Lokales

Natursteine für einen schönen Anblick

Die Gußmannshöhle auf Gutenberger Markung wird saniert. Dies beschloss der Lenninger Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung. Somit erhalten in absehbarer Zukunft Besucher wieder die Möglichkeit, das imposante Naturdenkmal zu besichtigen.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Seit rund einem Jahr ist die Gußmannshöhle aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt. Am Eingang der Höhle besteht Steinschlaggefahr und Felssturzrisiko. "Steine bis zu einer Größe von einem Kubikmeter können sich aus dem Verband lösen", erklärte Bernd Göhner vom Büro Dr. Spang, Ingenieurgesellschaft für Bauwesen, Geologie und Umwelttechnik, während der Gemeinderatssitzung. Aus diesem Grund ist auch der Weg zur Höhle gesperrt. Dank Mobilität und Bilderflut sind die Menschen heute mit Alpen- und anderen Bergmassiven vertraut. Das Wort Gebirge fällt im Zusammenhang mit der Schwäbischen Alb deshalb eher selten. Bernd Göhner kam dieser Begriff ganz selbstverständlich über die Lippen ganz in der Tradition des Entdeckers der Gußmannshöhle. Der rührige und vielseitige Pfarrer Gußmann aus Gutenberg schrieb in seinem Büchlein "Das Lenninger Thal und die Gutenberger Höhle" im Jahre 1890, dass sein Werk "ein Begleiter auf dem lieblichen Weg von der Teckstadt Kirchheim bis in die Tiefe des Gebirgs hinein" sein sollte.

Dieses Gebirge ist wie die Alpen einem natürlichen Prozess unterworfen. Zwar stürzen hier nicht solche Gesteinsmassen wie an der Eiger-Ostflanke zu Tal, doch schon kleine Brocken reichen, um Wanderer in Lebensgefahr zu bringen. Sowohl vor als auch in der Höhle lösen sich Steine aus der Felswand. Ein Holzverbau, der keine stützende Funktion hat, sichert derzeit den Eingang, teilweise sind die Steine dahinter verkeilt. An dem rund 14 Jahre alten Türstock sind bereits einzelne Hölzer durchgefault.

Zunächst wurde angedacht, mit Spritzbeton den Fels zu sichern. Diese Lösung scheiterte nicht nur wegen der fehlenden Ästhetik, sondern auch aus Naturschutzgründen. "Es gibt viele Krabbeltiere, die in den Ritzen leben", erklärte Bernd Göhner. Um deren Lebensraum erhalten zu können, plädierte der Ingenieur für einen Stahlausbau, wie er in Stollen im Bergbau verwendet wird. "Das versiegelt die Seiten kaum und die Decke kann trotzdem gesichert werden", zeigte er die Vorteile auf.

"Ich würde dem Stahlausbau den Vorzug geben", so die klare Aussage von Bernd Göhner. Der Planer schlägt Rohre vor, da sie nicht nur stabiler, sondern auch durchlässiger sind als Blech. Zudem lässt sich diese Konstruktion gut an das unterschiedliche Profil der Höhle anpassen. Das Naturdenkmal hat einen etwa acht Meter langen Eingangsbereich, der sich von vier Metern am äußeren Rand auf etwa einen Meter am Eingangstor verengt. Zudem nimmt die Höhe von rund sechs Metern auf gerade mal einen Meter ab, wobei die letzten beiden Meter ein fast rechteckiges Profil haben. Ein Abrostungszuschlag ist automatisch dabei, die Ingenieure rechnen mit drei Millimeter Verlust in 100 Jahren. "Das überdauert uns alle", so der Planer lakonisch. Damit sich der Eingangsbereich jedoch besser in die Landschaft einfügt, soll der Stirnbereich des Höhleneingangs mit Bruchsteinen vermauert werden.

Mit einer Empfehlung hielt sich das Büro zurück, denn die angespannte finanzielle Lage der Kommunen ist hinlänglich bekannt und der Stahlausbau ist nicht die günstigste Ausführung. Holz muss alle 10 bis 15 Jahre erneuert oder ausgebessert werden, Stahl dagegen verspricht lange Zeit Ruhe. "Nicht immer ist die billigste Ausführung auch die langfristig günstigste Lösung. Ich bin dafür, Nägel mit Köpfen zu machen", erklärte Lenningens Bürgermeister Schlecht. Im Haushalt sind für diese Maßnahme 39 000 Euro eingestellt, die Kostenschätzung beläuft sich auf etwa 43 000 Euro. Auch der Ortschaftsrat in Gutenberg favorisierte die vom Planer vorgeschlagene Ausführung. Dem Gremium erschien diese Variante wegen der Umweltverträglichkeit und Dauerhaftigkeit als die verträglichste Lösung. "Wir haben Bürgermeister Schlecht deshalb gebeten, diese Variante dem Gemeinderat vorzuschlagen", erklärte Dietmar Jauss, Ortsvorsteher in Gutenberg.

Inge Kodera begrüßte diesen Vorschlag. "Der Spritzbeton steht erfreulicherweise nicht mehr zur Diskussion, was schon allein für die Schönheit der Höhle wichtig ist", sagte sie. Auch der Preisvergleich ist für sie kein Thema. Karl Boßler wollte vom Planer wissen, wie lang die Stahlkonstruktion vor der Höhle herausragt. "Nicht so weit wie der derzeitige Holzverbau, dafür aber höher und zwar am Fels orientiert", erklärte dazu Bernd Göhner. Der Stahl schützt vor Steinschlag. Dazu kommt eine massive Ausmauerung mit Natursteinen, hinter der Beton zum Einsatz kommt.

Ob dieser Vorschlag auch tatsächlich umgesetzt wird, ist noch nicht sicher. "Wir hatten ein konstruktives Gespräch mit dem Landesamt für Bergbau. Ich glaube, dass das Genehmigungsverfahren so durchgehen kann ob es aber tatsächlich dazu kommt, wissen wir nicht", zeigte sich Michael Schlecht zweckoptimistisch.

Da das statisch wirkende Ökosystem Fels ständig in Bewegung ist, steht für den Ingenieur außer Frage, dass ständig die Sicherheit vor Ort kontrolliert und bei Bedarf nachgebessert werden muss.

Der Gemeinderat hofft, dass im kommenden Jahr die Höhle zur Besichtigung wieder freigegeben werden kann, die Karl Gußmann als "schönste des Schwabenlandes" bezeichnet. "Wohl gibt es größere Höhlen und höhere, weitere Hallen aber nirgends trifft man diese wundersame Farbe und diese vielgestaltigen, zarten Formen", notiert er in seinem Büchlein und schwärmt von der gotischen Grotte, den durchsichtigen Säulchen des Zwergpalastes und dem massigen Kronleuchter in der fünften Halle.