Lokales

Nachnutzung für Kreuzkirche gesucht

Die Kirchheimer Gesamtkirchengemeinde will ihren Gebäudebestand nachhaltig verringern

Der Kirchheimer Gesamtkirchengemeinderat hat entschieden: Szenario 1 der Gebäudekonzeption ist jetzt beschlossene Sache. Mittelfristig will die evangelische Gesamtkirchengemeinde demnach die Kreuzkirche und das Alte Gemeindehaus aufgeben sowie einige andere Immobilien. Die Gesamtkirchengemeinde will dadurch ihre jährlichen Ausgaben für die Gebäudeunterhaltung verringern und somit Spielräume für andere Aufgaben gewinnen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Am Tag nach der Entscheidung herrscht bei Dekanin Renate Kath und Gesamtkirchenpfleger Bernd Kemmner eine gewisse Erleichterung vor: Ein weitreichender Prozess ist durch den Beschluss des Gesamtkirchengemeinderats angestoßen worden. Andererseits ist es der Dekanin und dem Kirchenpfleger aber auch klar, dass damit erst die Arbeit losgeht. Jetzt geht es da­rum, nach Konzepten zu suchen, wie Veranstaltungen verlagert werden können – von einem Gebäude, das aufgegeben werden soll, in ein anderes, das nun verstärkt zu nutzen ist. Es geht auch darum, Investoren zu finden, die bereit sind, ein Gebäude wie die Kreuzkirche oder das Alte Gemeindehaus zu übernehmen.

Diese Übernahme kann ganz unterschiedlich aussehen. Aus finanzieller Sicht wäre für Bernd Kemmner ein Verkauf natürlich die beste Lösung. „Aber die Kreuzkirche oder das Alte Gemeindehaus sind nicht so einfach kurz- oder mittelfristig zu veräußern. Vielleicht lassen sich die Gebäude auch gar nicht verkaufen.“ Deshalb spricht der Gesamtkirchenpfleger lieber von einer „Abgabe“ als von einem „Verkauf“. Diese Abgabe soll sich auch in Form von Vermietungen, Umnutzungen oder Teilverkäufen umsetzen lassen.

Das Alte Gemeindehaus beispielsweise besteht aus zwei Gebäudeteilen: dem Saal und dem Kindergarten. Längerfristig soll der Kindergarten in den erweiterten Kindergarten der Traub‘schen Stiftung an der Christuskirche umziehen. Übrigens stand die Christuskirche selbst offensichtlich bei vielen Kirchheimer Gemeindemitgliedern zur Disposition. Zumindest berichtet Renate Kath davon, dass in den Diskussionen der vergangenen Wochen immer wieder die Frage gestellt worden sei, warum die Christuskirche saniert werden wolle, wo doch die Kreuzkirche derzeit in einem ganz ordentlichen Zustand sei.

Um diese Frage zu beantworten, müsse man besonders langfristig denken. Bei der Christuskirche gehe es um eine Fläche von 360 Quadratmetern, bei der Kreuzkirche als Gemeindezentrum um mehr als doppelt so viel, nämlich um 730 Quadratmeter. Entsprechend teurer seien die Unterhaltungskosten bei der Kreuzkirche. Und sanierungsbedürftig werde auch die Kreuzkirche in den nächsten 20 Jahren wieder werden. Insgesamt sei es für die Gesamtkirchengemeinde also günstiger, die Christuskirche zu erhalten und die Kreuzkirche aufzugeben.

Bei den weiteren Gebäuden, die abzugeben sind, handelt es sich um den ersten Stock des Ernst-Traub-Gemeindehauses, um das Wohngebäude in der Maybachstraße, in dem sich derzeit noch das Pfarrbüro der Auferstehungskirche befindet, um das einstige Schuldekanat in der Ziegelstraße sowie um eine frühere Pfarrerwohnung auf dem Schafhof.

Außer der technischen Umsetzung des Immobilienkonzepts muss die Gesamtkirchengemeinde in den nächsten Jahren auch die menschliche, emotionale Umsetzung bewältigen. Es fällt sicher niemandem leicht, sich von gewohnten und liebgewonnenen Gebäuden zu verabschieden. Deshalb betont Dekanin Kath: „Alle Gemeinden verlieren etwas, die einen ein Gebäude, die anderen die Oberhoheit über ihr Gebäude, das sie dann mit anderen Gemeinden teilen müssen.“ Kirchenpfleger Kemmner erinnert folglich noch einmal an die Solidarität unter den sieben Kirchengemeinden: „Es gibt da keinen falschen und keinen richtigen Beschluss. Aber es gibt einen mehrheitsfähigen Beschluss, weil eine Mehrheit die Kriterien gleich gewichtet.“ Renate Kath fügt hinzu, dass der Beschluss mit einer satten Zwei-Drittel-Mehrheit gefallen ist.

Worauf beide gleichermaßen Wert legen, ist die Tatsache, dass die Gesamtkirchengemeinde ihre Gebäude nicht um jeden Preis verkaufen muss. Der Engere Rat werde genau darauf achten, welche Nachnutzung für welches Gebäude angedacht ist.

Um die Dringlichkeit der Konzeption zu verdeutlichen, sagt Bernd Kemmner bewusst überspitzt: „Wenn wir das nicht machen, haben wir irgendwann lauter gut erhaltene Gebäude, in denen aber nichts mehr stattfinden kann.“ Und Dekanin Kath ergänzt: „Wir sind kein Gebäudeerhaltungsverein, sondern Kirche.“