Lokales

Neue Techniken fordern die Polizei

Die Computer- und Internetkriminalität erlebte mit 90 Prozent einen enormen Anstieg

Die Computer- und Internetkriminalität ist sozusagen der Renner in der Kriminalstatistik 2007, die jetzt von der Polizeidirektion Esslingen vorgelegt wurde. Eine Zuwachsrate von 90 Prozent mussten die Beamten bei den Computern verzeichnen und rund 66 Prozent beim Internet und ein Ende ist wohl noch nicht abzusehen.

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Rudolf Stäbler

Kreis Esslingen. Bei der Computerkriminalität handelt es sich um Straftaten, die mit dem Computer oder mit dem Internet begangen werden und mit denen sich die Polizei immer intensiver befassen muss. Die zu bearbeitenden Fälle stiegen um knapp 90 Prozent auf 403 an und liegen damit auf dem höchsten Stand, seit solche Straftaten bei der Polizei statistisch erfasst werden. Hierzu gehören Betrügereien mit rechtswidrig erlangten Scheckkarten, Fälle des Betrugs mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten und das Ausspähen von Computerdaten, das sogenannte Phishing.

Die unter der Rubrik Internetkriminalität erfassten Straftaten stiegen im vergangenen Jahr um 65,7 Prozent auf 893 Taten an. Hierunter werden alle Fälle erfasst, bei denen das Internet als Tatmittel verwendet wird. Dazu gehören die Verbreitung von pornografischen Schriften und Darstellungen, Betrugsdelikte im Zusammenhang mit Bestellungen bei Online-Shops, die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke über Internettauschbörsen, die Bedrohung oder Beleidigung per E-Mail oder das Vertreiben von Schadensprogrammen mittels Viren und Trojanern. Die Polizei erwartet auf diesen beiden Gebieten auch noch erhebliche Zuwachsraten. Um dagegenhalten zu können, wurden bei der Polizeidirektion Esslingen 80 Beamte besonders geschult, um schon bei der Anzeigen­erstattung den richtigen Mann vor Ort zu haben.

Insgesamt leicht angestiegen ist die Anzahl der polizeilich registrierten Straftaten im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen. Registriert wurden 25 364 Delikte, was einem Anstieg von 5,6 Prozent entspricht. Nach einem leichten Rückgang bei der Aufklärungsquote liegt diese allerdings immer noch bei 56,7 Prozent. Entscheidend für die polizeiliche Einschätzung der Sicherheitslage ist zudem neben den reinen Zahlen auch das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Dies wird von der Esslinger Polizeidirektion durchaus als gut bezeichnet.

Insgesamt 16 Tötungsdelikte und Mordfälle mussten im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen von der Kriminalpolizei bearbeitet werden, wobei es sich um zehn Versuche und sechs vollendete Taten handelte. Entsprechend dem allgemeinen Trend hat die sogenannte Gewaltkriminalität auch im Kreis zugenommen, und zwar um 6,6 Prozent auf 678 Fälle. Unter Gewaltkriminalität erfasst werden außer den Mordfällen auch Vergewaltigungen, Raubüberfälle sowie schwere Körperverletzungen. Ein starker Anstieg war auch bei den Rohheitsdelikten, zu denen insbesondere Körperverletzungen zählen, verzeichnet werden. Zu diesem Deliktbereich gehörten auch 278 Fälle sogenannter häuslicher Gewalt, was einem Gesamtanteil von knapp 14 Prozent entspricht. Die seit Juli statistisch erfassten sogenannten Stalkingfälle schlugen dabei mit 30 angezeigten Taten zu Buche. Erfreulich für Polizei und Bevölkerung, dass die klassischen Raubüberfälle um 11,2 Prozent auf 103 Fälle abnahmen.

Ein besonderes Augenmerk legt die Polizei im Kreis seit Jahren auf die Jugendkriminalität. Hierbei ist das Ziel, bereits frühzeitig durch entsprechende Prävention ein Abgleiten in die Kriminalität zu verhindern. Eine äußerst wichtige Schlüsselfunktion hierbei leisten die insgesamt 50 Jugendsachbearbeiter bei den Polizeirevieren, Posten und beim Jugenddezernat im Rahmen von Projekten, die sich speziell mit dem Entstehen von Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen befassen.

Die Rauschgiftkriminalität ist entsprechend des allgemeinen Trends auch im Landkreis zurückgegangen und zwar um 16 Prozent auf 916 Fälle. Mit 8640 Diebstahlsfällen mussten sich die Polizisten im vergangenen Jahr befassen. Nachdem insgesamt ein kleiner Rückgang zu verzeichnen war, musste allerdings auf einem Gebiet eine deutliche Steigerung festgestellt werden. Motorräder, Mofas und Leichtkrafträder führen die Hitliste bei den Dieben an.