Lokales

Neidlinger Birnenbrand für den Ministerpräsidenten

Der Landkreis Esslingen ist der Kreis der Neuen Messe und des Biosphärengebiets. "Diese starken Impulse wollen wir nutzen, den Tourismus hier voranzubringen", hat Landrat Heinz Eininger am Samstag auf der Touristikmesse CMT gesagt. Erstmals ist der "schönste Landkreis Baden-Württembergs" mit einem eigenen Stand unter dem Dach der Regio Stuttgart vertreten.

RICHARD UMSTADT

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STUTTGART Von 24 Anbietern aus der Region Stuttgart, zu finden in der Halle 6, sind acht aus dem Kreis Esslingen, darunter neben den Ständen des Landkreises (6 D 60) und des Freilichtmuseums mit der Panorama Therme auch Kirchheim, Nürtingen, und Esslingen. Landrat Eininger machte sich einmal mehr dafür stark, in den nächsten Jahren die Aktivitäten von Freilichtmuseum, Naturschutzzentrum und den Städten und Gemeinden zu bündeln, "um Angebotspakete für die Freizeitgestaltung in unserem schönen Kreis zu schnüren." Die Koordination bei der Vermarktung der touristischen Potenziale, insbesondere beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb, wird künftig ein Tourismusmanager übernehmen. Auf eine entsprechende Ausschreibung bewarben sich inzwischen 80 Frauen und Männer. Wer von ihnen letzten Endes zum Zuge kommen wird, soll noch im ersten Quartal 2008 entschieden werden.

Dass das touristische Ende der Fahnenstange im Landkreis Esslingen noch lange nicht erreicht ist, belegt eine Studie, aus der Heinz Eininger zitierte. Demnach rechnen Touristikexperten mit 760 000 Übernachtungen pro Jahr sowie drei bis vier Millionen Tagesausflüglern. "Das könnte einen Umsatz von 188 Millionen Euro bedeuten", meinte der Landrat. "Dies lohnt alle Anstrengungen." Dabei geht Eininger davon aus, dass der verstärkte Trend zu Kurzurlauben und themenbezogenen Freizeitvergnügungen sowie individuelle Reisegewohnheiten den touristischen Bemühungen des Landkreises und seiner Städte und Gemeinden zugute kommen werden.

Und nicht nur dies. Der Landrat rechnet sich auch für die zehn im künftigen Biosphärengebiet an der Albkante liegenden Gemeinden Vorteile und Chancen aus, sich weiter-zu entwickeln. Deshalb ist der Kreis Esslingen mit dem Freilichtmuseum und dem Naturschutzzentrum Schopflocher Alb auch mit verschiedenen Auftritten unter dem Dach des Tourismusverbandes Schwäbische Alb beim Stand des Biosphärengebiets zu finden (Halle 6, Stand 6 C 82 A).

Am Eröffnungstag der Touristikmesse warb dort eine junge Frau mit einem goldenen Krönchen im Haar, Simone Kerner aus Dettingen, Destillatkönigin des Verbandes der Klein- und Obstbrenner Nord-Württemberg, mit Hochprozentigem für den Erhalt der Streuobstwiesen, die das typische Landschaftsbild am Albtrauf prägen. Unterstützung erhielt sie dabei vom Obstbaufachberater des Landkreises, Albrecht Schützinger. Auch Ministerpräsident Günther Oettinger und Landwirtschaftsminister Peter Hauk kamen an der blonden Königin mit der Schärpe nicht vorbei. Den Neidlinger Birnenbrand ließ sich der Ministerpräsident ebenso munden wie der Landwirtschaftsminister den Kohlberger Kirsch.

Heinz Einingers Reutlinger Landratskollege Thomas Reumann überreichte Günther Oettinger die Miniaturausgabe des Eiffelturms. Sie soll den Ministerpräsidenten daran erinnern, dass das internationale Unesco-Kommitee in Paris die Entscheidung über das Biosphärengebiet Schwäbische Alb fällen wird. Alle hoffen jetzt auf die Anerkennung des Naturreservats durch das internationale Gremium. Am Biosphärengebiet zwischen Weilheim, Zwiefalten, Schelklingen und Reutlingen sind der Alb-Donau-Kreis sowie die Landkreise Reutlingen und Esslingen beteiligt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Stand des Landkreises und der Stadt Nürtingen sowie dem Freilichtmuseum präsentiert sich Kirchheim auf der CMT, und keine Geringere als Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker begrüßte am Samstag den Landrat und die Presseschar. Das Stadtoberhaupt verwies auf die neu aufgelegten Prospekte, die Radtouren durch blühende Streuobstwiesen von Kirchheim ins Neidlinger Tal beschreiben. Natürlich gibt es für die Hobbyfotografen unter den Touristen die Möglichkeit, von der Hahnweide aus per Flieger den Albtrauf, die Burgen, aber auch das Freilichtmuseum in Beuren mit dem Kirchheimer Fotoatelier Hofmann von oben abzulichten. "Kunst und Kultur rund ums Schloss" ist ein weiteres "Bonbon", das die Teckstadt interessierten Messebesuchern in die Hand gibt.

Wie die Oberbürgermeisterin erklärte, verzeichnet Kirchheims Gas-tronomie rund 50 000 Übernachtungen pro Jahr die Woche über. "Das sind hauptsächlich Geschäftsleute." Jetzt versucht die Stadt, auch an den Wochenenden Ausflügler und Kurzurlauber anzuwerben.

Der Verkehrsverein Teck-Neuffen will den Tourismus in der Region Nürtingen-Kirchheim voranbringen und stellte in einer neuen Broschüre eine Ideentour mit 24 Stationen zusammen. "Wir haben große Potenziale", war sich Angelika Matt-Heidecker sicher, die allerdings ebenso wie der Landrat Doppelstrukturen vermeiden will, und sich deshalb mit einem Koordinator beim Wirtschaftsförderer Markus Grupp durchaus anfreunden könnte.

Begeistert berichtete die Oberbürgermeisterin über den erfolgreichen Bus-Shuttle zur Touristikmesse. Zur Eröffnung steuerten gleich drei voll besetzte Gelenkbusse von Kirchheim aus die Messe an.

INFOWeitere Informationen über den Bus-Shuttle finden Interessierte unter www.ovk-kirchheim.de.