Lokales

"Naturnahe Gewässer müssen unser Ziel sein"

Auf Interesse stieß die Bürgerinformation zum Gewässerentwicklungsplan für Fließgewässer in der Gemeinde Lenningen. Manuela Eichendorf vom Planungsbüro König und Partner informierte darüber im Rathaus Oberlenningen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "In diesem Plan steckt ordentlich kommunalpolitische Brisanz dahinter", sagte Lenningens Bürgermeister Schlecht gleich zu Beginn der Präsentation. Ihm ist bewusst, dass sich mit dem Plan weder Verwaltung noch Gemeinderat jedermann zum Freund macht. "Es geht aber hauptsächlich um den Schutz und die Sicherheit für die Bevölkerung, aber auch um die Verbesserung der Ökologie im Lenninger Tal", sagte der Schultes. Diese Aufgabe gehe die Gemeinde nicht aus Jux und Dollerei an, sondern verfolge auf Grund dramatischer Hochwassereignisse klare Zwecke. "In unserer Tal-Lage, die gesegnet ist mit Bachläufen, kann sich solch ein Ereignis jederzeit wiederholen", so die Einschätzung von Michael Schlecht.

Wichtig sei deshalb vor allem der Dialog zwischen Gemeinderat und Bürgerschaft. Vier Wochen hängen die Pläne nun an Stellwänden im ersten Stock des Oberlenninger Rathauses. Anregungen dazu sind erwünscht, es liegen dazu auch entsprechende Formblätter aus. "Ihr Wissen und Ihre Erfahrung helfen uns bei der Bewältigung der Generationenaufgabe", erklärte Bürgermeister Schlecht.

Manuela Eichendorf erläuterte die Problematik recht ausführlich. "Ursprünglich handelte es sich um eine Waldaue. Als sich Menschen im Lenninger Tal auch dank des vielen Wassers angesiedelt haben, rodeten sie die Flächen. Die vergangenen 200 Jahre veränderten die Landschaft dramatisch", beschrieb sie die Entwicklung im Zeitraffer. Vor allem die Versiegelung und zusätzlicher Nährstoffeintrag in die Gewässer verschärften den Konflikt zwischen Mensch und Natur. Viele Tier- und Pflanzenarten gibt es deshalb im Lenninger Tal nicht mehr.

Die Lauter beispielsweise hat schon ab der Quelle keine Chance, auch nur einen Meter naturnah zu fließen. In Schlattstall wird sie sofort gefasst und in einem Kanal zu einer Mühle geführt, um die Wasserkraft nutzen zu können. Diese wird heute zwar nicht mehr benötigt, der Kanal besteht jedoch weiterhin. Von einem zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen ist dieser Bachlauf daher weit entfernt. "Früher hat das System funktioniert. Naturnahe Gewässer müssen daher unser Ziel sein", verdeutlichte Manuela Eichendorf. Ein wichtiger Punkt ist dabei neben der Hochwasservorsorge auch die Durchlässigkeit der Bäche, damit Fische und Organismen auch stromaufwärts wandern können. Bei Wehren oder Verdolungen ist dies nicht der Fall.

"Wasser sucht sich selbst einen langen Weg, um die eigenen Kräfte abzubauen. Diesen natürlichen Prozess sollte man nutzen, das heißt, dem Bach seine eigene Entwicklung zu lassen und dafür auch Flächen bereit stellen", verdeutlichte die Planerin und sprach damit ein zentrales Problem an. Wegen des Siedlungsdrucks wurden die Bäche Grundstücksgrenzen angepasst und in der Bebauung oft verdolt. Dass es schwierig ist, den Eigentümern klar zu machen, einen Teil ihres Grundstücks dem Gewässer zu überlassen, ist Manuela Eichendorf klar. Zwar verlangsamen Gehölze entlang der Ufer die Fließgeschwindigkeit, werfen jedoch auch Schatten auf die landwirtschaftlichen Flächen, was vor allem beim Ackerbau nicht erwünscht ist. "Es muss miteinander gehen: Wasser und Siedlung", sagte die Planerin. Ihr ist klar, dass ohne Mithilfe und aktive Beteiligung von Bürgern und Grundstückseigentümern die Maßnahme nicht auf die Beine zu stellen ist.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Lenninger befürchten, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird. "Dies soll nicht der Fall sein. Sowohl wir als Planer als auch Gemeinderat und Verwaltung sind an einem Konsens interessiert. Nur so kann es eine breite Akzeptanz geben", ist sich Manuela Eichendorf bewusst. Müssten Landwirte Flächenverluste hinnehmen, könne dies möglicherweise über eine Entschädigung im MEKA-Programm (Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich) aufgefangen werden. Zwang möchte sie keinesfalls auf die Eigentümer ausüben und das Wort Enteignungen schon gar nicht in den Mund nehmen.

Ihre Gesprächspartner haben sie auf die neuralgischen Stellen aufmerksam gemacht und durchaus Verständnis für die Maßnahmen gezeigt. "Ihnen war klar, dass das Problem an der Basis, sprich in den Oberläufen der Bäche angegangen werden muss, damit sich die Lage bei Hochwassersituationen beruhigen lassen kann", resümierte Manuela Eichendorf.

"Wir müssen uns im Klaren sein: wir kommen von der Hochwasserproblematik her", verdeutlichte Bürgermeister Schlecht die Ausgangssituation für den Gewässerentwicklungsplan. Als erstes werde das Gespräch mit den Anliegern gesucht, um zu einer Lösung zu kommen, wobei keine überzogenen Forderungen gestellt würden, versprach der Schultes. Schließlich wäre es sinnvoller, das Wasser würde schon im Oberlauf des Baches über die Ufer treten als in Siedlungsnähe. Von Anordnungen hält er wenig, wäre bei entsprechender Notwendigkeit dazu jedoch bereit. "Ich hoffe aber auf gute Kompromisse", gibt sich Michael Schlecht optimistisch.