Lokales

Närrisch

Bunt treiben's die Narren gemeinhin in der fünften Jahreszeit. In Kirchheim halten die Kloster-Deifel das Faschingstreiben hoch. Närrisch geht es jedoch mitunter auch

IRENE STRIFLER

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im Rathaus der großen Kreisstadt zu. Oder sollten die Baufachleute der Verwaltung ihren Vorschlag etwa ernst gemeint haben? Glaubten sie wirklich, die Stadträte würden Investitionen von über 300 000 Euro zur lediglich provisorischen Umgestaltung des Baubetriebsamtes locker durchwinken?

Die Unterschrift der Oberbürgermeisterin, die eine Woche im Urlaub weilte, fehlt auf der Sitzungsvorlage. Die Sitzung des ATU, sonst eher die Domäne des Bürgermeisters, leitete die Stadtchefin trotzdem selbst. Offenkundig schien ihr plötzlich manches nicht geheuer. "Ich schaue meine Techniker an . . .", wandte sie sich an die Herrenbank zu ihrer Rechten. Die Fachleute blieben jedoch überzeugende Erläuterungen schuldig. Anregungen kamen dafür zuhauf aus den Reihen der Räte. Diese waren nicht gewillt, sich zum Narren halten zu lassen und pochten vehement auf eine kleine Lösung.

Noch ist es dafür nicht zu spät. Doch die Verwaltung hat Vertrauen verspielt. Eilig ausgesprochene Sparbeteuerungen verpufften, die Bürgervertreter schenken Lippenbekenntnissen keinen Glauben mehr. Jetzt drängt die Zeit, der Druck auf die Technikerriege wächst: Zur Gemeinderatssitzung am Mittwoch erwarten die Räte endgültig eine tragfähige Lösung mit vernünftigem Kostenrahmen.

Eines immerhin können die Bürger aufatmend zur Kenntnis nehmen: Auch in närrischen Zeiten haben in einer Demokratie allenfalls die Kloster-Deifel Narrenfreiheit, nicht aber die Verwaltung.