Lokales

Nachbarn haben die Nase voll vom Gestank

Den Anwohnern im Dettinger Gewerbegebiet stinkt es gewaltig: Seit September werden sie immer wieder durch die Emissionen eines neu zugezogenen Kunststoff- und Lasertechnikunternehmens belästigt. Weil sich die Firma nicht an ein Teilproduktionsverbot der Behörden hält, wabern die üblen Gerüche weiter. Die Nachbarn klagen indes über gesundheitliche Probleme.

BIANCA LÜTZ

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DETTINGEN Hacer Wanner ist verzweifelt. Schon seit Monaten leiden sie und ihre Familie unter dem Gestank, den ihr direkter Nachbar, die Firma Artograv, produziert. "Das ist ein Geruch wie nach verbranntem Plastik", beschreibt sie. Sie selbst bekomme von den Dämpfen Kopfschmerzen. Viel schlimmer aber habe es ihre Kinder erwischt: "Sie leiden ständig unter Kopfschmerzen, Husten und Erbrechen." Auch einigen Mitarbeiter ihres Unternehmens und anderen Anwohnern geht es ähnlich. "Es stinkt bestialisch", klagt eine Nachbarin über wiederkehrende Abgaswolken. "Wenn man rausgeht, bekommt man Atembeschwerden." Sie könne Fenster und Türen ihrer Wohnung nicht mehr öffnen und den Garten nicht mehr nutzen. Zudem habe sie gerade eine Bronchitis gehabt.

Für Hacer Wanner gibt es da keine Zweifel mehr: Aus ihrer Sicht besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und den stinkenden Emissionen der Nachbarfirma. Untermauert sieht sie ihren Verdacht durch ein ärztliches Attest, das ein Internist ihrem sechsjährigen Sohn ausgestellt hat. Darin bescheinigt der Arzt, dass der Junge im Oktober und November unter Bronchitis, Übelkeit und Erbrechen gelitten habe. Er schreibt: "Es darf angenommen werden, dass die nachbarliche Staub- und Gasemission damit im Zusammenhang steht."

Im Bilde sind auch Gewerbeaufsichtsamt und Umweltamt des Landkreises Esslingen: "Es stinkt im Dettinger Gewerbegebiet", bestätigt Pressesprecher Peter Keck. "Das können und wollen wir nicht von der Hand weisen." Die Behörde hatte sich im Oktober eingeschaltet, nachdem Hacer Wanner sich über die Abgase beschwert hatte. In einem Brief an die Dettingerin teilt das Landratsamt mit, dass die Firma Acrylglas und andere Kunststoffe mit Laserschneidemaschinen bearbeitet, wobei das Material verschmort wird. "Die dabei entstehenden Abgase enthalten Substanzen, welche stark geruchsbelästigend und zum Teil auch gesundheitsgefährdend sind", heißt es in den Schreiben. Zudem sei festgestellt worden, dass die Emissionen genau in Richtung des Wohnhauses der Familie Wanner abgeleitet worden waren.

Das Landratsamt hat dem Inhaber der Firma Artograv daraufhin Auflagen gemacht: Zum einen solle er einen höheren Abluftkamin bauen. Zum anderen müsse er eine neue Abluftreinigungsanlage installieren. So lange darf er kein Acrylglas und anderen Kunststoffe mehr per Laserschneidemaschine bearbeiten. Die erste Auflage hat der Unternehmer mittlerweile erfüllt: Der Kamin ist installiert. Aus Sicht des Firmeninhabers Gunter Stecher ist damit das größte Problem behoben. "Der Geruch ist so gut wie weg", sagt er. Aus seiner Sicht werde das Problem ohnehin "dramatisiert". "Ich fühle mich richtig verfolgt, schließlich tun wir schon, was wir können", betont er. Alles brauche jedoch seine Zeit.

Eingestehen muss er, dass seine Firma in den ersten Wochen nach dem Umzug von Kirchheim nach Dettingen durchaus Geruchsbelästigungen verursacht hat. "Da hat es schon gestunken", so Stecher. "Das war für uns auch nicht angenehm." Anfangs habe es zudem einige Anlaufprobleme gegeben, zum Beispiel mit einer undichten Zuleitung. Dann habe es noch gedauert, bis der neue Kamin Anfang Dezember endlich fertig eingerichtet war. "Seitdem riecht man aber zu 99 Prozent gar nichts mehr", so Stecher.

Die Anwohner sind da jedoch anderer Ansicht und auch das Landratsamt meldet, dass es immer noch stinkt. "Zu unserem großen Bedauern hat sich die Firma nicht an unsere Anordnung gehalten", sagt Kreispressesprecher Peter Keck: "Jetzt wird ein Zwangsgeld verhängt."

Die Lasertechnik- und Kunststofffirma, die laut Landratsamt zwischen 10 bis 15 Mitarbeiter hat, ist übrigens schon an ihrem früheren Standort in Kirchheim durch Geruchsbelästigung aufgefallen. "Da gab es auch Probleme mit Emissionen", bestätigt Karl Frosch, Leiter des Kirchheimer Bauordnungsamts. Auch damals hätten Anwohner die Befürchtung geäußert, dass die Abgase gesundheitliche Probleme verursachen. Die Firma schneidet und graviert verschiedene Materialien per Lasertechnik. Dazu gehören auch Kunststoffe, vor allem Plexiglas.

Dass die Verarbeitung von Plexiglas Krankheitssymptome hervorruft, will Gunter Stecher nicht glauben. "Es gibt Gutachten, dass die Abluft daraus nicht gesundheitsgefährdend ist", so der Firmeninhaber: Seine Mitarbeiter hätten keine Probleme und auch er selbst sei ein gutes Beispiel: "Ich bin seit 15 Jahren in dem Geschäft tätig und erfreue mich bester Gesundheit."

In jedem Fall muss der Unternehmer jedoch bis Ende Januar auch die zweite Auflage des Landratsamts erfüllt haben. Entsprechende Arbeiten darf er erst wieder verrichten, wenn ein Testfilter zur Abluftreinigung installiert ist. Später wird die vorläufige Lösung dann durch einen richtigen, genau auf die Emissionen ausgerichteten Filter ersetzt.

Dann, so hoffen Nachbarn und Landratsamt, wird der Gestank endlich der Vergangenheit angehören.