Lokales

Nach vier Monaten "rauchfrei"

Es ist nicht ganz sicher, was mehr wirkt, die höheren Tabaksteuern oder die gezielte Aufklärung. Jedenfalls greifen immer weniger Jugendliche zur Zigarette. "Mit unserem Nichtraucherkurs wollen wir jetzt auch diejenigen 14- bis 18-Jährigen erreichen, die bereits süchtig sind", weist der Geschäftsführer des Kreisjugendrings KJR Esslingen, Kurt Spätling, auf eine gemeinsame Aktion mit der AOK hin.

RICHARD UMSTADT

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KREIS ESSLINGEN Wie oft versuchte der 16-jährige Jens S. schon, das Rauchen aufzugeben? Der Zug am Glimmstengel lässt bei 30 Zigaretten pro Tag nicht nur sein Lehrlingsgehalt schmelzen wie Eis in der Sonne, es ist obendrein noch ungesund. Das steht auf jeder Schachtel und auch die Statistik belegt die mit der Zeit für viele Raucher tödliche Wirkung. Doch wie loskommen, wie den Teufelskreis der Sucht durchbrechen?

Für die Experten ist längst klar, dass es sich bei der Tabaksucht um eine völlig unterschätzte Abhängigkeit handelt, deren Überwindung mit denen von harten Drogen durchaus vergleichbar ist. "Das heißt, mit einem Appell an das Gewissen oder an den Verstand, das ungesunde Rauchen doch lieber zu lassen oder sich halt zusammenzureißen, ist es in der Regel halt nicht getan", weiß KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling.

Das Hinterhältige am Tabak ist: bei den meisten Rauchern reichen schon wenige Zigaretten, um davon abhängig zu werden. Immer mehr Jugendliche bedauern diese Abhängigkeit und wollen durchaus wieder ein "qualmfreies Leben" führen.

Wer morgens an der Bushaltestelle erst mal eine Zigarette braucht, um in die Gänge zu kommen oder auch, um sich zu beruhigen, der merkt irgendwann selbst, dass das nicht normal ist. "Nur, wie wieder vom Glimmstengel dauerhaft wegkommen, das wissen sie halt nicht, vor allem, wenn in der Clique ebenfalls geraucht wird, was nicht besonders hilfreich ist", sagt Kurt Spätling und verweist deshalb auf den Nichtraucherkurs von Kreisjugendring und AOK. In vier Monaten soll mit insgesamt zehn Projekteinheiten das anspruchsvolle Ziel erreicht werden. Der frühe Altersansatz 14- bis 18-Jährige geht mit der Hoffnung einher, dass sich das Rauchverhalten noch nicht zu sehr verfestigt hat und die "Suchtstrukturen" sich noch verändern lassen.

Mit Theorieeinheiten, Spiel- und Sportpädagogik, sozialer Gruppenarbeit und Möglichkeiten zur Selbsterprobung verfolgt das Nichtraucherprojekt gewissermaßen einen ganzheitlichen Ansatz. "Außerdem soll's Preise geben, weil die Pädagogik schon lange weiß, dass Belohnungern die Motivation steigern können und weil wir ihnen damit eine positive Rückmeldung geben wollen", so der KJR-Geschäftsführer.

Der Kreisjugendring Esslingen hofft natürlich auch auf die Unterstützung durch die Politik. "Leider wird von den Verantwortlichen noch immer sehr verantwortungslos mit dem Problem umgegangen", bedauert Spätling und verweist auf die "sehr wachsweiche und zögerliche Umsetzung" eines Rauchverbots in öffentlichen Gebäuden. "Ein solches konsequent umgesetztes Verbot könnte als flankierende Maßnahme natürlich Hilfstellung leisten", ist sich der Geschäftsführer sicher.

Das Pilotprojekt des viermonatigen Nichtraucherkurses soll nach den Sommerferien im Herbst im Kirchheimer Jugendhaus "Linde" starten und in Esslingen eine weitere Nachfolge finden. "Die Kurse werden noch entsprechend beworben", so Kurt Spätling. Wer schon jetzt Interesse daran hat, kann sich zunächst auch noch unverbindlich anmelden unter sekretariat@kjr-esslingen.de.