Lokales

Neuer Job – neues Selbstvertrauen

Das Kirchheimer Job-Café ist eine offene Anlaufstelle für Erwerbslose und Arbeitsuchende

Eine Stelle suchen, Bewerbungen schreiben, Absagen erhalten – in diesem Kreislauf gibt es viele Enttäuschungen. Ein offenes Angebot der Diakonie in Kirchheim hilft, trotz solcher Enttäuschungen nach vorne zu blicken und sich nicht entmutigen zu lassen: das Job-Café.

Andreas Volz

Kirchheim. Ziel der Arbeit im Job-Café im Kirchheimer Eckpunkt – an der Ecke Alleenstraße / Hindenburgstraße – ist es, Erwerbslose zu beraten und sie bei der Stellensuche sowie beim Schreiben von Bewerbungen zu unterstützen. Zu diesem Zweck stehen vier PC-Arbeitsplätze zur Verfügung. Wer auf der Suche nach einer Stelle ist, kann im Job-Café an drei Tagen in der Woche nach Angeboten im Internet forschen und Bewerbungsunterlagen erstellen. Wer sich mit dem Computer nicht richtig auskennt, dem steht das Mitarbeiterteam mit Rat und Tat zur Seite.

Ilka Babel, Mitarbeiterin im Bereich „Job-Kontakt“ des Kreisdiakonieverbands Esslingen am Standort Kirchheim, betont, dass die Betreuung im Job-Café ganz individuell erfolgt. „Das Job-Café ist für jeden offen, der in irgendeiner Form eine Stelle sucht.“ Die Hilfe am und mit dem PC oder bei der Formulierung von Bewerbungsschreiben und Lebenslauf ist aber nur ein Teil der Hilfe, die das Job-Café zu bieten hat. Unter dem Motto „Zuerst der Mensch“ geht es zunächst einmal darum, den Menschen wieder Mut zu machen. „Viele verlieren immer mehr an Selbstvertrauen, sodass sie auch ihre eigenen Fähigkeiten nicht mehr richtig einschätzen können“, erzählt Ilka Babel.

Für ihren Kollegen Klaus Konzelmann ist es jedes Mal spannend, wenn neue Menschen im Kirchheimer Job-Café auftauchen: „Wenn die Tür aufgeht, weiß man nicht, was einen erwartet.“ Durch die individuelle Situation fällt auch die Beratung sehr unterschiedlich aus. Aber in aller Regel daure es eine gewisse Zeit, „bis man dann tatsächlich an die Bewerbungsunterlagen gehen kann“.

Dass es – wie bei jedem Angebot – erst einmal eine Hemmschwelle für diejenigen zu überwinden gilt, die es nutzen sollen, ist auch den Verantwortlichen deutlich bewusst. Umso mehr freut sich Katrin Hogh, die als Fachbereichsleiterin für die Beschäftigungsprojekte an allen vier Standorten des Kreisdiakonieverbands Esslingen zuständig ist, dass die Räumlichkeiten im Eckpunkt so vielfältig genutzt werden: Im Lauf einer normalen Woche kommen die unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen in den Eckpunkt – zum Mittagstisch, zum Buschcafé, zum Café T für Trauernde oder eben auch zum Job-Café.

„Die Räumlichkeiten hier ermöglichen einen niederschwelligen Zugang“, meint Katrin Hogh, „man muss nicht erst zweimal klingeln und dann auch noch nach oben in den zweiten Stock gehen.“ Vielmehr ist das Kirchheimer Job-Café sowohl ebenerdig zu erreichen als auch von außen einsehbar – und doch liegt es ein wenig abseits im Hinterhof, sodass niemand von der Straße aus sehen kann, wer sich da gerade beraten lässt.

Die Menschen, die sich im Job-Café einfinden, haben oft – wenn auch nicht grundsätzlich – eines gemeinsam, wie Ilka Babel berichtet: „Vorwiegend sind es Menschen mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss.“ Häufig gehe es deshalb um Bewerbungen für Hilfstätigkeiten. Vieles läuft auf diesem Sektor über Zeitarbeitsfirmen, die eine entsprechend hohe Flexibilität einfordern. Viele Erwerbslose haben somit denkbar schlechte Ausgangspositionen. „Ohne eigenes Auto ist fast keine Schichtarbeit möglich“, stellt Ilka Babel fest. Mit Bussen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln sind Firmen außerhalb des eigenen Wohnorts oft kaum zu erreichen. Ilka Babel: „Ein Auto wäre fast schon eine Garantie für eine Stelle.“

Oft reicht es aber noch nicht einmal aus, sollte ein Betroffener tatsächlich die lange begehrte Stelle erhalten. Katrin Hogh kennt viele Fälle, in denen Menschen trotz eines Vollzeitjobs auf zusätzliche Unterstützung durch Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Der Verdienst bei diesen Tätigkeiten genügt häufig nicht, um eine Familie davon zu ernähren.

Wer sich ehrenamtlich im Job-Café engagieren möchte, um Erwerbslosen bei der Stellensuche und bei der Bewerbung zu helfen, kann sich bei Ilka Babel oder bei Klaus Konzelmann unter der Telefonnummer 0 70 21/9 20 92 28 melden. Voraussetzungen für eine ehrenamtliche Mitarbeit sind PC-Kenntnisse, Freude am Umgang mit Menschen und die Bereitschaft, regelmäßig eine der Betreuungszeiten zu übernehmen. Dabei wird natürlich niemand alleingelassen. Das hauptamtliche Team steht den Ehrenamtlichen beratend zur Seite, bietet Schulungen an oder organisiert Treffen mit den „Kollegen“ der anderen drei Standorte im Kreis Esslingen: Nürtingen, Esslingen und Bernhausen.

Der tatsächliche „Arbeitsaufwand“ lässt sich bei diesem offenen Angebot nicht vorhersagen. Jens Block, der sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs im Kirchheimer Job-Café engagiert, berichtet von seiner Erfahrung: „An manchen Tagen sind alle PCs in Benutzung, an anderen Tagen kommt niemand.“ Die Beratungsstelle muss allerdings in beiden Fällen flexibel reagieren können.

Die Öffnungszeiten des Kirchheimer Job-Cafés im Eckpunkt an der Ecke Alleenstraße / Hindenburgstraße sind montags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie freitags von 10 bis 14 Uhr.

Anzeige