Lokales

Nach der Haft droht Ausweisung

Landgericht Stuttgart verurteilt 26-Jährigen zu dreieinhalb Jahren Haft

Der 26-jährige türkische Indus­triemechaniker aus Oberboihingen, der mit großen Mengen Rauschgift in Nürtingen, Owen und Oberboihingen gehandelt hatte, muss dreieinhalb Jahre Haft absitzen. Er hat in seinem Stuttgarter Prozess aber nur einen kleinen Teil der Vorwürfe zugegeben.

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BERND WINCKLER

Stuttgart. Als vor einer Woche vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart der Prozess gegen den 26-Jährigen eröffnet wurde, hatte der Angeklagte noch von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Erst als die Richter einen ehemaligen Komplizen aus Kirchheim in den Zeugenstand riefen, gegen den derzeit eine andere Stuttgarter Strafkammer wegen Drogenhandels verhandelt (wir berichteten), gab er sein Schweigen auf und legte ein Teilgeständnis ab.

Darin gab der 26-Jährige allerdings nur zu, dass er in fünf Fällen mit Drogen in Owen und Nürtingen gehandelt habe, und nicht im 19 Fällen, wie es in der Anklageschrift steht. Zusammen mit einem Mittäter habe er im Sommer 2007 bei mehrfachen Fahrten in die Niederlande Rauschgift eingekauft. Aber nicht an die zehn Kilogramm, sondern insgesamt nur 200 Gramm Kokain und zwei Kilogramm Marihuana. Dass er auch noch mit Ampheta­min-Tabletten gehandelt habe, stritt der Mann ab.

Auch nach Vernehmung des Ex-Komplizen und anderer Zeugen war ihm nun das Gegenteil nicht nachzuweisen. Jedoch waren zwei Kilogramm Marihuana und 200 Gramm Kokain eine recht große Menge Rauschgift, wie es der Staatsanwalt im Plädoyer formulierte, der trotz des Geständnisses eine vierjährige Haftstrafe forderte. Er und auch die Richter gingen übrigens von sechs Fällen Rauschgifthandel aus und nahmen dem 26-Jährigen nicht ab, dass er nur fünf Mal Drogen verkauft habe. Dem Antrag des Verteidigers, den Mandanten zu einer Strafe von unter drei Jahren zu verurteilen, damit er nicht nach der Strafverbüßung ausgewiesen werde, konnten die Richter jedoch im Urteil nicht folgen: Sie schickten den Angeklagten für dreieinhalb Jahre hinter Gitter, berücksichtigen dabei aber auch das Teilgeständnis strafmildernd.

Im Urteil betonte der Vorsitzende Richter Heinz Layher ausdrücklich, dass Kokain zu den gefährlichsten Rauschmitteln überhaupt zählt und sehr große psychische Schäden verursacht. Solche Menschen dämmern dahin und das Gehirn werde bei langem Konsum zerstört. Nach Verbüßung der dreieinhalb Jahre muss der Verurteilte mit seiner Ausweisung in die Türkei rechnen.