Lokales

Neidlingen am stärksten betroffen

Mit 94 Prozent der Gemarkungsfläche weist die Gemeinde Neidlingen den prozentual höchsten Anteil an Schutzgebietsflächen auf und ist damit im Landkreis Esslingen die Gemeinde, die von den Vorschlägen derbaden-württembergischen Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) am meisten betroffen ist.

RENATE SCHATTEL

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NEIDLINGEN Bisher wurden 1 138 Hektar, das sind 90 Prozent der Gemarkungsfläche, als Schutzgebietsflächen ausgewiesen. Nun möchte die Landesanstalt weitere 49,8 Hektar, das sind vier Prozent, neu ausgewiesen haben. In dieser Fläche sind aber die wichtigen neuen Entwicklungsflächen, wie Schießhütte oder Bergstraße, enthalten. Somit ist die Gemeinde jeglicher baulichen Fortschreitung beraubt.

In der letzten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr gab nun Bürgermeister Rolf Kammerlander einen detaillierten Einblick in die Sachlage zur geplanten flächendeckenden Ausweisung von Vogelschutzgebieten, die die Gemeinden im Albvorland, insbesondere aber den Kreis Göppingen und Esslingen betreffen, und wies auf den besonderen Einsatz hin, den die beiden Landkreise und Gemeinden für die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes geleistet hätten.

Bürgermeister Kammerlander forderte im Interesse der Zukunft der Gemeinde, dass die wichtigsten Entwicklungsflächen mit zusammen 7,9 Hektar, von denen heute schon 2,1 Hektar als Bauerwartungsland im rechtsverbindlichen Flächennutzungsplan ausgewiesen sind, aus der Gebietskulisse, dem neu auszuweisenden Vogelschutzgebiet, herauszunehmen.

"Alternativ könnten auch die Flächen für das Vogelschutzgebiet angeboten werden, die heute schon unter Landschaftsschutz stehen", schlug Kammerlander vor. Die tatsächlich zu überplanende und zu bebauende Fläche werde durch die Restriktionen der Region ohnehin auf das Potenzial der Eigenentwicklung begrenzt. Die Gemeinderatsmitglieder, die bisher die Berichterstattung in den einschlägigen Zeitungen über die betroffenen Gemeinden in den letzten Wochen verfolgt hatten, stimmten einstimmig dem Beschluss der Verwaltung zu, den Antrag zu stellen, die Entwicklungsflächen aus den Plänen auszunehmen.

Einig waren sich alle Ratsmitglieder, dass die betroffenen Gemeinden nur zusammen wirken können: "Hier hilft nur die Gemeinsamkeit aller Gemeinden", formulierte Wolfgang Heilemann, der im Übrigen die vorgeschlagenen Vogelschutzgebiete als "theoretischen Reißbrettentwurf ohne Maß, Ziel und Praxisbezug" verurteilte. Der Landkreis Esslingen wird nun geschlossen mit seinen Meldungen vorgehen. Wenn er keine Wirkung erzielt, ist sich Bürgermeister Kammerlander sicher, dass das Thema im Vorfeld der Landtagswahl zum Politikum werden wird.