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Nach dem Besuch im Druckhaus sind viele Fragen geklärt

KIRCHHEIM Nach dem Besuch im Druckhaus sind viele Fragen geklärt. Von der anfangs möglicherweise noch vorhandenen Skepsis beim Thema "Zeitung in der Grundschule" ist überhaupt nichts mehr zu spüren

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WOLF-DIETER TRUPPAT

im Gegenteil. Lehrkräfte und Schüler scheinen sich überbieten zu wollen, wenn es darum geht, den Beweis anzutreten, dass auch Grundschüler ungemein viel mit der im Klassensatz zur Verfügung gestellten Zeitung anzufangen wissen.

Die Klassenzimmer der beteiligten Schulen sind dabei wahre Fundgruben für originelle Ideen und für die systematische tägliche Auswertungen des Zeitungsinhalts durch die

(O:21070320.JP_ über 600 an dem Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler. Dass Grundschüler mit Glossen, Kommentaren und Leitartikeln aufwarten können, darf natürlich nicht erwartet werden. Zu sehen, welch originelle Ideen sich zwischen Schülern und Lehrern rund um das Medium Tageszeitung auch fachübergreifend schon entwickelten, ist aber zweifellos eine wahre Freude.

Die Weiterverwertung der bis zu den Weihnachtsferien erfolgenden Zeitungslieferungen im Klassensatz ist eindrucksvoll, denn das Hauptziel ist und bleibt die Vermittlung von Informationen und aktuellen Nachrichten aus der weiten Welt und natürlich vor allem auch aus dem direkten Verbreitungsgebiet. Die jeden Tag auf vielen Zeitungsseiten angebotenen Themen zu sammeln, zu sortieren, systematisch auszuwerten oder nach bestimmten Kriterien zu bündeln und weiter zu verwenden, ist zweifellos der im Brennpunkt stehende Aspekt der vom Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) wissenschaftlich begleiteten Arbeit von "Zeitung in der Schule" .

Was man beispielsweise mit alten Zeitungen alles anfertigen und künstlerisch gestalten kann, ist in vielen Klassenzimmern und in den Gängen der vielen beteiligten Schulen zu bewundern. Da werden aus Zeitungsseiten Streifen gefaltet und attraktive Papierkörbe oder Wanddekorationen gebastelt, Mäuse bekommen ein aus Zeitungs-Papierkügelchen gefertigtes Fell und mit Schere, Klebestift und viel Phantasie werden einstige Überschriften zu ganz neuen Botschaften zusammengefügt.

Auf Wunsch auch einmal in den Unterricht zu kommen, lautete das offene Angebot, das die beiden das Projekt betreuenden Redakteure im Vorfeld machten wobei sie durchaus beim Wort genommen wurden. Per Video in knapp 15 Minuten umfassend und anschaulich darüber informiert zu werden, wie eine Zeitung entsteht, war dabei stets ein dankbarer Impuls für die nicht enden wollenden Fragen, die die begeisterten neuen Zeitungsleser bewegten. Die Sorge um die von ihnen zu erstellenden Artikel stand dabei eher im Hintergrund. Was mit nicht verkauften Zeitungen passiert und ob auch die zur Demonstration mitgebrachten "Druckplatten" wieder verwendet werden können, war für die umweltbewussten Schulkinder eindeutig von viel größerer Bedeutung.

Dass außer sonntags von einer Vielzahl von Menschen arbeitsteilig ein Produkt erstellt wird, das schon frühmorgens im Briefkasten steckt, sorgte nicht zuletzt auch für die erstaunte Frage, wann Zeitungsmitarbeiter eigentlich schlafen dürfen. Dass die aktuelle Zeitungsausgabe ausgerechnet erst gegen Mitternacht gedruckt wird und damit zu einer Zeit, die für Grundschüler zweifellos nicht unbedingt für Lerngänge sich eignet, musste etwas enttäuscht zur Kenntnis genommen werden.

Schon allein die Dimension der über 100 000 Kilogramm schweren Rotationsmaschine und der darauf bewegten Papierrollen ist beeindruckend. Schülerinnen und Schüler aus Bissingen, Dettingen und Owen nutzten daher gerne die Gelegenheit, auch das Druckhaus in der Einsteinstraße zu besuchen. Zu sehen, wie über zehn Kilometer lange Papierbahnen fassende und über 1 000 Kilo schwere Papierrollen auf der einen Seite zugeführt werden und fertige Zeitungen mit eingeschossenen Beilagen auf der anderen Seite der Rotationsanlage herauskommen, ist ein eindrucksvolles Schauspiel, das eigentlich nur noch von einem Rollenwechsel bei laufender Maschine gesteigert werden kann.

Beim sehr gut besuchten Vormittagstermin konnten dann aber immerhin kurz die Laufwerke in Bewegung erlebt und aus nächster Nähe beobachtet werden, wie die schon vom Schulbesuch bekannten "Aluminium-Druckplatten" für den Zeitungsdruck vorbereitet werden. Voll Ehrfurcht verfolgten die aus Bissingen, Dettingen und Owen ins Kirchheimer Druckhaus in der Bohnau gekommenen "ZiSCH-Klassen" mit ihren Lehrerinnen vor Ort, wie sich die große Rotationsanlage mit ihren 400 Motoren in Bewegung setzt. Dass sie dem schon einen Tag nach seinem aufwändigen Entstehen veralteten Produkt Tageszeitung künftig mit noch viel größerem Respekt begegnen werden, ist spätestens dann endgültig sichergestellt, wenn ihre eigenen Artikel auf einer der "ZiSCH-Seiten" zu finden sein werden.

Diese Seiten und die einzelnen Artikel der Schülerinnen und Schüler werden sicher noch lange Zeit im Klassenzimmer oder auch zu Hause gewissenhaft aufbewahrt und damit zunächst dem Kreislauf entzogen, der dafür sorgt, dass Zeitungspapier einen Altpapieranteil von 75 bis 100 Prozent hat.

Die nach intensiven Recherche-Terminen vor Ort alleine oder in Gruppen erarbeiteten Artikel werden sicher über lange Zeit davor bewahrt, schon einen Tag nach dem Erscheinen der aktuellen Ausgabe nur noch dazu zu dienen, Salatköpfe einzuwickeln, Fensterscheiben zu putzen oder filigrane Gläser umzugssicher zu verpacken . . .