Lokales

Nach 30 Jahren wieder alles unter einem Dach

Das "neue" Weilheimer Rathaus ist nach zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Die Verwaltung hat sich dort bereits häuslich niedergelassen. Am Sonntag öffnet das Rathaus nun seine Türen für die gesamte Bevölkerung: Von 11 bis 17 Uhr sind das Bürgerbüro mit dem darüberliegenden Sitzungssaal sowie das Längshaus mit seinen drei Bürogeschossen zu besichtigen.

ANDREAS VOLZ

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WEILHEIM Der alte Sitzungssaal aus dem Jahr 1955 ist schon längst der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Das Luftbild allerdings, das einstmals dort hinter den Plätzen der Verwaltungsspitze prangte, hängt mittlerweile an einer vergleichbaren Wand im neuen Sitzungssaal. Der Saal besticht durch seine Form, die sich auch nach dem zweiten Blick keinem erkennbaren geometrischen Grundmuster zuordnen lässt. Wie bei einer Schüssel weiten sich zudem die Wände nach oben, wo sie ein Flachdach stützen, das nach zwei Richtungen leicht geneigt ist. Neben modernster technischer Ausstattung weist der neue Saal auch besondere Ausblicke auf: einmal in Richtung Peterskirche und dann zumindest bei geöffneter Trennwand zwischen großem und kleinem Sitzungssaal zur Limburg, also zum Weilheimer Hausberg hin.

Bürgermeister Hermann Bauer sprach bei der gestrigen Pressebesichtigung von einem "denkwürdigen Ereignis für die Stadt". Erstmals seit 30 Jahren sei die Weilheimer Stadtverwaltung wieder unter einem Dach vereint. Diese Feststellung gilt im eigentlichen Wortsinn hauptsächlich für das Jahr 2007: Bürgermeisteramt und Hauptamt haben nämlich vorläufig Büros im Erdgeschoss des Neubaus bezogen. Erst wenn der ebenerdig gelegene Teil des alten Rathauses gegen Ende des Jahres umgebaut sein wird, kehren diese beiden Ämter wieder in ihre angestammten Räume im ersten Obergeschoss des Altbaus aus dem Jahr 1777 zurück.

Aus diesem Grund lädt die Stadt Weilheim jetzt auch "nur" zum Tag der offenen Tür ins Rathaus ein. Die "richtige" Einweihung steht erst imFrühjahr 2008 an, wenn alle Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Bis dahin wird sich dann das Untergeschoss des alten Rathausgebäudes ungewohnt offen präsentieren: Die einstigen Tore werden als Glastore wieder sichtbar gemacht. Wo ganz früher einmal die Markthalle war, soll rechts vom Haupteingang das Trauzimmer entstehen und links eine Eingangshalle. Diese Eingangshalle wird dann vom alten Rathaus in den Neubau hinüberführen.

Für die Verbindung der beiden Bauteile sorgt eine Glasfuge, die ebenfalls noch herzustellen ist, wenn die Umbauarbeiten im historischen Gebäudeteil vorangeschritten sind. Momentan führt eine Art Behelfsbrücke vom Längsbau zur Tür des einstigen Sitzungssaals im ersten Obergeschoss. Besonderen Wert legt Bürgermeister Bauer auf die Feststellung, dass durch den Aufzug im Längsbau sowohl dieser Bürotrakt als auch der Sonderbaukörper mit Bürgerbüro und Sitzungssaal behindertengerecht erschlossen sind. Sobald der Verbindungsgang hergestellt ist, wird erstmals auch der Altbau einschließlich Amtszimmer des Bürgermeisters im ersten Stock für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte bequem zu erreichen sein.

Auch das Archiv ist im neuen Gebäudekomplex besser erreichbar als jemals zuvor. Im Frühjahr soll es von der Limburg-Grundschule in die neuen Räume unterhalb des Rathauses umziehen, die direkt von der neuen Tiefgarage aus zugänglich sind. Die Garage selbst hat sich Hermann Bauer zufolge seit ihrer Eröffnung Anfang Dezember bereits bestens bewährt. Durch das zweite Untergeschoss sei die Tiefgarage wesentlich größer, aber vergleichsweise nur minimal teurer geworden.

Kostengünstig wirkt sich auch das Klimakonzept für die beiden neuen Baukörper des Rathauses aus: Mit Wärme aus dem Grundwasser werden die Räume im Winter beheizt und im Sommer gekühlt. Ein wichtiges Argument für die Geothermie sind die gestiegenen Öl- und Gaspreise, sodass Hermann Bauer zuversichtlich ist: "In sechs bis acht Jahren hat sich das amortisiert." Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme einschließlich Abbrucharbeiten, Tiefgarage und Umbau im alten Rathausgebäude waren Anfang 2002 mit 8,6 Millionen Euro berechnet worden. An dieser Summe hat sich bis heute nichts geändert. Dass die Stadt Weilheim diesen Bau überhaupt finanzieren konnte, ist zum einen auf entsprechende Zuschüsse des Landes zurückzuführen, zum anderen auf den Verkauf der Neckarwerksaktien, deren Erlös zur Hälfte im neuen Rathaus steckt, und schließlich auf diverse Grundstückserlöse. Hermann Bauer spricht von Wertabschöpfungen, die sich nicht ohne weiteres wiederholen lassen. Aber auf eines legt er größten Wert: "Wir haben den Bau nicht aus Grund- oder Gewerbesteuermitteln finanziert, und wir sind ohne Neuverschuldung ausgekommen."