Lokales

Neuigkeiten aus der Grenzstadt zum Outback

NEUFFEN "Neuneinhalb (Kehr-) Wochen" und keine Kim Basinger weit und breit Schwabenschicksal aber Michael Klink, wie der "LinkMichel" im wirklichen Leben heißt, hat es angenommen. Wie man gleich

Anzeige

HEINZ BÖHLER

zweimal im ausverkauften Neuffener Zehntkeller beobachten konnte, wurde dieser Schicksalsschlag in seinem neuen Programm aber erfolgreich selbsttherapeutisch verarbeitet.

Zwei Stunden harten Trainings der Bauch- und Gesichtsmuskulatur liegen hinter den Besuchern, wenn sich der metaphorische Vorhang für die beiden Michels senkt einen wirklichen gibt es im Neuffener Zehntkeller nämlich nicht. Nach der Show gehen gleich zwei Michels von der Bühne. Pianist Michael Buck sorgt schließlich bei Michael Klinks Programm für den musikalischen Bereich.

Wenn der Vorhang gefallen ist, ist zwar die Welt noch nicht gerettet, aber es ist schließlich weit nach 20 Uhr und "do brauchsch eigentlich nemme drmit afanga, weil des ziagt sich no scho a bissle", aber erzählend hat der mittelgroße Blonde mit der Schiebermütze endlich jenes Trauma bewältigt, das die Mathestunden des Lehrers Müller bei ihm angerichtet hatten.

Mit "Little-Roger" hat er ein neues Opfer für seine hingebungsvolle Kinderliebe entdeckt: "Kann des sei, dass du dr englische Rüdiger bisch?" Den Under-Putin nennt er "Schutzgaserpresser", die Stromversorger "Mafia", Angela Merkel sieht er als die kommende Chefin des Medellin-Kartells und Ulla Schmidt attestiert er einen 30-jährigen Schnupfen. Aber am liebsten hat er den Stoiber, den "bayrischen Rhetorik-Transrapid", der in Brüssel als Erstes für eine Selbstmordwelle unter den Dolmetschern sorgt: "Das ist doch nicht übersetzbar, nicht mal ins Deutsche".

Jede Pointe sitzt: Für die eine hebt er die Stimme zum zwischen empört und erstaunt klingenden Protestschrei, die andere wirkt unausgesprochen: ein Halbsatz reicht, den die Zuhörer zu Ende denken.

Neuffen hat was, vor allem was von einer Grenzstadt. Kurz vor der Ortseinfahrt nach Hülben liegt Neuffen hart an der Grenze zum schwäbischen Outback. Kein Wunder, dass der Drang seiner Bewohner groß ist, sich von den Menschen, die jenseits dieser Grenze ihr Dasein fristen, abzusetzen, sie zu frotzeln und herabzusetzen, wo immer es geht.

Auch der "LinkMichel" kann dieser Versuchung nicht widerstehen, sucht aber offenbar dennoch den Kontakt, denn wo sonst sollte ein Neuffener Zuflucht finden, wenn die Erderwärmung Hülben zum Strandbad umwidmet? Ein Tieflader mit 800 Strandkörben habe bereits die Ortsdurchfahrt Neuffen passiert und Michael Buck seine Ausbildung zum Rettungsschwimmer erfolgreich beendet.

Eine Vision des Kabarettisten sieht den Dialog zweier Angestellter der frisch gegründeten Firma "Buck-Watch" folgendermaßen ablaufen: "Du Hermann, ko des sei, dass do vorna oiner versauft?" (Pause) "Ha jo, des ko scho sei." (Pause) "Ha, sott ma dem no et helfa?" (Pause) "Ha noi, en dr Regel ganget se von olloi onder". Dialog beendet das Publikum tobt.

Immer wieder beliebte Ziele seiner Spottlust sind Lehrer und Angehörige der Landes-SPD, was sich häufig nicht gegenseitig ausschließt: Lehrer, meint er, sei doch der schwerste Job überhaupt, "deshalb ko en au koiner . . .". Mitglied der Landes-SPD zu sein, habe dagegen schon etwas Masochistisches an sich, wie der Erfolg einer Ute Vogt in der Disziplin "Stimmenverluste" deutlich mache.

Gemeinsam brachten dann die beiden Mitglieder des Unternehmens LinkMichel auch noch ein paar alte und neue Lieder hinter sich und unters Volk, die mit Weihnachten nur so viel zu tun hatten, als es im "Nosahoorschneider" um Geschenke geht und Bobby Salzers "E-Hau" ein schön vorweihnachtliches Blinken von sich gab.

Zum Schluss verteilte der Star des Abends noch Bonbons in Form von Dankesworten an seine Mitstreiter, wobei sich in jedem ein Tröpfchen Galle versteckt hatte. Am schwersten jedoch fiel dem Neuffener Kabarettisten Michael Klink alias "LinkMichel" der Abschied von seinem langjährigen Partner Michael Buck, der künftig andere berufliche Wege gehe. Ob damit wohl der Aufbau der Rettungsschwimmergruppe Buck-Watch gemeint war?