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Nächstenliebe gelebt und nicht gepredigt

Wer über 33 Jahre ehrenamtlich tätig war, verdient zweifellos eine würdige Feierstunde. Wer dann auch noch in der Schlosskapelle ein dafür verliehenes Bundesverdienstkreuz vom amtierenden Innenminister ans Jackett geheftet bekommt, kann überhaupt keinen Grund mehr haben, an der ihm entgegengebrachten Wertschätzung zu zweifeln.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Im Jahr 1971 begann Helmuth Zizelmanns kommunalpolitische Karriere mit seinem Einzug in den Kreistag des damaligen Landkreises Nürtingen. Von 1973 an bis zu seinem Ausscheiden im vergangenen Jahre gehörte er dann ununterbrochen dem Kreistag des neu gebildeten Landkreises Esslingen an. Humorvoll machte Helmuth Zizelmann in seinen abschließenden Dankesworten deutlich, dass er es durchaus versteht, mit einer solch nachhaltigen Würdigung maßvoll umzugehen.

"Wenn in so kurzer Zeit so viel geballtes Lob über einen einzelnen Menschen ausgeschüttet und das auch noch begründet wird", so zeigte er sich überzeugt, habe man eigentlich nur die Möglichkeit "entweder innerlich abzuheben oder völlig zu verstummen". Da ihm beides nicht liege, betonte der vor allem für sein Engagement für das berufliche Schulwesen und die gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ganz besonders gewürdigte Kreisrat a. D., dass ihm stets das Verbindende und nicht das Trennende wichtig war und es ihm daher auch immer wieder gelungen sei, über Fraktionsgrenzen hinweg Mehrheiten zu bilden, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Innenmminister Rech, der die Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland vorgenommen hatte, bescheinigte Helmuth Zizelmann, ein Kommunalpolitiker "mit Leib und Seele" zu sein, für den das Mandat seiner Wähler stets eine Berufung gewesen sei. Dabei habe er sich nie allein darauf beschränkt, Entscheidungen zu finden, sondern auch bei der Umsetzung tatkräftig mit Hand angelegt. Als Beispiel dafür nannte Heribert Rech etwa Helmuth Zizelmanns jahrelanges Ringen um eine nachhaltige Lösung des Abfallbeseitigungsproblems. Als Meilenstein seines Wirkens nannte Innenminister Rech auch die Entwicklung dreier Berufsschulzentren in Esslingen-Zell, Kirchheim und Nürtingen und attestierte ihm, dass er an allen drei Schulstandorten "ein ausdifferenziertes Berufsschulwesen ermöglicht habe, das den vielfältigen Anforderungen einer prosperierenden Wirtschaft im Lande Rechnung trage". Eine enge und gute Zusammenarbeit der beruflichen Schulen mit den Betrieben und der Industrie- und Handelskammer sei ihm immer wichtig gewesen und ein ganz besonderes persönliches Anliegen war ihm, dass junge Menschen auch einen Ausbildungsplatz erhalten.

MdB Michael Hennrich, der im Namen des CDU-Stadtverbandes Kirchheim - Dettingen die Gäste begrüßte, sieht in Helmuth Zizelmann "eine feste Größe", mit der immer gerechnet werden muss und kann, wenn es darum geht, sich uneigennützig für das Gemeinwohl einzusetzen. Persönliche, eigennützige Motive seien ihm immer fremd gewesen. Maßstab seines Handelns und Wirkens wäre seine Überzeugung, mit der er auch stets andere mitreißen konnte.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bestätigte dem Geehrten, der sich vehement für eine nachhaltige Lösung der Abfallbeseitigung eingesetzt habe, dass er den jeweiligen Vertrauensvorschuss seiner Wählerschaft stets Zug um Zug in eine Vetrauensbestätigung und Honorierung seiner erfolgreichen Arbeit umgebucht habe.

Helmuth Zizelmanns "Fähigkeit, Brücken zu schlagen zwischen den Fraktionen", konnte auch Landrat Heinz Eininger bestätigen, der den Träger des Bundesverdienstkreuzes schon im September vergangenen Jahres bei seiner Verabschiedung aus dem Kreistag mit der höchsten Auszeichnung des Kreises geehrt hatte der Goldenen Landkreismedaille. Dem in den Sitzungen wegen seiner akkuraten Vorbereitung fast "gefürchteten" aber wegen seiner Ergebnisorientiertheit doch beliebten ehemaligen Kreistagsmitglied bestätigte Landrat Eininger, dass er die ihm entgegengebrachte hohe Wertschätzung seinem Sachverstand, seinem Augenmaß und auch seiner Bodenhaftung verdanke.

Sehr persönlich näherte sich anschließend der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann dem "Vorbild und Idol", das sich nie ins Rampenlicht gestellt, sondern als gradliniger und stets zielorientierter Mensch die Gabe habe, aktiv zuhören zu können, auch wenn sein Gegenüber anderer Meinung sein sollte. Christlich zu handeln, ohne missionarisch zu sein und Nächstenliebe zu leben, statt zu predigen, lautete Karl Zimmermanns abschließendes Urteil.

Dass Helmuth Zizelmann von seiner Kreistagsfraktion immer getragen, nie aber ertragen wurde, bestätigte Bürgermeister a. D. Gerhard Schneider in seiner Funktion als Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Trotz seines "nur" ehrenamtlichen Engagements sei Helmuth Zizelmann zweifellos ein Vollblutpolitiker, der mit seiner Begeisterung nicht nur überzeugen, sondern stets auch andere habe anstrecken können.

In der von dem vielfach ausgezeichneten Ausnahmetalent Julian Gulden musikalisch gestalteten Feierstunde war immer wieder auch von Helmuth Zizelmanns Ehefrau Barbara und ihrem Anteil am politischen Leben die Rede. Auch Helmuth Zizelmann selbst bedankte sich bei seiner Frau, zauberte dann als pragmatischer Schwabe aber doch keinen weiteren Blumenstrauß hinter seinem Rücken hervor. Das werde in "blumenärmeren" Zeiten nachgeholt und dann auch gleich mit einem "Dinner for Two" verbunden, versprach er den versammelten Freunden und Weggefährten.