Lokales

Nachts für Lastwagen tabu?

Der Kirchheimer Gemeinderat hat dem Entwurf einer „Lärmaktionsplanung“ zugestimmt. Dabei geht es allerdings nicht darum – wie der Name eigentlich vermuten lassen müsste –, dass die Stadt geräuschvolle Aktionen plant. Vielmehr ist vorgesehen, den Straßenverkehrslärm zu reduzieren.

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Andreas Volz

Kirchheim. Völlig überraschend sind sie nicht, die Ergebnisse der Lärmkarten für Kirchheim, die die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg erstellt hat. Demnach sind vom größten Verkehrslärm in Kirchheim einzelne Häuser entlang der Autobahn, der Umgehungsstraße und der Jesinger Straße betroffen sowie – fast durchgängig – die Ortsdurchfahrten in Jesingen und Ötlingen. Dass die Stadt Kirchheim sich jetzt überhaupt mit Lärmkarten und dazugehörigen Aktionsplänen befassen muss, liegt an der „Umgebungslärmrichtlinie“ der EU.

Die Notwendigkeit, sich um das Thema „Lärm“ zu kümmern, sahen alle Redner im Gemeinderat gleichermaßen. Andererseits monierten sie, dass die Finanzierung teurer Gegenmaßnahmen gegen den Verkehrslärm durch die genannte Richtlinie nicht gesichert sei. Dennoch plant die Stadt eine Informationsveranstaltung am Donnerstag, 24. April. Alle betroffenen Bürger sind eingeladen, um 19 Uhr in den Großen Sitzungssaal des Kirchheimer Rathauses zu kommen. Die Maßnahmen gegen den Lärm sehen unter anderem vor, Lärmschutzfenster einzubauen, die Höchstgeschwindigkeit zu beschränken und bei der nächsten Belagsanierung an den jeweiligen Straßen offenporigen Asphalt zu verwenden.

Für Jesingen und Ötlingen empfiehlt das Fachbüro Braunstein und Berndt aus Backnang Südumfahrungen als langfristige Maßnahmen. Strenggenommen empfehlen die Experten bislang aber lediglich, die „technische und finanzielle Realisierbarkeit“ solcher Umgehungsstraßen zu prüfen. Ein besonderes Problem der Lärmbelästigung durch Straßenverkehr erläuterte Diplom-Geograf Jürgen Roth im Kirchheimer Ratsrund: Die Lautstärke verhält sich keineswegs proportional zum Verkehrsaufkommen. „Eine Reduzierung der Verkehrsmenge um 30 Prozent ist aus lärmtechnischer Sicht nur eine sehr geringe Reduzierung“, sagte Jürgen Roth. Damit eine Lärmminderung überhaupt hörbar wäre, müsste die Verkehrsmenge bereits um die Hälfte abnehmen. Noch drastischer ist ein weiteres Beispiel, das der Experte nannte: „Um an einer Straße, auf der täglich 20 000 Kraftfahrzeuge unterwegs sind, die Lautstärke zu halbieren, müsste man die Zahl der Fahrzeuge auf 2 000 reduzieren.“

Eine kurzfristig umsetzbare Maßnahme, die an den Ortsdurchfahrten helfen könnte, wäre eine Temporeduzierung auf 40 oder gar 30 Kilometer pro Stunde. Ebenfalls angedacht ist ein Nachtfahrverbot für Lkw. Die Ortschaftsräte begrüßten ein solches Verbot bereits einhellig.