Lokales

Nachnutzung unter dem Leitthema Autoindustrie

Für das ehemalige Panasonic-Gelände in Esslingen wurde im Haus der Wirtschaft in Stuttgart eine von Panasonic finanzierte Standortentwicklungsstudie vorgestellt. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister leitete das Gespräch, an dem unter anderem Esslingens OB Jürgen Zieger, Panasonic-Geschäftsführer Eberhard Büttner, Landtagsabgeordnete und Vertreter des Panasonic-Betriebsrats teilnahmen.

HELMUT KÖNIG

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STUTTGART/ESSLINGEN Wirtschaftsminister Pfister erklärte, er habe sich bereits im November 2005, nachdem bekannt geworden war, dass der japanische Matsushita-Konzern sein Esslinger Bildröhrenwerk mit 650 Beschäftigten Mitte 2006 schließen wolle, mit dem japanischen Konzernchef in Verbindung gesetzt. "Ich bedaure es sehr, dass es nicht gelungen ist, die japanische Konzernspitze zum Umdenken zu bewegen und den 650 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz zu retten", sagte Pfister.

Erfreut zeigte sich der Minister darüber, dass den eigens dafür gegründeten beiden Beschäftigungsgesellschaften 245 ehemalige Panasonic-Mitarbeiter beigetreten sind. Gelobt wurde die hohe Motivation dieser Menschen. Gleichzeitig verwies Pfister darauf, dass es im November vor dem Arbeitsgericht in Konstanz zu einer Klage auf Wiedereinstellung kommen soll, die auch von Teilen des Betriebsrates unterstützt wird.

Pfister erklärte weiter, jetzt gelte es, "den Blick nach vorne zu richten" und auf dem insgesamt 6,1 Hektar großen Gelände, von dem etwa 3,8 Hektar mit Gebäuden und Anlagen bebaut sind, so schnell wie möglich viele neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der Minister konnte sich im Februar 2006 bei einem persönlichen Gespräch mit dem japanischen Konzernchef in Stuttgart darauf verständigen, dass Panasonic die Kosten für die jetzt von Baden-Württemberg International (bw-i) erstellte Standortentwicklungsstudie trägt. Wie am Rande zu erfahren war, sollen sich die Kosten dieser Studie auf 250 000 Euro belaufen. Konkret kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass angesichts der begrenzten Verfügbarkeit größerer zusammenhängender Gewerbeflächen bereits die gut sechs Hektar umfassende Grundstücksfläche ein wichtiger Standortvorteil sei. Auch die verkehrsgünstige Lage mit guter Anbindung an alle Verkehrsträger wird als Stärke ebenso gewertet wie das Mitarbeiterpotenzial durch Cluster in der Region Stuttgart. Als Schwächen fließen in die Bewertung die überlastete Infrastruktur und der Wettbewerb um Fachkräfte in der Region Stuttgart ein. Auch gehöre Esslingen zu den "teuren Produktionsstandorten in Baden-Württemberg". Daneben sei die frühere Reichsstadt unter anderem ein kostspieliger Wohnstandort.

Als Kernelement für die Standortentwicklung und Vermarktung empfiehlt die Studie einen Themenpark. Dabei biete sich das Kompetenzfeld Automobilzulieferindustrie als "Leitthema" an. Beim Themenpark-Ansatz würden die branchen- und technologiebezogenen Stärken der Region in einem "konkreten Produkt gebündelt". Weiter spricht sich die Studie dafür aus, mit dem Parkkonzept auch Unternehmen aus verwandten Branchen anzusprechen. Als Zielgruppen kommen dabei Automation und Robotik, Antriebstechnik, Fördertechnik, Messtechnik und Photovoltaik in Betracht. Auch an ein zusätzliches Serviceangebot wie beispielsweise Gastronomie ist gedacht. Esslingens OB Zieger äußerte sich sehr vorsichtig zum Stand der Verhandlungen. "Die Gespräche laufen, die Nachnutzung wird ausgelotet", sagte er. Es gebe allerdings noch nicht die Ergebnisse, dass man "Vollzug melden könnte."