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Neue Zeitrechnung am Bildungszentrum hat begonnen

Ganz im Zeichen der Schulen stand die jüngste Sitzung des Lenninger Gemeinderats. Es wird eine offene Jugendarbeit durch den Kreisjugendring am Bildungszentrum Oberlenningen geben und die Gemeinderäte verabschiedeten die Betreuungskonzeption für die Ganztagesschule, das die Kirchheimer Familienbildungsstätte umsetzt.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Es wird eine offene Jugendarbeit am Bildungszentrum Oberlenningen geben. Die Betonung "am" und nicht "im" Bildungszentrum ist Lenningens Bürgermeister Schlecht wichtig. "Wir wollen die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind und das ist nun einmal die Schule", erklärte der Schultes. Nachdem die Gemeinde im Ortsteil Brucken schlechte Erfahrungen mit einem Jugendhaus gemacht hat, will sie es mit offener Jugendarbeit versuchen, die zunächst einmal vorwiegend am Bildungszentrum angesiedelt ist. Als Partner konnte der Kreisjugendring (KJR) gewonnen werden.

Zwei 75-Prozent-Kräfte, nach Möglichkeit ein Mann und eine Frau, sollen sich um die Jugendlichen kümmern. Dies ist eine halbe Stelle mehr als geplant, was zusätzliche Kosten von 14 000 Euro verursacht, insgesamt kommt dann ein Betrag von 42 000 Euro im Jahr zusammen.

"In der Jugendarbeit haben sich gewaltige Veränderungen in den vergangenen Jahren ergeben. Ein Jugendhaus wie in Brucken gibt es heute nicht mehr", erklärte Kurt Spätling, Geschäftsführer des KJR. Sowohl Freizeitverhalten als auch Freizeitangebot hätten sich gewandelt. Es komme deshalb auf die richtige Weichenstellung bei der Jugendarbeit an. "Wie erreichen wir die Vielzahl von Cliquen in den einzelnen Ortsteilen?", sieht Kurt Spätling als eine der Aufgaben an. Die Schule sei dafür der geeignete Ort, denn außer den Gymnasiasten kann dort mit jedem Jugendlichen Kontakt geknüpft werden. Einer Zusammenarbeit sieht Kurt Spätling positiv entgegen, wenngleich im klar ist, dass dies ein Knackpunkt ist. "Mit vernünftigen Vereinbarungen zwischen Schule und uns ist das machbar. Darin wird alles geregelt, ständig überprüft und wo nötig dann auch wieder korrigiert." Schließlich gebe es Gesetze und auch ein Hausrecht, damit "keine wilden Horden von Jugendlichen" durchs Haus rasen.

Bei der Diskussion war die Sorge bei einigen Gemeinderäten herauszuhören, dass sich ein Problempunkt ähnlich wie in Brucken bilden könnte, dass eben keine Ruhe herrscht, erst recht in den Abendstunden, wenn kein KJR-Mitarbeiter mehr da ist. "Das ist ohne Frage ein ganz heikler Punkt", ist sich auch Kurt Spätling im Klaren. Mit Angeboten, wo "nicht rumgesessen" wird, will er dem entgegenwirken. Drei Standbeine hat sein Projekt: Zum einen Angebote, an denen eine bestimmte Anzahl von Jugendlichen verlässlich betreut wird, dann Projekte, die unter dem Titel Theater oder Zirkus stehen und über ein halbes Jahr gehen sowie offene Angebote nach den Prinzipien des KJR ohne Anwesenheitspflicht.

Dies alles richtet sich an Schüler, die außerhalb der Unterrichtszeit an der Schule bleiben wollen. Ihnen soll damit eine Alternative geschaffen werden. Das Programm soll nicht starr sein, sondern je nach Nachfrage angepasst werden. "Bei der gigantisch großen Zahl von Schülern wird keiner meiner Mitarbeiter Däumchen drehen", verspricht er. Für jedes Schuljahr werde die Arbeit genau genannt und transparent sein. "Mein Traum ist es, dass das Schulzentrum zum gemeinsamen Zentrum wird", wünscht sich Kurt Spätling.

