Lokales

Narren getauft

Acht Deifel-Anwärter bestehen den Test

Trotz klirrender Kälte kam das Blut der Kirchheimer Narren gestern auf höllische Betriebstemperatur: Die Kloster-Deifel starteten auf dem Marktplatz in die fünfte Jahreszeit und nahmen acht neue Mitglieder in ihre Reihen auf.

Tobias Flegel

Kirchheim. Die Kälte kam den Kirchheimer Narren gerade recht. „Heute haben wir endlich das Wetter, um unser Häs zu nutzen“, begrüßte Zunftmeisterin Karin Walker die Zuschauer und befreundete Narren. Tatsächlich ließen sich die Kloster-Deifel vom grauen Himmel und den eisigen Temperaturen nicht den Spaß verderben. Pünktlich um 14.14 Uhr, nachdem die letzten Töne des Eröffnungssongs verklungen waren, läutete Chef-Deifelin Walker die fünfte Jahreszeit ein. Das Publikum folgte etwas steif, aber gut gelaunt und gestärkt von Glühwein sowie roten „Deifelsknackern“ dem rund zweistündigen Treiben.

Wie andernorts auch wird der Beginn der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Kirchheim von Ritualen begleitet. Häs-Abstauben – das symbolische Reinigen der Verkleidung – und die Taufe neuer Mitglieder sind zentrale Elemente der jährlichen Prozedur. Den Auftakt der Fasnetserweckung bildete jedoch die Befreiung eines kleinen Kloster-Deifels, der seit Aschermittwoch in der Zunftkiste seinen närrischen Winterschlaf gehalten hatte. „Geh und such den Rest Deiner Höllenbrut“, rief Karin Walker, worauf der Narr flugs seine Genossen auf die Bühne brachte. Dort besiegelten die schwarz-rot gekleideten Gestalten den Start der Fasnet mit einem dreifachen Zunftruf.

Unter den strengen Augen von Häswartin Ulrike Hofmeister folgte anschließend das Abstauben der Gewänder. „So dreckig gesch Du mir net in die Fasnet“, sagte Hofmeister zu einem der Deifel und forderte ihn und seine Freunde auf, sein zottliges Äußeres mit einer Bürste vom Staub zu reinigen. Ein weiblicher Narr nahm sich Hofmeisters Wunsch besonders zu Herzen und legte seine Kleider erst nach einem Striptease wieder an. Am Ende der Reinigungsprozedur, standen die Kloster-Deifel ordentlich geputzt in Reih und Glied, womit sie sich das Lob der Zunftmeisterin verdient hatten.

Mit Höllenlärm ging es dann in die nächste Runde des Fasneterweckens. Unter Aufsicht des Meisters Harry ließen drei Narren ihre rund zweieinhalb Meter langen Hanfpeitschen, die sogenannten Karpatschen, knallen. Das Können der Deifel, verkündete Harry stolz, habe diese schon zweimal auf das Siegertreppchen bei der Weltmeisterschaft geführt.

Nach diesem Intermezzo stellten sich acht Täuflinge ihrer Prüfung. Das Prozedere hatte es auch in diesem Jahr in sich: Vier Vollstrecker schütteten den Kandidaten Asche und Höllenschwärze über Haupt und Körper, danach servierte ihnen „12-Sterne-Koch“ Bocuse-Lafer seine Teufelsuppe. Sekt, rote Würste, Kaugummi, Müsliriegel, Senf und Tabasco waren nur einige Zutaten des üblen Gerichts. Doch die Anwärter löffelten mutig ihre Schüsseln leer und nach einem letzten Tanz waren sie reif für die Aufnahme in den Kreis der Kloster-Deifel. Ein Schwur und die Musik der VIP-Guggen aus Stuttgart besiegelte den Bund.

Fotos: Jean-Luc Jacques

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