Lokales

Neben Papst Benedikt lockt der Daimler-Stern

Der Weltjugendtag in Köln steht vor der Tür und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Inzwischen sind auch in den katholischen Kirchengemeinden in Kirchheim und Lenningen die Gäste eingetroffen Syrer in Kirchheim und Kolumbianer in Lenningen. Mit von der Partie in Köln ist auch Werner Dannemann. Ein von ihm komponiertes Musiktanztheater feiert auf dem Weltjugendtag seine Premiere.

KIRCHHEIM/LENNINGEN Der Weltjugendtag in Köln rückt mit großen Schritten näher: Hunderttausende Besucher aus aller Welt werden ab Montag in die Metropole am Rhein pilgern, um bei dem großen Festival des Glaubens dabei zu sein. Von Dienstag, 16. August, bis Sonntag, 21. August, lockt der Weltjugendtag mit Feiern und Gebeten, Konzerten und Gottesdiensten und natürlich mit dem Besuch Papst Benedikts XVI. Auch wenn das Event in Köln erst nächste Woche beginnt, sind seine Auswirkungen in vielen katholischen Kirchengemeinden bereits jetzt zu spüren so auch rund um die Teck: Zu den "Tagen der Begegnung" im Vorfeld des Weltjugendtages sind junge Leute aus Syrien in Kirchheim eingetroffen. Eine Gruppe von Kolumbianern ist zu Gast in Lenningen.

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"Der Weltjugendtag ist eine großartige Gelegenheit, um Deutschland zu besuchen", sagt Naeem Askar. Der Student ist einer von 23 Jugendlichen, die zusammen mit ihrem Priester Asaad Naef bis Montag in Kirchheim weilen. "Normalerweise ist das fast unmöglich für uns", weist Naeem auf die harten Einreisebestimmungen für Bürger der Arabischen Republik Syrien hin. Der Aufenthalt in der Teckstadt ist für die jungen Syrer aus der syrischen Diözese Homs somit eine völlig neue Erfahrung aber eine sehr gute, wie sie versichern: "Deutschland ist wunderbar und alle sind so nett und gastfreundlich hier", freut sich Naeem.

Wolfgang Müller, Pastoralreferent in Kirchheim, ist ebenfalls begeistert von den Besuchern aus dem Nahen Osten: "Es sind sehr angenehme Gäste." Auch wenn die Amtssprache in Syrien Arabisch ist, gibt es keinerlei Verständigungsprobleme: Die Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren sprechen alle gut Englisch. "Die jungen Syrer sind sehr westlich orientiert", hat Wolfgang Müller festgestellt. In Kleidung und Lebensstil unterscheiden sie sich kaum von gleichaltrigen Deutschen.

Und auch ihre Interessen gelten ähnlichen Dingen: Auf Wunsch der Gäste ging es gestern deshalb als erstes ins Daimler-Museum nach Stuttgart. Danach hatten sie Gelegenheit, über die Königsstraße zu bummeln. Abends stand die erste große Begegnung mit deutschen Jugendlichen auf dem Programm: Zusammen mit den Mitgliedern der "Calypse" feierten die Gäste aus Nahost im Kirchheimer Bohnauhaus. Heute heißt es für die Syrer erst einmal Umziehen. Nachdem sie die ersten beiden Nächte im Bohnauhaus verbrachten, übernachten sie die restliche Zeit in Gastfamilien. Gemeinsame Aktivitäten kommen bis zur Abreise nach Köln am Montag aber nicht zu kurz: Die Gruppe aus Nahost besucht das Bürgerbüro und das Brückenhaus in Kirchheim, gehen zu einem Konzert in Stuttgart und feiern gemeinsame Gottesdienste am Freitagabend einen im Ritus der griechisch-melkitisch-katholischen Kirche, der die Gäste aus Syrien angehören. "Da bin ich schon sehr gespannt drauf ", gesteht Wolfgang Müller.

Dass bei einem solch großen Projekt wie dem Weltjugendtag mit allem zu rechnen ist, erlebte die katholische Kirchengemeinde in Oberlenningen. Ursprünglich sollten die Kolumbianer schon am Montagabend mit einem Gottesdienst begrüßt werden. Tatsächlich kamen sie einen Tag später, da täglich nur ein Flugzeug von Bogota nach Paris startet und es mit diesem Flug nicht geklappt hat.

Eine Kolumbianerin war allerdings tatsächlich schon am Montag im Lenninger Tal. Die 16-jährige Daniela nutzte den Flug nach Europa, um vor dem Weltjugendtag in Deutschland ihre Tante in London zu besuchen. Von der Weltmetropole reiste sie ins Schwabenland und verbrachte ihre erste Nacht wie geplant bei Familie Braun in Oberlenningen. Für die ebenfalls 16-jährige Anne stand die Teilnahme am Weltjugendtag in Köln schon lange fest. Aus diesem Grund wünschte sie sich einen Gast. Da die Lenninger Kirchengemeinde Sankt Maria eine Partnergemeinde in Kolumbien hat, war auch klar, woher die Gäste kommen.

Schon am Montag erkundete Daniela die Gegend. "Wir haben Oberlenningen umrundet und sind durchs halbe Dorf spaziert", erzählt die Mutter von Anne, Margarita First-Braun. Sie hat ihr neues Kind auf Zeit schon ins Herz geschlossen. Sie ist begeistert davon, dass eine 16-Jährige gerne wandert und so war sie mit ihr schon auf dem Reußenstein. "Von unserer Landschaft ist Daniela begeistert", so Margarita First-Braun. Die Mutter ist wiederum darüber angetan, dass die junge Kolumbianerin stolz auf ihr Land ist. "Im Internet hat sie sämtliche Seiten aufgerufen und mir vieles gezeigt", sagt Margarita First-Braun.

Die Verständigung läuft reibungslos. "Daniela spricht gut englisch", freut sich Margarita First-Braun, dass sie sich problemlos mit ihrem Gast unterhalten kann. Tochter Anne, die seit zwei Jahren als dritte Fremdsprache spanisch paukt, findet es klasse, dass sie nun ihre Kenntnisse praktisch anwenden kann und Übung bekommt.

Gestern besuchten die "Lenninger Kolumbianer"ebenfalls Stuttgart. Vom Bahnhofsturm aus haben sie die Landeshauptstadt von oben bewundert und sich am Nachmittag bei einem Stadtbummel vergnügt. "Es sind alles lustige Leute, die flexibel und offen sind", beschreibt Ute Baumgärtner, Gemeindereferentin in Oberlenningen, die ausländischen Gäste. Ehe es am Montag nach Köln geht, erwartet die Südamerikaner ein buntes Programm, beispielsweise ein Beachvolleyball-Turnier, Besichtigung des Lenninger Schlössles, gemeinsame Gottesdienste oder eine Wanderung auf die Teck.

Schon seit Jahren befasst sich der Kirchheimer Gitarrist und Komponist Werner Dannemann mit religiösen Themen. Davon zeugen nicht zuletzt Projekte wie "Opera Nova" und "Jesus am Ölberg". Vor anderthalb Jahren nun erhielt er vom Franziskanerorden in Bonn den Auftrag, für den Weltjugendtag in Köln ein Franziskus-Musical zu schreiben. Die Generalprobe dazu ging für die rund 20 Akteure Anfang Juli im Franziskannerinnenkloster in Schwäbisch Gmünd über die Bühne. Uraufgeführt wird es am Mittwoch, 17. August, und am Freitag, 19. August, jeweils in der Franziskanerkirche in der Kölner Ulrichsgasse.

red