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Neubau hinter altem Gehöft

Die Kirchheimer Autobahnmeisterei wird modernisiert – Salzhalle als „Prachtstück“

Als eine der ersten im Land ging 1937 die Autobahnmeisterei Kirchheim in Betrieb. Das historische Gehöft gilt als optisch attraktiv, aber längst nicht mehr zeitgemäß. Deshalb errichtet das Regierungspräsidium Stuttgart nun einen Neubau in zweiter Reihe – mit moderner Technik, ausgefeilter Logistik und hohen Umweltstandards.

Weithin sichtbares „Prachtstück“: Derzeit entsteht neue Salzhalle auf dem Gelände der Kircheimer Autobahnmeisterei.Foto: Jean-Lu
Weithin sichtbares „Prachtstück“: Derzeit entsteht neue Salzhalle auf dem Gelände der Kircheimer Autobahnmeisterei.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Von der Bundesstraße 465 aus ist es kaum zu übersehen: das riesige Gebäude in Holzbauweise, das hinter der Kirchheimer Autobahnmeisterei entsteht. „Das ist die neue Salzhalle“, sagt Stefan Hein, Projektleiter Hochbau beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP). Mit dem neun Meter hohen Tor, der Sole-Mischanlage und einem Fassungsvermögen von rund 2 600 Tonnen Salz entstehe dort ein echtes „Prachtstück“. Auch wenn das Salzlager aufgrund seiner Dimension optisch vermutlich das auffälligste Gebäude ist, das im Rahmen des Neubauprojekts an der Autobahnmeisterei Kirchheim entsteht – es ist längst nicht das einzige.

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Drei große Hallen und fünf Lagergebäude werden dort in zweiter Reihe erstellt. Die drei vorderen historischen Gebäude bleiben bestehen und werden modernisiert, das Verwaltungsgebäude bekommt einen modernen Anbau im hinteren Bereich. So soll der Charme des Gehöfts erhalten bleiben.

„Aktuell ist das unser größtes Bauprojekt“, ordnet Stefan Hein den Teilneubau vonseiten des RP ein. Rund acht Millionen Euro sind dafür eingeplant. Ende 2016 soll alles fertig sein. „Die lange Bauzeit resultiert daraus, dass wir während des Baus den Betrieb aufrechterhalten“, erläutert Hein. „Das ist viel anspruchsvoller als ein Neubau.“ So müssten Geräte, Fahrzeuge und Utensilien aus den bestehenden Gebäuden jeweils erst anderweitig untergebracht werden, bevor ein Gebäude abgerissen werden kann. Der erste Bauabschnitt, zu dem neben der Salzhalle auch zwei Lagergebäude gehören, soll aber schon im April dieses Jahres abgeschlossen sein.

„Die Salzhalle ist dann endlich so groß, wie wir sie brauchen“, sagt Stefan Hein. „Die alte Halle stammt aus der Zeit, als die Autobahn noch zweispurig war“, erläutert Peter Szautner, Leiter der Kirchheimer Autobahnmeisterei. Jetzt gebe es drei Spuren und einen Standstreifen. „Die Verkehrsfläche hat sich also fast verdoppelt.“

Das ist einer der Gründe, warum die Autobahnmeisterei Kirchheim dringend modernisiert werden musste. „Das Gehöft ist über Jahre gewachsen“, sagt Stefan Hein. Mittlerweile sei es einfach nicht mehr zeitgemäß: „Die Wege sind zu lang, die Abläufe nicht mehr optimal.“ Dazu kommt, dass die Laster in den vergangenen 77 Jahren größer geworden sind und längst nicht mehr in die einstige „Großfahrzeughalle“ passen. „Was früher die Großfahrzeughalle war, wird künftig als Kleinfahrzeughalle genutzt“, verdeutlicht Hein.

Damit die Abläufe künftig reibungslos klappen, sind die Lagergebäude um die neuen Hallen herum angeordnet. Die Garage für Laster und Co. steht zentral im Hof und hat auf beiden Seiten Tore. „Wenden muss man dann nicht mehr“, so Stefan Hein. „Wir durften sehr viel mitreden und mitplanen“, freut sich Meistereileiter Peter Szautner über die gute Zusammenarbeit mit dem RP. „Ich bin sehr zufrieden mit dem ganzen Konzept.“ Nicht zuletzt machen die Neubauten auch optisch etwas her: Allesamt entstehen sie in Holzbauweise und werden mit naturbelassenem Lärchenholz verkleidet.