BetreuungskonzeptionKaum hatte der Gemeinderat bei zwei Enthaltungen der offenen Jugendarbeit am Bildungszentrum samt der Erhöhung der Personalstellen zugestimmt, als es auch schon um die Betreuungskonzeption der Ganztagesschule am Bildungszentrum ging. "Wir haben schon oft diskutiert, dass es sich dabei nicht um Aufbewahrung, sondern um eine Betreuung mit pädagogischem Anspruch handeln soll", sagte Michael Schlecht. Personell ist Lenningen damit an seine Grenzen gestoßen, weshalb man über den Tellerrand geblickt habe und eine Anregung in Kirchheim gefunden habe. Dort übernimmt die Familien-Bildungsstätte (FBS) die außerunterrichtliche Betreuung. "Ich rede jedoch von einem Lenninger Modell, denn wir haben andere Interessen als die Kirchheimer Schulen", stellte der Schultes klar. Er erhofft sich dadurch aber Synergieeffekte.

Gleichzeitig muss seiner Ansicht nach auch klar sein, dass es sich dabei um keinen Selbstläufer handelt. "Dies ist ein Dauerthema, das nicht nur vier Leute an einem kleinen Tisch diskutieren", zeigte er die Dimensionen auf. Sämtliche Beteiligte seien in diese Aufgabe eingebunden, egal ob Eltern, Jugendliche, Schule oder Gemeinderat. Ein Anfang ist schon gemacht und stößt auf große Zustimmung im Ratsrund: Die Eltern betreiben die Mensa.

"Es lohnt sich, sehr genau und früh ein Modell für Lenningen zu entwickeln", so die Einschätzung von Christoph Tangl, Leiter der FBS. Seiner Ansicht nach entsteht vor allem zwischen 12 und 15 Uhr ein Betreuungsbedarf. Die Lücke zwischen Schule, beziehungsweise Mittagessen und der offenen Jugendarbeit will die FBS schließen. Neben der Hausaufgabenhilfe soll es für die Kinder und Jugendlichen Sport, Kreativ- oder Entspannungsangebote geben. Dafür werden zwei oder drei Pädagogen angestellt. Christoph Tangl rechnet, dass zwischen 40 und 50 Kinder dieses Angebot im Schuljahr 2007/2008 wahrnehmen.

Die Kritik seitens einiger Gemeinderäte, dass bezüglich "fremden Personals" nicht mit offenen Karten gespielt wurde, ließ Michael Schlecht nicht gelten. "Die zusätzliche Betreuung ist so oder so Kostenfaktor für die Gemeinde egal, ob mit eigenem zusätzlichem Personal oder externem. Bei der FBS liegt diese Aufgabe in guten Händen", so der Schultes. Zudem sei auch ehrenamtliche Tätigkeit mit Kosten verbunden, denn auch hier gebe es eine Aufwandsentschädigung. Entscheidend für ihn waren die laufenden Kosten. "Für nahezu gleiches Geld bekommen wir einen kompetenten Dritten", warb er für die FBS.

Für Erich Merkle, Rektor der Grund- und Hauptschule Oberlenningen, ist die Verlässlichkeit ein wichtiger Faktor. Dank vieler und intensiver Gespräche hätten in der Vergangenheit viele Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Sprachförderung oder eine Kegelgruppe angeboten werden können, die allesamt die Gemeinde nichts gekostet hätten. "Die Verlässlichkeit ist jedoch schwierig. Wenn sich beispielsweise jemand beruflich verändert, gibt es dieses Angebot nicht mehr und dann haben wir ein Problem", verdeutlichte er. Mit der FBS habe man dagegen einen Partner an der Hand, der auch bei einem Krankheitsfall für Ersatz sorge.

Die Kernaufgaben in kompetente Hände zu geben schließt seiner Ansicht nach nicht aus, dass sich Ehrenamtliche, seien es Vereine oder Privatpersonen, ebenfalls mit Projekten engagieren. So hat Erich Merkle beispielsweise schon Kontakte mit der Musikschule geknüpft.

"Wir haben alle ein Interesse daran, dass das Betreuungskonzept eine Erfolgsstory wird. Dieser Prozess ist nicht statisch sondern progressiv und wir werden uns noch einige Male in der Sache streiten", ist Michael Schlecht überzeugt. Deshalb sei mit der Diskussion auch beizeiten angefangen worden. "Wir haben ein ganzes Schuljahr, um die Richtung vorzugeben oder sie gegebenenfalls auch wieder zu ändern und mit der FBS einen zuverlässigen und kompetenten Partner", warb er nochmals für das Konzept, dem schließlich einstimmig zugestimmt wurde.