Lokales

Nachbarn mit zwei Stichen schwer verletzt

Ein 22-jähriger berufs- und arbeitsloser Mann aus Wernau muss nach dem Willen des Stuttgarter Landgerichts wegen versuchten Totschlags und wegen gefährlicher Körperverletzung dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

BERND S. WINCKLER

Anzeige

STUTTGART Der 22-Jährige hatte im Juli letzten Jahres in einem Wutanfall mit einem 33 Zentimeter langen Küchenmesser in einem Wernauer Apartmenthaus in der Kirchheimer Straße einen 18-Jährigen schwer verletzt und andere Bewohner mit dem Messer bedroht (wir berichteten).

Den Gerichten in Stuttgart und Nürtingen sowie Esslingen ist der nunmehr zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe abgeurteilte Wernauer längst kein Unbekannter in Sachen Gewalttätigkeiten. Im jetzt verkündeten Urteil wurde vom Vorsitzenden Richter der Stuttgarter Schwurgerichtskammer aufgelistet: Mai 2003: Streit mit Hausbewohner vor einer Sozialwohnung, in der der Angeklagte damals untergebracht war. Drei Wochen später musste ihm die Polizei nachts die Stereoanlage gewaltsam wegnehmen, weil er sie nicht leiser stellte.

Juni 2003: Lautstarker Streit auf seinem Balkon mit der Freundin, wobei die Frau geschlagen wurde.

Juli 2003: Wieder handgreiflicher Streit mit dem später verletzten Nachbarn. Drei Wochen später verletzt er seine Freundin mit einem Messer.

April 2004: Erneut handgreiflicher Streit in einer Wernauer Diskothek mit dem Nachbarn.

Juni 2004: Wieder muss die Polizei gegen ihn wegen Ruhestörung eingreifen, wobei in allen aktenkundigen Fällen jeweils Alkohol im Spiel war.

Als Aushilfs-Briefzusteller der Post wurde er vom Esslinger Amtsrichter im Juni letzten Jahres wegen Postsachen-Diebstahls zu 18 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Und die Bewährungszeit lief noch, als es am Abend des 30. Juli 2004 erneut mit dem 18-jährigen Nachbarn in einer Wernauer Diskothek nach reichlichem Alkoholgenuss zu einem handfesten Streit kam. Dabei hatte der Angeklagte dem späteren Opfer gedroht, er werde ihn "abstechen", wenn er ihn in dieser Nacht nochmals treffe.

Dieses Treffen fand dann tatsächlich gegen Mitternacht vor dem Haus in Wernau, in dem beide Kontrahenten wohnten, statt. Erneut wurde dem Opfer mit dem Tode gedroht. Die Schwester des 18-Jährigen, die vermittelnd einschritt, wurde dabei ebenfalls von dem Angeklagten bedroht, wie die Richter feststellten. Schließlich holte sich der 22-Jährige aus seiner Wohnung ein Küchenmesser mit 33 Zentimeter langer und 2,7 Zentimeter breiter spitzer Klinge und wollte damit im Treppenhaus auf den 18-Jährigen einstechen. Der jedoch konnte sich hinter seiner Eingangstür verschanzen und den Angeklagten mit mehreren Schüssen aus einer Schreckschusswaffe zunächst zurückdrängen. Als das Magazin jedoch leer war, stürzte sich der angetrunkene Beschuldigte auf den 18-Jährigen und konnte ihm mit den Worten: "Ich steche dich jetzt ab!" zwei Stiche in den Arm und die Brust versetzen.

Beim Schlichtungsversuch wurde dabei auch die Schwester des 18-Jährigen verletzt. Auch mehrere Hausbewohner, die helfen wollten, sind von dem Messermann bedroht worden, heißt es in dem gestrigen Urteil.

Der Verletzte hatte Glück. Ein Messerstich war in den Brustkorb eingedrungen und hatte einen hohen Blutverlust verursacht. Bei einer Not-Operation wurden dem Mann Nerven und Sehnen zusammengenäht. Bis zum 5. August war der Verletzte in stationärer Behandlung.

Zu den nun verhängten dreieinhalb Jahren Haft wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung wird der 22-Jährige auch noch die früher zur Bewährung ausgesetzte Strafe von 18 Monaten absitzen müssen, da er als Bewährungsbrecher gilt.