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Nachholbedarf bei den Betreuungsangeboten

Anlässlich des heutigen Internationalen Frauentags macht die Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer auf erheblichen Nachholbedarf bei den Kinderbetreuungsangeboten in Baden-Württemberg aufmerksam.

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KIRCHHEIM "Weil es viel zu wenig Betreuungsplätze und Ganztagesschulen gibt, haben viele junge Frauen das Problem, Kinderwunsch, Familiengründung und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bringen", erklärt Bregenzer. Deutschland habe eine Geburtenrate von durchschnittlich 1,3 Kindern pro Frau und liege damit im weltweiten Vergleich abgeschlagen auf dem 180. Platz. "Das kann nicht so bleiben, sonst sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen", warnt Bregenzer.

Die SPD-Landtagsabgeordnete bezeichnet es als familienpolitischen Skandal, dass es in Baden-Württemberg für 1 000 Kinder nur 23 Betreuungsplätze gebe, im Bundesschnitt immerhin 85. Lediglich 7,1 Prozent aller Kindergärten im Land böten eine Ganztagesbetreuung mit Mittagessen an. Für die rund 300 000 Kinder in Baden-Württemberg unter drei Jahren gebe es noch nicht einmal 10 000 Betreuungsplätze. "Eine höhere Frauenerwerbsquote und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen wir nur, wenn die Qualität der Kinderbetreuung stimmt. Immer noch sind im Familienalltag vor allem Frauen die Dummen und die allein Erziehenden trifft es besonders hart", betont Bregenzer. Der Ausbau von Ganztagesangeboten für Kinder sei deshalb eine zentrale Herausforderung für die Landespolitik.

Nach den Plänen der SPD soll es bis zum Jahr 2010 einen Rechtsanspruch auf Betreuung für alle Kinder ab zwei Jahren geben. Für jeden dritten Schüler soll es ein Ganztagesschulangebot mit ausreichendem pädagogischem Personal geben.

Wer Frauen vor die Alternative "Beruf oder Familie" stelle, verspiele die Zukunft. Insbesondere die nordeuropäischen Länder hätten unter Beweis gestellt, dass eine aktive Gleichstellungspolitik Voraussetzung für eine gute Familienpolitik sei. Bregenzer wirft der CDU/FDP-Landesregierung vor, für die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern viel zu wenig zu tun. Obwohl es Verfassungsauftrag sei, auf die Beseitigung von bestehenden Nachteilen hinzuwirken, führe die Frauenpolitik in Baden-Württemberg ein Mauerblümchendasein.

Angesichts der gravierenden Defizite bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wundert sich Bregenzer auch nicht über den beschämend niedrigen Anteil von Frauen in Führungspositionen in der CDU-Landtagsfraktion, in den Landesministerien und in der CDU/FDP-Regierung. Von zwölf Kabinettsmitgliedern seien gerade einmal zwei Frauen. Nur in vier anderen Bundesländern sei der Frauenanteil in der Landesregierung noch geringer. Auch in den Führungspositionen der Landesministerien seien Frauen nur spärlich vertreten. Unter den 55 Abteilungsleitern in den Ministerien gebe es derzeit nur zwei Frauen.

Bregenzer verweist auf einen weiteren deprimierenden frauenpolitischen Befund: Der jüngste Bericht der Europäischen Kommission zur Gleichstellung von Frauen und Männern belege, dass auf europäischer Ebene Frauen im Durchschnitt 15 Prozent weniger verdienen als Männer. Das alte Ziel "Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit" sei leider immer noch nicht verwirklicht.

Wie bereits in den letzten Jahren wird Carla Bregenzer auch heuer am Internationalen Frauentag Rosen verteilen: Sie beginnt damit von 8.30 bis 9.30 Uhr in Wendlingen am Marktplatz, ist dann von 10.00 bis 11.00 Uhr in Plochingen beim Rewe-Markt und beendet ihre kleine Tour von 11.30 bis 12.30 Uhr in der Fußgängerzone in Kirchheim.

pm