Lokales

Natürliche Erosion macht sich am Albtrauf bemerkbar

Wegen gefährlichem Steinschlag ist die Gußmannshöhle bis auf weiteres für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Gutenberger Höhle kann dagegen wie gewohnt besichtigt werden.

LENNINGEN Wenn im Frühjahr die Fledermäuse ihren Winterschlaf beendet haben beginnt normalerweise am 1. Mai die Saison für die Gutenberger- und die Gußmannshöhle wieder. Auf sicheren Wegen und unter fachkundiger Führung ermöglichen sie den Besuchern den Einblick in geheimnisvolle Tiefen. Einzigartige Tropfsteinformen verwandeln die wundersame Dunkelheit in eine mystische Märchen- und Sagenwelt.

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Höhlen üben seit jeher eine Faszination auf die Menschen aus und sind deshalb ein besonderer Anziehungspunkt für viele Wanderer, Ausflügler und Schulklassen. Führungen durch die Gutenberger Höhlen finden samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 17 Uhr statt. Gruppenführungen sind nach telefonischer Voranmeldung auch unter der Woche möglich. Ansprechpartner ist die Ortschaftsverwaltung Gutenberg mit der Telefonnummer 0 70 26/78 22. Bei durchgehend schlechtem Wetter bleibt die Höhle jedoch geschlossen.

Auch werden wieder Nachmittagsführungen in den Sommerferien angeboten und zwar immer mittwochs von 13 bis 16 Uhr. Treffpunkt ist die Gutenberger Höhle.

Am Ende des Tiefentals liegen weit über dem Ort die Gutenberger Höhlen. Sie sind erreichbar entweder von Gutenberg über den Wanderweg vom Tiefental oder von oben vom "Höhlenparkplatz", dem Parkplatz an der Kreisstraße von Schopfloch Richtung Krebsstein. Die Gutenberger Höhle hat insgesamt sechs Hallen. Die erste ist die Knochenlagerhalle, die zweite die gothische Halle, von der ein 40 Meter langer Gang mit verschiedenen Nebenkammern in die vierte Halle führt. "Halle 5" ist die Teilungshalle und der sechste und letzte Raum ist der Gußmannsdom mit seiner großen Nebenkammer, von der es dann noch in die für die Besucher gesperrte Klamm hinabgeht.

Die Entstehung verdankt die Gutenberger Höhle dem Schopflocher Torfgrube. Dieses Moor war zu der Zeit, als die Höhle noch von Wasser durchflossen war, ein See. Das Wasser ist durch Spalten abgeflossen und hat diese chemisch lösend erweitert, hat aber auch mechanisch die Raumbildung gefördert. Ein Teil des Wassers vom Schopflocher Moor tritt heute aus dem Höllsternbröller aus, der 150 Meter tiefer liegt als die Gutenberger Höhlen. Seit der Entstehung dieser Höhlen hat sich die Karstwasserschicht von heute um so viel tiefer gelegt.

Die Funde aus den Gutenberger Höhlen sind heute größtenteils im Heimatmuseum in Kirchheim und im Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart ausgestellt. Die Höhle besitzt mit ihren schönen Tropfsteinbildungen eine Gesamtlänge von rund 200 Meter.

Die Gußmannshöhle ist die kleinere der beiden Höhlen und steht normalerweise auch zur Besichtigung offen. Die Natur hat jedoch wieder einmal ihre Unberechenbarkeit und mitunter auch ihren natürlichen Verlauf gezeigt. Als scheinbar unverrückbar stellen sich die Felsformationen rund um Gutenberg dar. Dass dieser Schein trügt, zeigte sich vor kurzem bei Gutenberg deutlich. Die Steige musste über längere Zeit wegen Felssturz gesperrt werden und auch bei der Gußmannshöhle gab es gefährlichen Steinschlag. Deshalb ist die Gußmannshöhle bis auf weiteres für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da die Gefahren für die Besucher nicht abzusehen sind. Rückschreitende Erosion ist wohl die Ursache, mit der sich die Schwäbische Alb langsam aber sicher in Richtung Süden verabschiedet. Bei Gutenberg ist dies im Moment offensichtlich etwas schneller der Fall.

Die Führungen in der Gutenberger Höhle finden nach wie vor ohne Beeinträchtigungen statt.

dj