Lokales

Neuer Steinbruch in Holzmaden rückt näher

Seit vier Jahren plant die Gemeinde Holzmaden nun schon, neben dem alten Steinbruch für Fossiliensammler einen neuen Steinbruch anzulegen. Nun scheinen alle Hindernisse aus dem Weg geräumt zu sein.

ALEXANDER KAPPEN

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HOLZMADEN "Der Antrag geht in den nächsten Tagen dem Esslinger Landratsamt zu", verspricht Holger Nussbaumer, Hauptamtsleiter der Stadt Weilheim. Bei dem Antrag handelt es sich um eine von der Holzmadener Gemeinde gewünschte Änderung des Flächennutzungsplans hinsichtlich des Nebengeländes des bestehenden Schieferbruches am Holzmadener Frauenholz-Wald.

Bereits seit dem Jahr 2001 laufen die Planungen, neben dem von der Holzmadener Firma Gotthilf Fischer GmbH genutzten Schieferbruch einen weiteren 6000 Quadratmeter großen, rechteckigen Steinbruch anzulegen. Dort soll ein Schieferbruch für Sammler entstehen, geht es nach dem Holzmadener Urweltmuseum Hauff. Die Schiefervorräte des alten Steinbruches würden nur mittelfristig ausreichen, war die betreibende Firma Gotthilf Fischer überzeugt und stellte wie auch der eingetragene Verein Urweltsteinbruch Fischer ebenso ein Gesuch auf Nutzung. Mittlerweile haben die beiden letztgenannten Interessenten aber ihren Antrag zurückgezogen.

Der Holzmadener Gemeinderat stimmte im Jahr 2004 einer Änderung des Flächennutzungsplanes zu und besprach sich anschließend mit der Stadt Weilheim. Bisher wird die der Gemeinde Holzmaden gehörende betreffende Fläche westlich des Schieferbruches landwirtschaftlich genutzt und ist verpachtet. Der Gemeinderat möchte in die Änderung auch eine spätere mögliche Nutzung durch das benachbarte westlich gelegene Gewerbegebiet Zeller Straße aufnehmen.

In den vergangenen Jahren gab es einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Da die Vogelart "Neuntöter" nahe des existierenden Schieferbruches brütet, ist das Gelände neben dem neu geplanten Steinbruch als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. In einem umfangreichen, rund 1500 Euro teuren Gutachten wurde Ende 2007 von Experten ausgeschlossen, dass das Vorhaben "Steinbruch am Wald" das Vogelschutzgebiet beeinträchtige. Grünes Licht also für die Pläne der Holzmadener Gemeinde, könnte man meinen. In der jüngsten Holzmadener Gemeinderatssitzung am Montag, 28. Januar, gab es aber einige Diskussionen um die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes.

Steinbruch "wäre Gold wert""Ist im Gebiet des geplanten Lehrsteinbruches wirklich genug Schiefer vorhanden, sodass sich das Schürfen lohnt?", fragte zum Beispiel Gemeinderatsmitglied Rainer Stephan und stellte sich quer. Er stellte den Antrag, das betreffende Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes vorerst zu stoppen. Zuerst solle man mithilfe einer rund 1600 Euro teuren Schürfgrube nahe des anvisierten Geländes nachprüfen lassen, ob dort wirklich genug Schiefergestein vorhanden ist oder ob das Fossilien enthaltende Gestein bereits in früheren Zeiten abgetragen wurde.

Nachdem in die Gemeinderatssitzung am Montag geladene, fachkundige Holzmadener Bürger einstimmig verneinten, dass am Ort des geplanten neuen Steinbruchs bereits Schiefer abgetragen worden sei, lehnte der Gemeinderat den Antrag von Stephan mit drei zu sechs Stimmen ab. Auch der Holzmadener Bürgermeister Jürgen Riehle stimmte dagegen. "Es ist unwirtschaftlich, den sich seit Langem hinziehenden Antrag zur Flächennutzungs-Änderung jetzt zu stoppen", sagte Riehle, der sich vom neuen Steinbruch auch einen vermehrten Touristenzuspruch für Holzmaden verspricht.

Stattdessen stimmte der gemeinsame Ausschuss der Verwaltungs-Gemeinschaft Weilheim in seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Dienstag dem Antrag des Holzmadener Gemeinderates auf Flächennutzungsplan-Änderung einstimmig zu. Falls das Landratsamt Esslingen nun demnächst grünes Licht gibt, kann dann endlich gebaggert und wohl bald auch verstärkt nach Fossilien geschürft werden.

Rolf-Bernhard Hauff, Inhaber des Urweltmuseums Hauffs, will an seinen Plänen festhalten: "Die gesamte zeitliche Schichtabfolge der Posidonien-Schiefer ist auf der betreffenden Fläche des geplanten neuen Steinbruches im Gegensatz zu unserem existierenden Lehrsteinbruch vorhanden. Für Wissenschaftler, Fossiliensammler wie auch für die Schüler wäre dies Gold wert."