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Neidlinger Ratsgremium favorisiert "Einheitsgebühr"

In der jüngsten Neidlinger Gemeinderatssitzung wurden umfangreiche Änderungsvorschläge der Kirchengemeinde und des Kindergartenteams bezüglich des Betreuungsangebotes und der Gebühren im evangelischen Kindergarten Wasserschloss diskutiert und zur Kenntnis genommen.

RENATE SCHATTEL

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NEIDLINGEN Dass die Gemeinde den Änderungen des Angebotsumfangs und der Elternbeiträge zustimmt, soweit diese ohne Mehrkosten für die Gemeinde umgesetzt werden, war zu erwarten. Dass der Gemeinderat und die Verwaltung mit den neuen Gebührensätzen nicht einverstanden war und nun ihrerseits einen Einheitstarif vorschlägt, setzt ein ganz neues Zeichen in der Kindergartensituation. Die nach intensivem Meinungsaustausch vom Gemeinderat vorgeschlagenen Gebührensätze sollen konsequent ohne Geschwisterermäßigung nach dem "Verursacherprinzip" funktionieren. Angedacht ist, dass für jedes Kindergartenkind 71 Euro Gebühren zu bezahlen sind, weil eben für jedes Kind, nach Berücksichtigung der Zuschüsse, diese Kosten anfallen. Der Modellvorschlag der evangelischen Kirche und des Kindergartenteams, Familien mit mehr als zwei Kindern stärker zu belasten, wurde abgelehnt. Heute Abend muss sich nun wiederum der Kirchengemeinderat in seiner Sitzung mit den Vorschlägen des bürgerlichen Gemeinderates befassen.

Dass Kirchengemeinde und Kindergartenteam mit ihren Vorschlägen generell eine sehr gute Vorgabe gemacht hatten, bestätigten die Gemeinderäte einstimmig und waren voll des Lobes. Dem Kindergartenteam wurde hohe Flexibilität und Leistungsbereitschaft zuerkannt. Das Modell sei mit großer Mühe durchdacht worden und gut funktionsfähig. Wie sieht nun das neue vom Pfarramt samt Kindergartenteam in Abstimmung mit der Verwaltung und Gemeinderat vorgeschlagene "Neidlinger Modell" aus und wie kam es dazu? Auslöser der Überlegungen waren der Rückgang der Kinderzahlen in den kommenden Jahren und damit zunächst die Schließung der Kleingruppe in der Widerholtstraße zum Ende des Kindergartenjahres 2005/2006 und eventuell einer weiteren Gruppe in den Folgejahren, aber auch die gesetzliche Änderung zur Förderung und dem Ausbau des Betreuungsangebotes für unter Dreijährige und Schulkinder.

Die Vorschläge greifen tief in die bisherige Struktur ein, sind aber voraussichtlich kostenneutral. Als erstes Novum ist die Ausdehnung der Öffnungszeiten zu nennen. Ab dem kommenden Kindergartenjahr können zu den regelmäßigen Betreuungszeiten aller drei Regelgruppen bis zu zwei Stunden je Vormittag hinzuerworben werden. Damit steht den Familien eine durchgängige Betreuung von 7.30 Uhr bis 14 Uhr zur Verfügung. Dieses freiwillige Angebot ist aber mit zusätzlichen Kosten für die Nutzer verbunden. Die Verringerung der Schließtage ist die zweite Neuerung. Durch eine unterschiedliche Ferienregelung der einzelnen Gruppen würde in den Sommerferien die Tageseinrichtung nicht mehr vier Wochen sondern nur noch zwei Wochen ganz geschlossen.

Für die Grundschulkinder gibt es ein neues Angebot der Mittags- und Ferienbetreuung. Anstelle oder auch zur Kernzeitbetreuung an der Grundschule wird den Grundschülern die Möglichkeit eröffnet, im Kindergarten bis 14 Uhr pädagogisch betreut zu werden. Dies setzt aber momentan eine Voranmeldung von einem halben Jahr voraus, um den Personaleinsatz genau planen zu können. Als weitere Neuerung gilt die Aufnahme von unter Dreijährigen.

Mit den sinkenden Kinderzahlen entstehen ab dem Kindergartenjahr 2006/2007 erstmals auch freie Kapazitäten. Diese können für die Aufnahme von unter dreijährigen Kindern genutzt werden. In Neidlingen wird so die schrittweise Umsetzung der Forderung nach Betreuungsangeboten für Kinder ab zwei Jahren möglich.

Das neue Neidlinger Kindergartenmodell beinhaltet auch eine Umstellung der Beitragssystematik. Hier lauten die Vorschläge von Pfarramt und Kindergartenteam wie folgt: Die bisherige Regelung der Beitragsbemessung nach der Anzahl der Kinder unter 18 Jahren in einer Familie mit 12-monatiger Abrechungsweise soll auf eine 11-monatige Beitragserhebung umgestellt werden, die sich künftig an der Zahl der Kinder einer Familie, die gleichzeitig die Einrichtung besuchen, orientiert. Damit würden Familien mit einem Kind mehr entlastet, während Familien mit mehr Kindern deutlich gestiegene Preise zu verkraften hätten. Es entfällt damit auch der Erlass eines Kindergartenbeitrags für Kinder, die nach den Ferien in die Grundschule wechseln. Den Eltern soll aber die Möglichkeit eröffnet werden, ihr Kind während der "Eingewöhnungsphase" nur für den Vormittagsbesuch anzumelden. Der Tarif entspricht dabei rund 75 Prozent des Normaltarifs.

In der Diskussion kristallisierte sich neben allgemeiner großer Zustimmung schnell heraus, dass die Gebührenumverteilung zu Ungunsten Kinderreicher keinen Gefallen fand. Uli und Hans Hepperle plädierten für die Einheitsgebühr als gerechteste Variante. Petra Feller rechnete als Satz für diese Einheitsgebühr 71 Euro zur Kostendeckung aus. Bürgermeister Rolf Kammerlander griff den Vorschlag auf und machte ihn zur Bedingung für die heute stattfindende Beschlussfassung im Kirchengemeinderat.