Lokales

Netzwerk zur Integration ist geknüpft

Seit gut einem Jahr bieten der Kreisdiakonieverband Esslingen und die Caritas Fils-Neckar-Alb gemeinsam die "Migrationserstberatung" (MEB) im Landkreis Esslingen an. Dieses Beratungsangebot will Migrantinnen und Migranten beim Neuanfang in den ersten drei Jahren unterstützen und so die Integration fördern.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN "Das erste Jahr war von Aufbauarbeit geprägt", sagt Dietmar Bauer-Sonn, Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Esslingen. Die beiden Berater, Eva Veric und Pedro Diez, machten das neue Angebot bei Jobcentern, Ausländerbehörden und im Rahmen der Integrationskurse bekannt. Dies sei umso wichtiger, "weil Migranten den Weg in die Beratungsstellen oft nicht finden. Da ist ein Hinweis von anderen Stellen oft hilfreich", weiß Dietmar Bauer-Sonn.

Die entstandenen Netzwerke tragen jetzt Früchte. "Die Kooperation läuft gut", freut sich Lisa Kappes-Sassano, Leiterin des Caritas-Zentrums Esslingen. An Runden Tischen tauschen sich die an der Betreuung von Migranten Beteiligten inzwischen aus.

Die Wohlfahrtsverbände der beiden Kirchen haben aber auch schnell gemerkt, dass der Beratungsbedarf bei Zuwanderern, die schon mehr als drei Jahre in Deutschland leben, erheblich höher ist, als bei denen, die eben erst zugereist sind. "Etwa zwei Drittel der Menschen, die um Beratung nachfragen, leben schon länger hier", sagt Eva Veric. Diese Erfahrung bestätigt auch das Diakonische Werk Württemberg: Oft entstünden bestimmte Problemlagen erst mit einer längeren Aufenthaltsdauer.

Eigentlich sieht das Zuwanderungsgesetz für diese Menschen eine Beratung nur in Krisensituationen vor. Deshalb fordern Diakonie und Caritas, Integrationsarbeit als dauerhafte Aufgabe zu verstehen. Gerade die jüngsten Ereignisse an einer Schule in Berlin hätten gezeigt, "dass Beratung und Begleitung, wie wir sie anbieten, nachhaltig betrieben werden muss", sagt Dietmar Bauer-Sonn. Ob dies mit zwei halben Stellen, wie sie Eva Veric und Pedro Diez bekleiden, machbar ist, bezweifeln die Träger der MEB. "Der Bedarf wird steigen, nachdem das Angebot nun bekannt ist", vermutet Lisa Kappes-Sassano.

Ziel der MEB ist, dass Migranten ihr Leben selbstständig in die Hand nehmen können. Die Berater helfen unter anderem beim Kontakt mit Behörden, weisen auf andere Beratungs- oder Hilfsangebote hin, verdeutlichen Behördenbescheide, unterstützen bei der Wohnungssuche oder bei Fragen des Familiennachzugs.

Weil viele ihrer Schützlinge auch darüber klagen, dass sie außerhalb der Integrationskurse kaum Gelegenheit haben, die deutsche Sprache einzuüben, hat Eva Veric das "Sprach-Tandem" erdacht. Nach dem Motto "Ich helfe Dir, meine Sprache zu lernen und Du bringst mir Deine bei", will sie unterschiedliche Muttersprachler zusammenbringen zum beiderseitigen Nutzen. "Dabei lernt man nicht nur die Sprache, sondern auch viel über die Lebensweise des anderen", ist Eva Veric überzeugt.

Interessenten können sich an die Diakonische Bezirksstelle Esslingen, Telefon 07 11/39 62 85 10, wenden. Eine junge Japanerin und ein junger Türke suchen derzeit deutsche Tandem-Partner aus Ostfildern. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.kreisdiakonie-esslingen.de oder www.ev-kirche-esslingen.de.