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Neue Beweisanträge der Verteidigung

Die Richter der vierten Großen Strafkammer, die gegen zwei Männer und eine Frau aus Polen wegen Habgier-Mordes verhandeln, sind nicht befangen. Dies stellte jetzt die Ersatzstrafkammer beim Stuttgarter Landgericht fest. Das bedeutet, dass der Mordprozess gegen die drei Polen planmäßig fortgesetzt wird und zwar am 6. Dezember. Allerdings hat die Verteidigung neue Beweisanträge gestellt.

BERND S. WINCKLER

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STUTTGART Der Befangenheitsantrag eines der drei Verteidiger gegen die Richter ist gestern als unbegründet verworfen worden. Die Befangenheit war damit begründet worden, dass der Vorsitzende Richter in einer vorläufigen Würdigung einen so genannten "rechtlichen Hinweis" gab und in Telefonaten mit den Verteidigern mögliche Strafzumessungen in Erwägung zog. Jetzt kann somit der Prozess fortgesetzt und wahrscheinlich auch zum Jahresende per Urteil abgeschlossen werden. Allerdings hat die Verteidigung gestern auf die abschlägige Befangenheits-Entscheidung nervös mit neuen Beweisanträgen reagiert.

Der Anwalt des 35-jährigen Marius K. möchte zur Entlastung seines Mandanten, der an dem Mord des Weilheimer Strickmeisters angeblich nicht beteiligt gewesen sein soll, noch vier Zeugen aus dessen polnischer Heimat anreisen und vernehmen lassen. Sie sollen bezeugen, dass K. ein friedfertiger Mensch ist und nicht aggressiv. Allein die Ladung und die Reiseformalitäten würden Wochen, wenn nicht gar Monate in Anspruch nehmen.

Mit der Vernehmung weiterer drei Zeugen von der Reitanlage unweit des Tatortes bei Weilheim, will der Verteidiger ebenfalls nachweisen, dass Marius K. damals am Tattag sehr freundlich zu allen Menschen war, bei denen er um Arbeit und um Wasser bat. Und in einem weiteren aufsehenerregenden Beweisantrag will der Anwalt noch geklärt haben, ob der Hauptangeklagte Darius S. für drei weitere Mordtaten verantwortlich ist. Dieser soll zu seinen Mitangeklagten gesagt haben, dass er die genauen Umstände über den gewaltsamen Tod dreier Frauen in Bad-Kreuznach kenne. Mittels eines DNA-Abgleichs bei den damaligen Leichen, beziehungsweise der Kleidung der Opfer, und einer Speichelprobe des Angeklagten, soll dessen mögliche Beteiligung geklärt werden, ehe man weiter verhandelt, beantragte der Verteidiger.

Sollte sich dabei herausstellen, dass S. tatsächlich bei diesen Tötungsverbrechen beteiligt war, müssten neue Ermittlungen erhoben werden. Allein der DNA-Abgleich sollte der Antrag durchgehen würde mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Angeklagte habe "Spaß am Töten". Dies soll er seinen Mitangeklagten gebeichtet haben. Schon allein an diesem Antrag könnte die Überstellung des Darius S. an die dänische Justiz zum Jahresende scheitern.Über diese Anträge wollen die Stuttgarter Richter am 6. Dezember entscheiden. Werden sie allesamt abgelehnt, dann werden die Schluss-Plädoyers gehalten. Ein Urteil könnte dann, wie geplant, am 8. Dezember verkündet werden.