Lokales

Nach 40 Jahren noch in voller Blüte

Kirchheim und Rambouillet feiern Anfang Mai in der Teckstadt vier Jahrzehnte Partnerschaft

Der Wonnemonat Mai steht normalerweise für die Farbe Grün, mit der sich Bäume und Sträucher wieder schmücken. In Kirchheim beginnt der Mai aber mit drei ganz anderen Farben: Blau, Weiß und Rot oder – sprachlich passender – bleu, blanc, rouge. Vom 1. bis 4. Mai feiern die Städte Kirchheim und Rambouillet das 40-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft.

Anzeige

Andreas Volz

Kirchheim. „Die Stadt wird sich in den Farben Frankreichs präsentieren“, sagt Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Sie sieht darin ein Zeichen der Verbundenheit und der sehr intensiv gepflegten Partnerschaft zwischen den beiden Städten Kirchheim und Rambouillet. Besonders auffällig dürfte sich der Wochenmarkt am 3. Mai im französischen Gewand präsentieren. Das ist einerseits wörtlich zu verstehen, was die Dekoration der Marktstände und die Kleidung der Händler betrifft. Andererseits bietet der Kirchheimer Samstags-Markt am 3. Mai auch etliche französische Spezialitäten an. Kunsthandwerkliche Souvenirs wiederum können sich die Gäste aus Rambouillet gleich nebenan auf dem Schlossplatz kaufen.

Mit den passenden Klangfarben ist am 3. Mai ab 10 Uhr beim Festakt auf dem Martinskirchplatz zu rechnen: Außer den Nationalhymnen erklingt auch die Europahymne: „Freude, schöner Götterfunken“. Beteiligt daran sind über 100 Sänger von insgesamt drei Kirchenchören: Saint Lubin, Martinskirche und Katholische Gesamtkirchengemeinde. Alle drei Chöre treten bereits am Freitagabend, 2. Mai, in der Martinskirche auf. Zu hören sind Mendelssohns „Te Deum“ und Mozarts „Krönungsmesse“. Am Sonntag, 4. Mai, gestalten die Chöre den ökumenischen Gottesdienst in der Martinskirche mit, der das Partnerschafts-Festwochenende abschließt.

Die Kirchenchöre gehören ebenso zum festen Bestandteil des regelmäßigen Austauschs zwischen Kirchheim und Rambouillet wie die Schulen, verschiedene Künstler- und Sportgruppen oder auch die Feuerwehr. Selbst die Wirtschaft ist mit im Boot: Begleitend zum Jubiläumswochenende gibt es sowohl einen Kongress zum Thema „Erneuerbare ­Energien“ als auch Gespräche zwischen Vertretern des Kirchheimer Bunds der Selbstständigen (BdS) und des Arbeitgeberverbands „MEDEF  Yvelines Sud“. Bei diesen Gesprächen geht es um eine „Praktikantenbörse“ für junge Menschen, die in einem Betrieb in der jeweiligen Partnerstadt Erfahrungen sammeln wollen.

Einen ganz wesentlichen Anteil an der lebendigen Städtepartnerschaft hat der Bürgerbus, der seit 40 Jahren abwechselnd in beiden Richtungen unterwegs ist. Karl-Heinz Rieforth, seit 1978 Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses in Kirchheim, sieht im Bürgerbus eine ideale Möglichkeit für Menschen aus beiden Städten, sich am Austausch zu beteiligen, ohne dass sie deswegen einer bestimmten Organisation angehören müssen.

Die ersten Gruppen, die sich vor 40 Jahren intensiv um die deutsch-französische Freundschaft in ihren Kommunen kümmerten, waren eins­tige Soldaten. Die Kriegsheimkehrerverbände aus beiden Städten haben sich regelmäßig getroffen und so ganz wesentlich zur Versöhnung der einstigen „Erbfeinde“ beigetragen. Inzwischen sind zwischen Kirchheimern und Rambolitains viele Freundschaften entstanden. Vor allem jüngere Teilnehmer der Partnerschaftstreffen wird der Gedanke an frühere Feindseligkeiten deshalb eher befremden.

An diesem Beispiel zeigt sich auch, wie lange die Städtepartnerschaft zwischen Kirchheim und Rambouillet bereits besteht und was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Besiegelt wurde die Partnerschaft erstmals durch den „Verbrüderungseid“, den Kirchheims Oberbürgermeister Franz Kröning und Rambouillets Bürgermeisterin Jacqueline Thome-Patenôtre am 20. Mai 1967 in Rambouillet unterzeichneten. Aus diesem Grund fanden bereits im vergangenen Jahr in Kirchheims französischer Partnerstadt die Feierlichkeiten zum Jubiläum statt. Wenn dieses Jahr in Kirchheim das 40-jährige Bestehen nochmals gefeiert wird, ist auch das korrekt, denn 1968 war das Partnerschaftsabkommen in Kirchheim noch einmal feierlich bestätigt worden.

Die Anfänge der Partnerschaft hatten sich freilich bereits 1966 ergeben, als eine inoffizielle Delegation von Kirchheimer Vereinsvertretern nach Rambouillet reiste, um die Stadt kennenzulernen und die Vorbereitungen zur späteren offiziellen Partnerschaft zu treffen. So zumindest erklärt Karl-Heinz Rieforth die Tatsache, dass auf dem Gedenkstein am Rambouilletplatz die Jahreszahl „1966“ zu lesen ist. Der Stein selbst wurde im Juni 1971 enthüllt, nachdem der Platz seinen heutigen Namen erhalten hatte.

Damals war ein Ahornbaum als „Baum des Bekenntnisses“ gepflanzt worden. Am 3. Mai nun steht die Pflanzung eines Zierkirschenbaums am Rambouilletplatz an. Angelika Matt-Heidecker, die zum Festwochenende den offiziellen Besuch ihres Bürgermeisterkollegen Gérard Larcher und dessen Stellvertreters Jean-Frédéric Poisson erwartet, sieht auch in diesem Baum ein passendes Symbol: „Der Zierkirschenbaum weist darauf hin, dass auch unsere Partnerschaft immer wieder neu aufblühen muss, wenn sie weiterhin lebendig bleiben soll.“