Lokales

Neues Angriffsziel der Liberalen

Mit geschwellter Brust gehen die Liberalen in den anstehenden Landtagswahlkampf. Beim Neujahrsempfang der Kreis-FDP in der Echterdinger Zehntscheuer gab Spitzenkandidat Ulrich Goll schon an, wohin die Reise gehen wird: Auf Distanz zur CDU und hin zu einem klaren liberalen Profil.

TOBIAS DORFER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Zwischen die beiden passt so scheint es kein Blatt Papier. In demonstrativer Einigkeit traten Ulrich Goll, Spitzenkandidat der FDP im Landtagswahlkampf, und Ulrich Noll, Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Stuttgarter Landtag, beim Neujahrsempfang vor die Basis. Und das nicht nur, weil die beiden Politiker außer einem Buchstaben im Nachnamen nicht viel unterscheidet. Grund für die Harmonie sind die jüngsten Erfolge bei der Bundestagswahl im September, und diese Euphoriewelle wollen Noll und Goll in den Landtagswahlkampf mitnehmen möglichst lange zumindest.

Denn beim näheren Hinschauen scheinen sich die Chancen für die Liberalen zu schmälern. Ministerpräsident Günter Oettinger liebäugelt mit einer Schwarz-Grünen Koalition, und zudem fehlt der FDP nach dem Rücktritt des schillernden Ex-Wirtschaftsministers Walter Döring ein Zugpferd. Dieses Vakuum will eine Troika, bestehend aus Wirtschaftsminister Ernst Pfister sowie dem Duo Noll und Goll, füllen. Die Personen stehen dabei eher weniger im Vordergrund. Sachthemen sind wieder oben auf der Agenda und neuerdings auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Koalitionspartner.

Mit der CDU gingen die Redner auf dem Neujahrsempfang nicht gerade zimperlich um. Der Kreisvorsitzende Ulrich Fehrlen hatte sich gleich zwei Unionspolitiker als Zielscheibe ausgesucht. Gegen Ministerpräsident Oettinger, der den "staatlichen Eingriff auf die Erziehung" verstärken wolle, forderte er ein "liberales Gegengewicht". Und auch die Pläne von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, Bundeswehrstreitkräfte im Inneren einzusetzen, bekamen von Fehrlen eine deutliche Absage. Justizminister Ulrich Goll kritisierte seinen Kabinettskollegen, Innenminister Heribert Rech (CDU), der Telefon- und Internetdaten ein Jahr lang speichern wolle.

Lieber setzen die Liberalen auf ihre Lieblingsthemen: Bürokratieabbau, weniger Hürden für den Mittelstand und mehr Eigenverantwortung bei der Gesundheitsversorgung. Denn, so Ulrich Noll, die Verantwortung für Glück und Gesundheit liege nicht bei den Parteien, sondern bei den Menschen selbst.

Trotz aller Kritik an der CDU: Die Liberalen haben eingesehen, dass es ohne die Unionschristen nicht gehen wird mit der Macht im Ländle. Liberale Ziele könne man "nur in einer Koalition mit der CDU verwirklichen", meinte Ulrich Goll.