Lokales

Neue Visitenkarte

Die Müller Weingarten AG und die Stadt Esslingen freuen sich über den ersten Spatenstich für ein Technologiezentrum. Beide Seiten werten den Startschuss im Gewerbegebiet Zell als Bekenntnis zum Standort. In die Genugtuung mischt sich im Rathaus aber die Sorge, das heutige Domizil des Konzerns könnte zur Gewerbebrache werden.

HERMANN DORN

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In wenigen Tagen räumt Michael Heinrich auf eigenen Wunsch seinen Stuhl als Vorstandsvorsitzender der Müller Weingarten AG. Bevor er den Stab an Professor Günther Langenbucher übergibt, hat er in der Röntgenstraße zum symbolischen Spatenstich gebeten. Heinrich unterstrich, wie wichtig ihm der Neubau ist. Er versteht die Investition auf dem früheren Bauhof der Stadt als doppeltes Signal. Für die Belegschaft gehe von dem Spatenstich die Botschaft aus, dass die Arbeitsplätze eine Zukunft haben. Gleichzeitig spreche die Entscheidung für den Standort. Mit einer guten Infrastruktur, der ausgezeichneten Verkehrslage, der Nähe zu den Kunden in der Automobilindustrie, Universitäten und Forschungseinrichtungen biete die Stadt enormes Potenzial.

"Aus vielerlei Gründen" sei der Neubau am Stammsitz des traditionsreichen Unternehmens am Oberesslinger Bahnhof nicht umsetzbar gewesen, meinte Heinrich. Das städtische Grundstück in der Röntgenstraße sei für die Zwecke des Konzerns ideal, merkte der scheidende Vorstandsvorsitzende an. Er bedankte sich bei Oberbürgermeister Jürgen Zieger für die Hilfe ebenso wie beim Investor, der Loxal Grundstücks-Vermietungsgesellschaft. Ein langfristiger Mietvertrag unterstreicht die wichtige Rolle, die Esslingen in den strategischen Überlegungen der Müller Weingarten AG spielt.

Esslingen bleibt Kopf des Unternehmens, das hydraulische Pressen und Druckgießanlagen herstellt und an allen Standorten insgesamt 2400 Beschäftigte zählt. In dem Esslinger Neubau mit 230 hoch qualifizierten Arbeitsplätzen fasst der Konzern die technologischen Kernkompetenzen zusammen. Dazu gehören strategisch wichtige Schlüsselfunktionen wie Vertrieb, Konstruktion, Entwicklung und Service. "Gerade der Service hat sich in der jüngsten Vergangenheit zu einem erfolgreichen und wachstumsstarken Geschäftsfeld entwickelt", so Heinrich. Esslingen mit dem Technologiezentrum sieht er als Visitenkarte. Der Standort dient als zentraler Anlaufpunkt für nationale und internationale Kunden und Partner. In der Röntgenstraße werden neue Produkte präsentiert. Außerdem schult Müller Weingarten dort Kunden und Mitarbeiter.

Zieger sprach von einem guten Tag für das Unternehmen und den Wirtschaftsstandort. Dass es gelungen ist, ein "solch innovatives Unternehmen" zu halten, freut ihn. Das neue Technologiezentrum wertet er auch als Erfolg der kommunalen Wirtschaftsförderungspolitik.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Bagger in einigen Wochen anrücken. Ende 2006 erfolgt der Umzug. Vorerst offen bleibt die Zukunft des bisherigen Stammsitzes. Die Grundstücksgesellschaft war in den vergangenen Tagen für eine Auskunft nicht zu erreichen. Im Rathaus versichert man unterdessen, man werde die Suche nach einer neuen Nutzung nach Kräften unterstützen.