Lokales

Neuer Schwung für den Alltag

Kirchheim. „Heute bin ich richtig gern gekommen“, meint der erste Gast strahlend. Das will was heißen: Schließlich überzeugt dieser Tag

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irene strifler

nicht nur als toller Wintersamstag, zudem spielt auch noch der VfB zu Hause gegen Bayern. Doch im Gemeindehaus Sankt Ulrich steigt ein attraktives Kontrastprogramm. Es handelt sich um ein Treffen von „fit4family“. Mehrere Elternpaare sitzen mit Projektleiterin Silke Hoffmann zusammen. Nach Wunsch der Eltern soll es an diesem Tag um das Zusammenleben in der Familie gehen. Zunächst haben die Eltern eine Stunde für sich, der Nachwuchs wird im Kindergarten Sankt Gabriel betreut. Danach geht es gemeinsam weiter.

Die Gründe, weswegen sich die jungen Eltern treffen, sind vielschichtig. In einer Familie gibt es beispielsweise drei Kinder unter zehn Jahren. „Da sind wir dankbar für Tipps, wie das Zusammenleben reibungslos funktionieren kann und trotzdem kei­ner das Gefühl hat, zu kurz zu kommen“, sagt die Mutter. Ebenso ergeht es einem Paar, dessen Kinder einen großen Altersunterschied von fast zehn Jahren aufweisen.

Bei anderen wiederum stellen sich ganz andere Probleme. Da gibt es zum Beispiel eine Familie, deren Kinder recht flott nacheinander auf die Welt gekommen und beide noch unter drei sind. „Da kommt man schnell ganz schön ins Schwitzen“, berichten die Eltern vom durchaus anstrengenden Alltag. Ein Paar mit zwei Kindergartenkindern wiederum ist dankbar für Hinweise darauf, was dem einen Kind schon abverlangt werden kann und dem anderen eben noch nicht. Besonders das Thema „Regeln“ hat ihnen weitergeholfen.

So unterschiedlich die Ausgangspositionen, so einig sind sich die Anwesenden über den Wert des regelmäßigen Austausches: „Man lernt nie aus, auch als Eltern“, spricht ein Vater allen aus dem Herzen. Dass dies ein Mann sagt, gibt der Aussage besonderes Gewicht. In fast allen Fällen geht nämlich die Initiative für das Seminar von den Frauen aus.

Doch die Väter sind eifrig bei der Sache, als Silke Hoffmann das Thema Rituale näher beleuchtet. „Rituale geben Halt, schaffen Orientierung und sorgen für ein Gemeinschaftsgefühl“, erläutert sie. Alle in der Runde kennen solche Rituale aus der eige­nen Familie: Der Abschiedskuss am Bahnhof, die Geschichte zum Einschlafen und vieles andere mehr. „Rituale müssen persönlich stimmen und zur jeweiligen Lebenssituation passen“, warnt Hoffmann. Klar: Während sich der Erstklässler vor dem Schulhaus gerne von Mama nochmal herzhaft drücken lässt, ist dem Teenager jede Berührung peinlich.

Interessante Aspekte werden aus der Runde in die Diskussion eingeworfen. So merkt ein Vater an, dass Rituale auch zu Festgefahrenheit führen könne. Einengende Wirkung von Ritualen ist vielen vertraut. Etliche kennen die Situation, abends das Haus verlassen zu wollen. Der Babysitter steht bereit, der Abschied rückt näher, aber der Nachwuchs weigert sich eisern, auf die Gutenachtgeschichte von Papa zu verzichten. Schnell ist man sich einig: Keine Regel ohne Ausnahme. Auch Abwechslung kann zum Ritual werden.

Was die Gruppe besonders interes­siert, sind Paar-Rituale. „Ziel muss sein, in der Familie nicht als Paar un­terzugehen, sondern auch Zeiten für sich zu zweit zu finden“, erläutert Silke Hoffmann. Gefeiert werden können Jahrestage oder andere Anlässe. „Das bringt Schwung in den eingefahrenen Trott“, sind sich alle einig. Gemeinsame Wochenenden etwa können „Tankstellen“ sein, die dabei helfen, die eigenen Akkus wieder aufzufüllen.

Doch es geht auch einfacher. Für eine Mutter dient ein Stündchen lesen oder Musik hören schon als Tankstelle, eine andere erholt sich beim Treff mit der kinderlosen Freundin oder beim Stadtbummel ganz ohne Begleitung. „Allein-sein gewinnt eine andere Bedeutung, sobald man Kinder hat“, betont eine der Frauen und erntet zustimmendes Nicken. Einfach mal die Ruhe genießen, das scheint allen reizvoll. Ins Kreuzfeuer der Kritik begibt sich ein Vater mit dem Einwurf, für ihn stelle sein Ar­beitsplatz eine „Tankstelle“ dar. Verstärkung bekommt er allerdings umgehend von seinem Gegenüber.

Alles in allem hatte Silke Hoffmann noch einen guten Tipp parat: Einfach im Gespräch mal anknüpfen an alle die Dinge, die gut laufen. Auch das könne helfen, wieder Kraft zu tanken. Alle stimmen überein, dass man auf das Schlechte ohnehin ständig schaue. Gerade das ist übrigens ein wichtiges Anliegen von „fit4family“: Mütter und Väter in ihrer Erziehungskompetenz bestärken und so vorhandene Ressourcen zu nutzen.

Die Elternschule „fit4family“, die die katholische Gesamtkirchengemeinde ins Leben gerufen hat, zählt zu den drei Projekten, die dieses Jahr unter dem Dach der Teckboten-Weihnachtsaktion stehen. Informationen zu diesem Einzelprojekt gibt es bei den katholischen Pfarrämtern, etwa bei Sankt Ulrich unter der Telefonnummer 0 70 21/92 14 10 oder unter pfarramt@sanktulrich.de. Spenden für die Weihnachtsaktion können an folgende Konten gerichtet werden: