosten Elendsviertel der Hafenstadt Guayaquil und aus dem Urwald jenseits der Anden eine Perspektive zur Befreiung aus dem Elend zu eröffnen.

Seit 19 Jahren bemüht sich der Verein "Hilfe für Guasmo" dort erfolgreich um Bildung und Ausbildung für Kinder und Jugendliche. Eine junge ecuadorianische Frau hat die Bedeutung der Hilfe aus Deutschland so ausgedrückt: "Alfabetisar es liberar" ("Wissen ist Befreiung").

Inzwischen trägt das 19-jährige Bemühen erfreuliche Früchte: aus den von "Hilfe für Guasmo" eingerichteten Schulen und Berufsbildungsstätten sind Absolventen hervorgegangen, von denen einige nach erfolgreichem Examen selbst als Lehrer oder Betreuer in die Arbeit eingestiegen sind, und die sich ihrerseits um die Kinder aus ärmsten Familien, um Straßenkinder und um lernwillige, aber für den Schulbesuch zu arme Jugendliche kümmern.

Die von "Hilfe für Guasmo" eingerichteten Schulen mitten im Elendsviertel von Guayaquil, die vom Verein betreute Schneiderinnenausbildung, Mechanikerkurse, das Fernkolleg oder Alphabetisierungskurse sind die zentralen Aufgaben, die unendlich viel Geduld und Einsatz erfordern, und die natürlich Geld kosten, Geld, das ausschließlich über Spenden hereinkommt. Jede Ausgabe in Ecuador wird vom Verein zweckgebunden eingesetzt, und bisher ist es immer gelungen, dass hundert Prozent der Spenden ohne Abzug in die Arbeit vor Ort gehen.

Der Erfolg von "Hilfe für Guasmo" wird auch künftig ausschließlich von Spenden abhängen. Auch deshalb tut es der Vereinsarbeit gut, wenn Menschen in Ecuador mit ihren Wurzeln, ihrer Tradition und ihrer Seele durch Veranstaltungen wie der in Weilheim den Menschen in Deutschland näher gebracht werden. Weitere Informationen über "Hilfe für Guasmo" halten Ursula Hauser, Laubersberg 48 in Kirchheim, Telefon 0 70 21/4 43 09 sowie Arnold E. Piesiur bereit. Er ist unter der Rufnummer 0 70 21/7 17 97 zu erreichen.

Im Internet sind unter www.hilfe-fuer-guasmo.de weitere Informationen zu finden. Ein Spendenkonto ist eingerichtet bei der Landesbank Baden-Württemberg in Kirchheim, Kontonummer 864 864 6, Bankleitzahl 600 501 01.