Lokales

Neue Abluftreinigungsanlage

Das Wendlinger Unternehmen Erwin Behr Automotive GmbH hat beim Landratsamt in Esslingen einen Genehmigungsantrag auf Erhöhung der Produktion und gleichzeitig für die Installation einer neuen Abluftreinigungsanlage gestellt.

GABY KIEDAISCH

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WENDLINGEN Im Klartext bedeutet der Antrag, dass die Firma künftig wieder mehr am Standort Wendlingen produzieren wird und dafür gerade die notwendigen Voraussetzung auf dem Werksgelände schafft. In diesem Zuge werden auch neue Mitarbeiter benötigt. Über die genaue Zahl wollte sich Klaus Villwock, geschäftsführender Gesellschafter, allerdings nicht äußern. Während das Verfahren bei der Genehmigungsbehörde im Landratsamt noch läuft, konnte die Firma bereits vorzeitig mit dem Bau eines neuen Kamins und der Einrichtung der Abluftanlage beginnen.

Mehrere hunderttausend Euro hat die Firma Behr die Investition in eine neue Abluftreinigungsanlage gekostet. Über den genauen Betrag schweigt sich Klaus Villwock jedoch aus. Dass es zu dieser Investition überhaupt gekommen ist, hängt damit zusammen, dass Behr den Standort in Wendlingen künftig weiter ausbauen möchte. "Wir haben für diesen Standort mehrere Aufträge bekommen", so Villwock. Dazu zählen Daimler-Chrysler, VW und Audi. Villwock kann sich auch vorstellen, dass sich das Produktionsaufkommen mittelfristig noch erheblich erhöhen lässt.

Derzeit sind 160 Mitarbeiter am Standort Wendlingen beschäftigt. Mit der Produktionserhöhung werden weitere Mitarbeiter in Wendlingen benötigt. Durch die Produktionssteigerung erhöht sich allerdings auch der Verbrauch von Lacken beziehungsweise Lösemitteln. Über viele Jahre war es deswegen immer wieder zu Beanstandungen von Anwohnern gekommen, die gesundheitliche Risiken fürchten. Der Streit mündete letztlich in einer Petition, die im März letzten Jahres zugunsten der Anwohner ausgegangen war.

In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen dem Land und der Firma verpflichtete sich Behr in einem Mehrstufenplan, den Lösemittelausstoß gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz zu verringern. Dies gelang der Firma anfangs nicht gleich, und sie wurde deshalb mit einem Zwangsgeld von 25 000 Euro belegt.

Im Februar dieses Jahres schrieb das Umweltministerium an den die Anwohner in der Behrstraße vertretenden Rechtsanwalt. In diesem Schreiben war von einer "deutlichen Verminderung des Lösemitteleinsatzes" und von einer "drastischen Verringerung der Emissionen" die Rede.

Die Ursache für die Einhaltung der mit dem Land vertraglich festgelegten Vereinbarungen war jedoch nicht in technischen Verbesserungen der Lackieranlage zu finden, sondern es wurden Lackierarbeiten mit styrolhaltigen Lacken an den Behr-Standort nach Wallerstein verlegt oder in der Betriebszeit erheblich reduziert. Andere Spritzstände wurden ganz stillgelegt.

Der jetzt genehmigungspflichtige Einbau einer Abluftreinigungsanlage mit einem 25 Meter hohen Kamin ist also nach all den Jahren des Streits ein Novum und bestätigt die Äußerungen des geschäftsführenden Gesellschafters, am Standort Wendlingen festzuhalten und weiter ausbauen zu wollen. Gleichzeitig ist die Anlage erforderlich, um die Produktion am Standort höherzufahren.

Bei der vor fünf Wochen begonnenen eingebauten Anlage handelt es sich um eine Neuanlage mit Aktivkohlefiltertechnik. Derzeit wird noch an der Feinjustierung gearbeitet.

Bekenntnis zum StandortNach all dem vorausgegangenen Hickhack um die Einhaltung der Emissions-Grenzwerte ist Wolfgang Kaiser, Leiter des "Rechts- und Ordnungsamts, Wirtschaftsförderung" im Wendlinger Rathaus, froh darüber, dass Behr die Arbeitsplätze am Wendlinger Standort erhalten und sogar erweitern möchte. "Der Antrag ist ein klares Bekenntnis zum Standort Wendlingen."

So positiv sieht die Anwohnerinitiative diese Veränderungen allerdings nicht. Zwar wird von ihr die Abluftreinigungsanlage und auch die Standortsicherheit begrüßt. Dennoch steht sie der Einhaltung der erlaubten Emissionsgrenzwerte skeptisch gegenüber. In den zurückliegenden Jahren habe Behr schon viel versprochen.

Bisher war dem Unternehmen nicht mehr als 15 Tonnen Lösemittel pro Jahr erlaubt, pro Betriebsstunde sind das nicht mehr als zehn Kilogramm OPE-Harzlacke. Nach Beendigung des Genehmigungsverfahrens, das noch in diesem Jahr abgeschlossen sein dürfte, darf der Emissionswert darüber hinausgehen, aber auch den nächsten Grenzwert nicht überschreiten.

Nach Auskunft von Sabine Hennings, Leiterin des Umweltschutzamtes im Landratsamt Esslingen, muss das Unternehmen innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Genehmigung den Nachweis führen, dass es die Grenzwerte einhalte.