Lokales

„Naturwissenschaft ist Leidenschaft“

Stadträte beschließen Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume im Schlossgymnasium

Praktisches Arbeiten und selbstständiges Experimentieren sind das A und O in der Wissenschaft. Daran orientiert sich die Ausstattung moderner Chemie- und Physikräume an Gymnasien. Die alte Hörsaalform verdammt Nachwuchsforscher aber zum passiven Zuschauen. Deshalb werden die naturwissenschaftlichen Räume im Kirchheimer Schlossgymnasium jetzt saniert. Das kostet Geld.

Die Schlossgymnasiasten haben gut lachen: Ein Hörsaal wie dieser Raum entspricht heute nicht mehr modernen pädagogischen Konzept
Die Schlossgymnasiasten haben gut lachen: Ein Hörsaal wie dieser Raum entspricht heute nicht mehr modernen pädagogischen Konzepten. Vielmehr sollen nach einem Umbau Experimentiermöglichkeiten das Interesse an Naturwissenschaften wecken.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. So viele Zuhörer wie an diesem Mittwoch können sich die Mitglieder des Technischen Ausschusses der Stadt Kirchheim sonst nur wünschen, vor allem so junge: Fast die gesamte 10e des Schlossgymnasiums hatte sich nebst Lehrern und Rektorin Lucia Heffner im Sitzungssaal versammelt. Sie erreichten damit überzeugend ihr Ziel, brennendes Interesse an der Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume zu dokumentieren, und erhielten auch gleich noch eine Lektion in Gemeinschaftskunde.

Anzeige

Seitens der Verwaltung wurde kurz die Notwendigkeit der Sanierung dargestellt. In einem ersten Bauabschnitt soll der Biologiebereich erweitert und umgebaut werden. Diese Maßnahme, für die 460 000 Euro veranschlagt sind, will man noch dieses Jahr angehen. Wie‘s dann weitergeht, ist noch offen. Durch Umbauten und Verschiebungen im bestehenden Gebäude könnten gemäß Variante A für insgesamt 2,7 Millionen Euro mit zwei weiteren Bauabschnitten der Chemie- und der Physikbereich modernisiert und etwas vergrößert werden. Variante B basiert weniger auf Eingriffen in Bestandsräume, sondern auf einer Erweiterung auf der Nord-Seite. Insgesamt sind dadurch etwas größere Räume möglich. Die geschätzten Kosten liegen allerdings auch um etwa 330 000 Euro höher und sprengen dann die Drei-Millionen-Grenze, wobei auch hier alle drei Bauabschnitte enthalten sind.

„Sie investieren hier in die Zukunft“, dankte Lucia Heffner, Leiterin des Schlossgymnasiums, dem Gremium für die Bereitschaft zur Modernisierung der Schule, die derzeit von etwas über 1 000 Schülern besucht wird und naturwissenschaftlich ausgerichtet ist. Nicht zuletzt deswegen brach die Rektorin engagiert eine Lanze für die großzügigere Bauvariante in diesem wichtigen Bereich. „Wir brauchen keine Luxuslösung, aber auch keine Minimallösung“, deutete sie an, dass die Mindestvorgaben im Schulraumprogramm alles andere als üppig seien: „Wir brauchen wirklich jeden halben Quadratmeter!“

Bürgermeister Günter Riemer fasste zusammen, dass der erste Bauabschnitt unstrittig sei, auch wenn die Summe schmerze. Die Entscheidung zwischen den daran anschließenden Varianten solle erst nach einer neuerlichen Schulentwicklungsdiskussion fallen.

Obwohl also hier keine Abstimmung anstand, preschten einzelne Redner vor. Es sei wichtig, junge Leute für Naturwissenschaften zu begeistern, zumal das Land unbedingt Naturwissenschaftler brauche, argumentierte Dr. Thilo Rose von der CDU und bezeichnete Variante B als „optimales Konzept“. Auch Peter Bodo Schöllkopf von der SPD votierte klar für Variante B: „Wir wollen die Nummer 1 bleiben in Deutschland, und das fängt in Kirchheim an.“

Deutlich zögerlicher zeigten sich die Freien Wähler. Ulrich Kübler bemerkte, da es sich eigentlich „nur“ um eine Modernisierung handelte, habe er anfangs geglaubt, eine Null zu viel habe sich in die Berechnung eingeschlichen. Er bekannte sich zur Aufgabe, für die junge Generation vorzusorgen, gab aber auch zu bedenken, dass man auch die finan­ziellen Lasten für die Nachkommenden zu verantworten habe. Daher regte er an, eine Zweitmeinung einzuholen. Dem schloss sich Albert Kahle (KIBÜ/FDP) an, der den Gemeinderat auch als „Sachwalter des städtischen Geldes“ bezeichnete. „Naturwissenschaft heißt Leidenschaft“, gab Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen zu bedenken. Der Raum sei da das Wenigste, im Grunde stelle der Gemeinderat nur eine Hülle bereit. Auch er bekannte sich wie alle Redner vorbehaltlos zum ersten Bauabschnitt.

Einstimmig gab der Ausschuss die Ausschreibung für den ersten Bauabschnitt frei. Die weiteren Ausbauvarianten sollen im Zusammenhang mit der Schulentwicklungsplanung erneut zur Sprache kommen und werden von der Verwaltung nochmals auf Einsparmöglichkeiten abgeklopft.