Lokales

Netzwerk für besseres Miteinander

Der Esslinger Kreisdiakonieverband hat ein neues Projekt ins Leben gerufen: "Sicht-Wechsel". Damit sollen Haupt- und Ehrenamtler in der Kirche und auch andere Neugierige animiert werden, andere Perspektiven kennen zu lernen.

GESA VON LEESEN

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"Wir wollen den Begriff Solidarität rekultivieren", sagt Eberhard Haussmann, Geschäftsführer der Kreisdiakonie, denn die Gesellschaft drifte immer weiter auseinander. "Arme Reiche, Starke Schwache, Behinderte nicht Behinderte zwischen unterschiedlichen sozialen Milieus gibt es kaum Kontakte", sagt dazu Dekan Dieter Kaufmann. Was früher als selbstverständlich galt, wie beispielsweise das Sterben zu Hause oder Behinderte in einer Firma mit einfachsten Arbeiten zu betrauen, gebe es heute kaum noch. Eine lebenswerte Gesellschaft aber brauche Zusammenhalt.

Um den zu fördern, müsse aber zunächst gelernt werden, wie andere Menschen überhaupt leben. Wie funktioniert eine Familie mit Hartz IV? Warum werden Menschen obdachlos? Wer sich darauf einlasse, Unbekannte kennen zu lernen, könne verstehen, warum manche Menschen sind wie sie sind und dadurch auch mit ihren Schwächen und Stärken besser akzeptieren. "Wir wollen soziales Lernen ermöglichen", sagt Dieter Kaufmann.

Projektleiter Dietmar Bauer-Sohn zählt dazu erste Ideen des Kreisdiakonieverbandes auf: "Konfirmanden sollen den Alltag von Kranken kennen lernen und Azubis mit Aussiedlern in Kontakt kommen. Einzelpersonen können beispielsweise mal in einem unserer Läden arbeiten, um mit Langzeitarbeitslosen zusammenzukommen." So sollen das Miteinander gestärkt und Vorurteile abgebaut werden.

Die beiden hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Anna Bantleon und Monika Moll werden nun in den vier Kirchenkreisen Kirchheim, Esslingen, Bernhausen und Nürtingen Pilotprojekte erarbeiten. Zunächst sollen diejenigen, die sich in der Kirche engagieren, animiert werden, neue Sichtweisen einzunehmen. "Auch bei uns herrscht viel Unkenntnis über andere. Da sind wir nicht anders als der Rest der Gesellschaft", erklärt Kaufmann. "Ziel ist, in zwei bis drei Jahren ein funktionierendes Netzwerk unter unseren Einrichtungen, Gruppen und Einzelpersonen aufzubauen", erklärt er weiter. Insgesamt 200 000 Euro sind für die Arbeit veranschlagt. Zusätzlich zu Bantleon und Moll werden noch vier ehrenamtliche Helferinnen oder Helfer gesucht.

"Wir wollen keinen Aktionismus verbreiten, sondern Menschen dabei begleiten, Neues kennen zu lernen. Wenn daraus anschließend ein aktives Engagement entsteht gut. Wenn nicht, auch gut", erklärt Haussmann. Dieter Kaufmann ergänzt: "Es ist schon viel gewonnen, wenn man sich bei der nächsten dummen Stammtischdiskussion, in der es gegen Emigranten oder Arbeitslose geht, traut, den Mund aufzumachen und seine Meinung sagt."

INFOWer bei Sicht-Wechsel mitmachen will oder Informationen benötigt, kann sich an den Kreisdiakonieverband Esslingen wenden, Diakonische Bezirksstelle, Dietmar Bauer-Sohn, Lohwasen 2, 73728 Esslingen, Telefon 07 11/39 62 85 10, e-mail: d.bauer-sohn@kreisdiakonie-esslingen.de