Auf den neuesten Stand wird die Autobahnmeisterei Kirchheim auch in Sachen Umweltstandards gebracht. „Wir bauen ein sehr grünes Gehöft“, betont Stefan Hein. So werde beispielsweise künftig bei der Entwässerung getrennt. Unbedenkliches Wasser soll in eine Zisterne fließen. „Damit werden dann die Fahrzeuge gewaschen und Sole hergestellt.“

Die Sole-Mischanlage in der Salzhalle ist eine wichtige Neuerung im Rahmen des Neubaus. „Dort können wir das Salzwasser künftig selbst mischen und sind nicht mehr von Lieferanten abhängig“, begründet Stefan Hein. Benötigt wird die Sole zusätzlich zum Streusalz, weil die Körnchen allein viel zu schnell wieder von der Fahrbahn geschleudert würden. Zwei 50 000-Liter-Tanks werden in Kürze aufgestellt. Vor der Halle gibt es dann zwei Sole-Tankstellen, sodass zwei Fahrzeuge zeitgleich mit Salz und Sole befüllt werden können.

Rund sechs Meter hoch werden sich die Salzberge im Winter dann in der neuen Halle türmen. Dank des hohen Tors können die Salzlaster dann ganz unkompliziert mit abgekippter Ladefläche hinein- und wieder herausfahren. Das Volumen des Salzlagers wird mehr als doppelt so groß sein als zuvor – und das ist auch gut so, wie Peter Szautner betont: „Im Winter 2009/10 hatten wir massive Probleme mit dem Salz, weil die Lagerkapazität nicht ausgereicht hat.“ Solche Probleme gehören mit dem Neubau zumindest für die nächsten Jahrzehnte der Vergangenheit an: Künftig sollen die Vorräte für drei oder sogar vier Tage mit Streueinsätzen reichen.

Zahlen, Daten und Fakten rund um die Autobahnmeisterei Kirchheim

15 Autobahnmeistereien gibt es in Baden-Württemberg, sechs davon unterstehen dem Regierungspräsidium Stuttgart: Kirchheim, Herrenberg, Ludwigsburg, Öhringen, Heidenheim und Tauberbischofsheim. Eröffnet wurde die Kirchheimer Autobahnmeisterei im Jahr 1937 und ist damit die älteste Dienststelle im Regierungsbezirk Stuttgart. Zwischen den Jahren 2000 und 2010 war sie vorübergehend nicht eigenständig, sondern der Autobahnmeisterei Herrenberg zugeordnet. Das Kirchheimer Team betreut die A 8 auf der rund 50 Kilometer langen Strecke zwischen dem Kreuz Stuttgart und der Anschlussstelle Mühlhausen. Wird die Sechsstreifigkeit in beiden Fahrtrichtungen ebenso eingerechnet wie Nebenfahrbahnen und Rampen, ergibt sich eine Fahrbahnstrecke von 95 660 Kilometern. In die Zuständigkeit der Kirchheimer fallen damit auch die zentral wichtigen Zufahrten zu Landesflughafen und Messe. In der Kirchheimer Dienststelle sind 30 Mitarbeiter beschäftigt. Der Fuhrpark umfasst 16 Fahrzeuge, darunter Lastwagen, Mannschaftstransportwagen und ein Unimog. Im Winter werden die Laster mit Streuautomaten, Front- und Seitenpflug ausgestattet. Neben den Salzlagerkapazitäten in Kirchheim verfügt die Autobahnmeisterei über eine Salzhalle in Mühlhausen und ein provisorisches Salzzelt in Degerloch. Zugreifen können die Mitarbeiter auch auf das Salzlager in Stuttgart, das der Autobahnmeisterei Herrenberg untersteht. 7 600 Tonnen Salz und 400 000 Liter Sole verbrauchte die Kirchheimer Dienststelle im harten Winter 2009/10. Diesen Winter brachte sie bis zum jetzigen Zeitpunkt gerade mal 550 Tonnen Salz aus. Autobahnmeistereien sind für alle Aufgaben rund um die Autobahnen zuständig, von Kontrollfahrten über Streudienst, Grünpflege und Fahrbahnreinigung bis hin zu Reparaturen an Schutzplanken sowie Schildern und damit verbundenen Verwaltungs­auf­gaben.bil