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Nach stürmischem Jahr Konsolidierung

Ab Januar 2006 übernimmt eine Frau die Führung der Agentur für Arbeit Göppingen: Heidrun Schulz, 43, tritt als Vorsitzende der Geschäftsführung die Nachfolge von Bernd Hofmann an. Hofmann, der in drei Monaten 65 Jahre alt wird, hat die Agentur sechs Jahre lang geleitet.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN "Stürmische Jahre" fielen in Bernd Hofmanns Göppinger Zeit. Damit verbunden war die Umsetzung der umfassendsten Sozialreform, die seit der Gründung der Bundesrepublik auf den Weg gebracht wurde. Zusammen mit den kommunalen Partnern wurde trotz schwieriger Bedingungen für die beiden Job-Center des Bezirkes tragfähige Strukturen geschaffen. Rückblickend sagte der scheidende Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göppingen, er sei stolz über das Erreichte. "Es war ein guter Abschluss." Und mit Blick auf seine Nachfolgerin: "Es kann nicht besser laufen."

Bernd Hofmann begann seinen Berufsweg 1962, damals noch in der Bundesanstalt für Arbeit, und durchlief mehrere Abteilungen in verschiedenen Arbeitsämtern im Bundesgebiet. Von 1995 bis 1999 leitete der gebürtige Mannheimer das Arbeitsamt in Jena. Anschließend kam er zurück in die alten Bundesländer, um die Agentur in Göppingen zu führen.

Seit fünf Tagen kennt die 43-jährige Heidrun Schulz die Gesamtagentur Göppingen und den Landkreis. "Ich hab' mir zuerst einen Stadtplan von Göppingen gekauft." Schulz übernimmt im Laufe des Monats die Geschäfte und die Leitung der Agentur. Begonnen hatte die studierte Diplom-Kauffrau nach zweijähriger Tätigkeit bei der Firma Robert Bosch im Bereich Personalcontrolling ihre Laufbahn bei der Bundesanstalt für Arbeit 1992 als Nachwuchskraft im höheren Dienst im Landesarbeitsamt Baden-Württemberg. Schulz war seitdem mit mehreren Führungspositionen betraut. Genau wie ihr Vorgänger im Amt leitete auch sie zuvor die Geschicke einer Dienststelle in den neuen Bundesländern. Von August 2003 bis November 2005 war Heidrun Schulz Geschäftsführerin Personal und Finanzen der Regionaldirektion Sachsen in Chemnitz und zugleich Abwesenheitsvertreterin des Vorsitzenden.

Die neue Frau an der Spitze der Geschäftsführung weiß, dass der Agenturbezirk Göppingen trotz einer Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent gegenüber 20 Prozent in Chemnitz keine Insel der Glückseligen ist. "Es gibt auch hier sehr wohl Ansatzpunkte, die man direkt angehen muss," sagt sie und nennt die Stichworte jugendliche Arbeitslose, Ausländer und, mit Blick auf den demografischen Wandel, Facharbeitermangel. "Wir werden Fachkräfte deutlich länger als heute brauchen." Heidrun Schulz will deshalb Arbeitgeber und Verbände eng in die Kommunikation mit einbeziehen.

Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchte die neue Agenturchefin die weiteren Reformschritte der Bundesagentur umsetzen und die Arbeit noch stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Ziel ist eine Verbesserung der Vermittlung, Beratung und Leistungsgewährung. Aber auch eine weitere Stabilisierung der Job-Center steht im neuen Jahr auf der Agenda.

Bernd Hofmann, einstiger Württembergischer Seniorenmeister über 400 Meter, will im Ruhestand seinen Startpass beim Männer-Turn-Verein MTV Aalen reaktivieren. Strecken von 800 bis 3 000 Meter haben es ihm angetan. Außerdem schwebt ihm vor, seine Englischkenntnisse zu verbessern. "Diese Idee hatte ich schon vor Herrn Schröder." Und noch eins interessiert den aktiven Ruheständler: die Römer und der Limes bei Aalen.

Eine vorläufige Leistungsbilanz für das Jahr 2005 stellte die Leiterin der Regionaldirektion Baden-Württemberg, Eva Strobel, vor. Zwei für die arbeitslosen Menschen im Südwesten entscheidende Reformen der Umbau zu Kundenzentren und Hartz IV seien in diesem Jahr umgesetzt worden.

Vorläufige Bilanz 2005Die Vorteile der neuen, kundenfreundlichen Strukturen des Kundenzentrums in allen Agenturen zwischen Main und Tauber im Norden und Bodensee im Süden beschrieb Regionaldirektorin Eva Strobel folgendermaßen: Nur acht Arbeitstage vergehen durchschnittlich, bis ein Termin beim Berater wahrgenommen werden kann. Gerade arbeitslos gewordene Männer und Frauen können mit einer sofortigen Bearbeitung ihres Antrags rechnen und wissen oft sogar schon beim Verlassen, wie hoch die Leistungen sind, die sie erhalten. 87 Prozent der Anträge wurden Ende November von den Agenturen noch am gleichen Tag bearbeitet.

Da Service-Center Standardanfragen beantworten, erhalten Vermittler mehr Zeit für ihre Aufgabe, Arbeitsuchende bei der Integration ins Arbeitsleben zu unterstützen. Dadurch verkürzte sich in Baden-Württemberg die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den zehn anderen Regionaldirektionen im Bundesgebiet. Innerhalb von 244 Tagen vermittelten die Agenturen Erwerbslose im Land wieder in Brot und Arbeit.

Das Job-Center Esslingen bezeichnete die Leiterin der Regionaldirektion als Vorzeigeprojekt in Baden-Württemberg. "Es hat die meisten arbeitslosen Jugendlichen vermitteln können."

Eva Strobel zeigte sich überzeugt, dass die Sozialreform Hartz IV ihre Bewährungsprobe bestand. Die erste Zahlung für fast alle Arbeitslosen im Rechtskreis des Sozialgesetzbuches II sei pünktlich erfolgt. "In den vergangenen Monaten hat das System immer besser zeigen können, wie es und dass es funktioniert," berichtete Strobel.

Die Zahl der Arbeitslosengeld II-Empfänger lag Ende November bei 332 000. Bis zum gleichen Zeitpunkt konnten 15 124 so genannte Ein-Euro-Jobs besetzt werden. Dabei seien noch nicht alle Potenziale vor Ort ausgeschöpft. 65 104 Frauen und Männer aus dem Rechtskreis SGB II wurden seit Jahresbeginn wieder in die Arbeitswelt integriert.

Rund 1,4 Milliarden Euro kostete Hartz IV bis Ende September in Baden-Württemberg und damit um ein Drittel mehr als geplant war, informierte Eva Strobel.

Die Jobcenter sollen nun konsequent weiterentwickelt werden. Fraglich ist allerdings, ob die Kommunen mehr Kompetenz übernehmen wollen, wie dies eine Vereinbarung zwischen dem zuständigen Bundesministerium, der Bundesagentur und den Kommunen vorsieht. Von den 28 Arbeitsgemeinschaften in den entsprechenden Landkreisen in Baden-Württemberg waren bislang nur Stuttgart, Karlsruhe und der Neckar-Odenwald-Kreis bereit, die Verantwortung für das operative Geschäft zu übernehmen.