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Nach einem vollen Jahr folgt ein mageres

Nicht nur Daheimgebliebene und solche, die in Deutschland Urlaub machen, haben Grund sich über den Sommer zu beschweren. Auch die Bauern können sich weitaus bessere Bedingungen für den Anbau und die Ernte vorstellen.

SARAH MEDER

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KIRCHHEIM Mit der Qualität des geernteten Getreides dürfen die Bauern im Kreis Esslingen zwar größtenteils zufrieden sein, jedoch lassen die Erträge, die oft weit unter dem Rekorderntejahr 2004 liegen, zu wünschen übrig.

Schon die anhaltende Trockenheit im Juni ließ die Landwirte bei einigen Getreidearten, wie Sommergerste, Raps und Weizen Ertragseinbußen befürchten. Dann verschob sich die Ernte durch anhaltende Regenfälle in der zweiten Julihälfte um beinahe zwei Wochen. Dieses unbeständige Wetter hielt auch im August weiter an und zwang die meisten Bauern dazu, abzuwarten und auf besseres Wetter zu hoffen. "Je länger das Getreide jedoch im Regen stehen muss, desto geringer drohen die Erträge und die Qualität zu werden", gibt Walter Vohl, Vorsitzender des Kreisbauernverband, zu bedenken.

Vor allem dem Weizen, der wichtigsten Getreideart Deutschlands, schadet die Nässe sichtbar.

Während die Trockenheit im Juni die Kornausbildung behinderte, führte die hohe Feuchtigkeit teilweise dazu, dass die Körner in den Ähren erneut auskeimten und die Ähren sich dunkel färbten, berichtet der Deutsche Bauernverband in der dritten Erntemeldung. Das wiederum lässt die Fallzahl sinken, den Indikator für die Backfähigkeit des Weizens. Die gleichen Probleme bereitete der Regen dem Roggen. Auch dieser wird kaum an die Spitzenerträge des Vorjahres herankommen.

Auf Grund der Ökosteuer und der hohen Ölpreise können es sich die Landwirte auch nicht leisten, das Getreide nass zu ernten. Die Trocknungskosten, um das Korn auf die für die Lagerung erforderlichen 14 Prozent Wassergehalt herunterzutrocknen, wären zu hoch.

Eine längere Schönwetterperiode käme jetzt wie gerufen, um Weizen und Roggen, die zu großen Teilen noch auf den Feldern stehen, endlich abzuernten. Ein Ertragsrückgang von oft bis zu 20 Prozent lässt sich dabei nicht mehr vermeiden. Vor allem bei Sommergerste, die meist als Braugerste angebaut wird, und Wintergerste gibt es auf Grund der schlechten Wetterbedingungen verminderte Erträge. Schon im Vorjahr wurde die Rentabilitätsgrenze beim Braugerstenanbau deutlich verfehlt, da ein großer Prozentsatz wegen des zu geringen Vollkornanteils nicht braufähig war.

Dafür stehen die Zeichen bei der Vermarktung der Futtergerste positiv, was auf die hohe Nachfrage der Mischfutterhersteller und Exporteure zurückgeht. Vor allem Portugal, Spanien und Nordafrika haben infolge der Trockenheit einen extremen Importbedarf. "Auch beim Raps ist mit einem Anziehen der Preise zu rechnen", glaubt Walter Vohl, denn auch bei diesem sind die Erträge unterdurchschnittlich. Insgesamt könnten die Preise aber besser sein. Um diese steigen zu lassen sind allerdings wegen der Rekordernte im Vorjahr die Lagerbestände noch zu hoch.

Bei den Kartoffeln liegen die Erträge zwar auch unter denen des Vorjahrs, jedoch können spätere Sorten noch von der feuchten Witterung profitieren. Durch den relativ langen Winter wurde nämlich auch erst später als gewöhnlich gesät. Die Frühkartoffeln sind inzwischen weitgehend abgeerntet und es wird mit der Rodung der mittelfrühen Sorte begonnen.

Zwischen all diesen "Sorgenkindern" sticht ein Korn, das von dem nassen Sommer profitiert hat, besonders positiv hervor. "Der Mais hat vor allem im Juli ein sagenhaftes Wachstum an den Tag gelegt", freut sich Vohl.