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Nach mageren Zeiten wächst die Hoffnung auf "vier fette ...

Das frische Grün des Einbands lässt hoffen. Froh gestimmt über die positiven Aussichten des neuen Haushalts 2007, plädierten nach dessen Einbringung durch Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle alle Bürgervertreter für das Planwerk, das ein Volumen von 6,758 Millionen Euro aufweist. Es war übrigens der 20. Haushalt, den der Verwaltungschef seit Amtsantritt in der Seegemeinde vorstellte.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN Die Haushaltszahlen weisen nach oben und nach vier Hungerjahren sollen nun vier fette Jahre folgen, wie Bürgermeister Kümmerle hoffnungsfroh in die Zukunft blickte. Was dann geschehen soll, ist für den Verwaltungsfachmann ebenso klar wie für die Bürgervertreter: den Investitionsstau abarbeiten und die Schulden abbauen, lautet die Devise. Dabei halten es die Bissinger mit dem Unternehmer Philip Rosenthal: "Wer zu spät an die Kosten denkt, ruiniert sein Unternehmen. Wer immer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität." Aus diesem Grund sind intensive Vorberatungen im Bauausschuss sowie im Verwaltungs-/Finanzausschuss dem Finanzpaket 2007 vorausgegangen. Es wurde abgewogen, zuerst auch an den Schuldenabbau zu gehen und dann das Notwendige und somit Finanzierbare im Haushalt 2007 vorzusehen.

Der Verwaltungshaushalt 2007, der mit 5,65 Millionen Euro knapp sechs Prozent über dem des Vorjahres liegt, ist geprägt durch eine moderate Personalkostensteigerung mit nur zwei Prozent, bei den Sachkosten liegt die Steigerung bei lediglich 1,7 Prozent. Die Umlagen an den Kreis und das Land haben sich nicht erhöht, durch weniger Schuldenaufnahmen werden Zins und Tilgung gespart. Einkommenssteuer und Gewerbesteuer legen spürbar zu, ebenso erhält Bissingen höhere Schlüsselzuweisungen vom Land für das magere Jahr 2005. Die Zuführungsrate an den Vermögenshaushalt wird fast verdreifacht auf knapp 400 000 Euro.

"Der Vermögenshaushalt hat gar eine Steigerung von fast 90 Prozent und ein Volumen von 1,1 Millionen Euro," freute sich der Bürgermeister. Die nächsten Investitionen stehen an. Der größte Brocken wird der Bau des Regenüberlaufbeckens und des Hauptsammlers in Ochsenwang mit 300 000 Euro sein, danach folgen die Tilgung von Schulden sowie des Vorjahresfehlbetrags mit 235 000 Euro, alsdann die Ortskernsanierung II mit 220 000 Euro für private Modernisierungen, die Erschließung im Kronegarten wird mit über 150 000 Euro fällig, und für den Radweg in Richtung Weilheim sollte der Kreis die Straße ausbauen sind 62 000 Euro vorgesehen. Für Investitionen in der Schule und für die Hintere Haubrücke hält die Kommune im Haushaltsplan jeweils 40 000 Euro parat, für den Schafstall in Ochsenwang sind 20 000 Euro eingeplant, für das Feuerwehrhaus in Ochsenwang 15 000 Euro sowie für die Bauhofumbauplanung in der Alten Kelter weitere 10 000 Euro. Für die S-Bahn nach Kirchheim sind 7 400 Euro und für den Hochwasserschutz in der Gemeinde 5 000 Euro vorgesehen.

Wie will die Gemeinde diese Vorhaben finanzieren? Eine ausreichende Deckung verspricht sich der Bürgermeister durch den Verkauf der Grundstücke im Neubaugebiet "Kronegarten" (440 000 Euro), durch die Investitionsrate (394 000 Euro) und Landeszuschüsse (knapp 200 000 Euro). Wenn notwendig, will Wolfgang Kümmerle einen kleinen Kredit von 46 000 Euro aufnehmen.

In seinem Ausblick auf die kommenden Jahre rechnete der Verwaltungschef mit konstanten Steuereinnahmen und hoffte, von höheren Umlagen verschont zu bleiben. Des Weiteren kalkulierte er mit Verkaufserlösen aus der Vorderen Straße Süd und dem Gewerbegebiet Bodenäcker in einer Größenordnung von 780 000 Euro. Eine ähnliche Größe werden Kümmerle zufolge die Landeszuschüsse (700 000 Euro) in den nächsten drei Jahren erreichen. Aufgrund verbesserter Steuereinnahmen wird die Investitionsrate der Jahre 2009 und 2010 aber sinken.

Auch in den kommenden Jahren will die Gemeinde Schulden und Fehlbeträge tilgen (100 000 Euro), bevor sie an den Bau der Buswendeplatte und Bushaltestelle (rund 300 000 Euro) geht und weitere Bauabschnitte in der Vorderen Straße (200 000 Euro) in Angriff nimmt. Private Modernisierungen will die Kommune bezuschussen (300 000 Euro), die Keltersanierung mit Bauhofumbau schlagen zu Buche (rund 380 000 Euro), ebenso die Sanierung des Turnhallendachs, der Decke sowie des Bodens (100 000 Euro). Weitere kleinere Investitionen summieren sich auf 280 000 Euro. "Damit haben wir aus unserer Liste der Zukunftsprojekte Aufgaben in Höhe von nahezu einer Million Euro abgearbeitet", erklärte Wolfgang Kümmerle. Noch nicht eingeplant sind dabei die Gelder für die Sanierung der Ortsdurchfahrt, den Anteil am Kreisverkehr "Drei Linden" sowie die Verbesserung der Randecker-Maar-Straße.

Erklärtes Ziel von Verwaltungsspitze und Kämmerei ist es, den Pro-Kopf-Schuldenstand von 591 Euro in 2006 auf 426 Euro in 2010 zu senken.

Ob die fetten Jahre kommen werden, machte Gemeinderat Siegfried Nägele von der "allgemeinen politischen Großwetterlage" abhängig. Positiv vermerkte er die niedrige Kreditaufnahme. Ziel müsse nach wie vor der Schuldenabbau sein, empfand er ebenso wie sein Kollege Rainer Merkle den eingeschlagenen Weg als richtig. "Wenn wir uns spartanisch verhalten, ist das genannte Ziel realisierbar", war sich Merkle sicher. Dabei kam es ihm darauf an, sich rechtzeitig auf die großen Brocken vorzubereiten, um liquide zu sein und anstehende Investitionen aus eigener Kraft schultern zu können.

Der Gemeinderat stimmte dem Etat 2007 sowie dem mittelfristigen Finanzplan und dem Wirtschaftsplan der Wasserversorgung 2007 einmütig zu.