Lokales

Neue Freiräume für die diakonische Arbeit

Die angespannte Finanzlage und Veränderungen im sozialen Bereich zwingen die vier evangelischen Kirchenbezirke im Kreis Esslingen Esslingen, Nürtingen, Kirchheim, Bernhausen zum Handeln: Die komplette Finanz- und Personalverantwortung der von ihnen getragenen Diakonischen Bezirksstellen werden nun dem 1987 gegründeten Kreisdiakonieverband übertragen.

ELISABETH SCHAAL

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Bei einer Pressekonferenz betonte Dekan Kaufmann, dass damit mehr Freiräume für die diakonische Arbeit gewonnen werden soll. Ob es um Personalentscheidungen, Finanzen, berufliche Qualifizierungsprojekte oder um Fachfragen etwa bei der Schuldnerberatung ging, die Kirchenbezirke bisher Träger der diakonischen Dienste im Landkreis regelten die dafür anfallenden Aufgaben bisher in eigener Regie. Nachdem diese nun dem Verband übertragen wurden, falle auch die Koordination und Kooperation untereinander leichter, betonte Dekan Kaufmann, der zum Vorsitzenden des Verbands gewählt wurde.

Zurückgehende Zuweisungen der Kostenträger und weniger Kirchensteuermittel würden effektive Arbeitsstrukturen und die Bündelung vorhandener Kräfte und Ressourcen erfordern, stellte Dekan Kaufmann fest. Allein im Kirchenbezirk Esslingen seien die Kirchensteuermittel, aus denen das Organistorische finanziert wird, in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent zurückgegangen.

Der angetrebte Spareffekt soll sich nach seinen Worten im Verwaltungsbereich der Diakonischen Bezirksstellen bemerkbar machen, nicht aber im Beratungsangebot: Mit dieser Umstrukturierung solle so viel wie möglich an Energie, Kapazität und Ressourcen freigemacht werden, um für Menschen in Not da zu sein. "Die Wartezeit von sechs bis zwölf Monaten bei der Schuldnerberatung ist einfach zu lang", machte Eberhard Haussmann gestern an einem Beispiel deutlich. Der Leiter der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim ist in Personalunion nun auch neuer Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. Dieser hat seinen Sitz von der Esslinger Küferstraße nach Kirchheim verlegt.

Mit der vorgenommenen Umstrukturierung sieht Dekan Kaufmann die diakonische Arbeit der evangelischen Kirche landkreisweit auf ein neues Fundament gestellt: Dank gebündelter sozialpolitischer Präsenz habe man an Gewicht gewonnen auch als Gegenüber des durch die Verwaltungsreform gestärkten Landkreises. Ihm war nach der Auflösung des Landeswohlfahrtsverbandes viel sozialpolitische Kompetenz übertragen worden.

Keinen Hehl machten gestern der Vorsitzende, Dekan Kaufmann und der Geschäfstführer des Kreisdiakonieverbandes, Eberhard Haussmann, daraus, dass die Abgabe von Kompetenz für die Kirchenbezirke ein schmerzlicher Prozess gewesen sei. Während der zweieinhalbjährigen Verhandlungen habe man schließlich intensive Diskussionen geführt und um Vertrauen gerungen. "Wenn man Strukturen verändern will, ist das immer ein mühsamer Prozess", zeigte der neue Geschäftsführer der Kreisdiakoniestation Verständnis für die Betroffenen. Umso zufriedener sind er und Dekan Kaufmann darüber, dass es so gut wie keine Gegenstimmen bei den Abstimmungen gegeben habe. Schließlich mussten alle Bezirkssynoden allein die Esslinger zählt 120 Mitglieder dem Vorhaben zustimmen.

Die vier Kirchenbezirke sind zuständig für 210 000 Kirchenmitglieder und 106 Kirchengemeinden. In den vier von den Kirchenbezirken getragenen Diakonischen Bezirksstellen arbeiten ungefähr 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Angeboten werden unter anderem Sozial, Lebens- und Schuldnerberatung, Betreutes Wohnen und Schwangerenberatung. Auch Gebrauchtwaren und Lebensmittelläden (Fildertafel) werden unterhalten.