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"Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen"

Mit der Natur in sämtlichen Variationen durfte sich der Lenninger Gemeinderat in den vergangenen Monaten gleich mehrfach befassen. Neben der Nachmeldung von Vogelschutzgebieten ging es in der jüngsten Sitzung auch um einen möglichen freiwilligen Beitritt zum Biosphären-Reservat "Truppenübungsplatz Münsingen und Umgebung".

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Gleich bei zwei Tagesordnungspunkten setzte sich der Lenninger Gemeinderat mit Naturschutzthemen auseinander. Während die Vogelschutzgebiete auf Grund EU-Recht umgesetzt werden müssen, ist der Beitritt zum geplanten Biosphären-Reservat "Truppenübungsplatz Münsingen und Umgebung" unter Einbeziehung von Lenninger Markungsflächen freiwillig. Die Sorge des Lenninger Gemeinderats war, wie restriktiv das Biosphären-Reservat gehandhabt wird. "Es wurde mir mehrfach versichert, dass die Richtlinien nicht strenger sind als bei einem Naturschutzgebiet", gab Bürgermeister Schlecht Entwarnung. Deshalb spricht aus seiner Sicht auch nichts gegen einen Beitritt. "Der Albtrauf ist in unserem Fall entscheidend. Da dort sowieso schon Schutzgebiete bestehen, hat es keine weiteren Auswirkungen", erklärte er.

Der Schultes hält nichts davon, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ihm erscheint im Gegensatz zu dem Vogelschutzgebiet der landkreisübergreifende Verbund als eine sinnvolle Maßnahme. Die UNESCO weist weltweit Biosphären-Reservate im Rahmen des Programms "Mensch und Biosphäre" zum Schutz typischer Kultlandschaften aus. Dabei geht es beispielsweise um den Schutz von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt.

"Es ist davon auszugehen, dass für die Pflege der Natur immer weniger Geld vom Land zur Verfügung gestellt wird. Dieses Geld wird punktgenau verteilt und hauptsächlich in dieses Reservat fließen", ist Michael Schlecht überzeugt. Die Pflege der Kulturlandschaft gehe immer mehr in die öffentliche Hand über, weil von privater Seite immer weniger auf Äckern und Wiesen gearbeitet wird. Der Schultes erinnerte auch an das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, an dessen Finanzierung sich das Land nicht unwesentlich beteiligt. "Diese Einrichtung ist wichtig. Wir sollten deshalb nicht das Risiko eingehen, uns dem Biosphären-Reservat zu verschließen es könnte irgendwann nicht mehr bei uns stehen oder wir müssten uns finanziell daran weitaus mehr beteiligen", warb der Schultes für den Beitritt.

Dieter Beuttel legte großen Wert darauf, dass "Lenningen nicht zu stark ins Boot reinspringt". Er will noch keinem endgültigen Beitritt zustimmen, diesen jedoch andeuten. Karl Boßler hakte wegen der drei Zonen nach. Innerhalb des Biosphären-Reservats wird unterschieden zwischen Kern-, Pflege- und Entwicklungszone. Die Kernzonen sind in der Regel von jeglicher Nutzung ausgeschlossen. In den angrenzenden Pflegezonen ist eine schonende und naturnahe Landnutzung erlaubt und in den Entwicklungszonen ist eine nachhaltige Bewirtschaftung vorgesehen.

"Nach derzeitigem Stand werden unsere bestehenden Schutzgebiete Pflegezone, die restlichen Gebiete Entwicklungszone. Der Bannwald im Donntal wird eins zu eins als Kernzone übernommen", erklärte Michael Schlecht. Vereinfacht gesagt: Auf Lenninger Markung wird die Alb Pflegezone, der Rest Entwicklungszone mit Ausnahme des Donntals.

"Mir reicht's langsam", stellte Kurt Hiller klar. Ihm wird es zuviel mit den zig Schutzgebieten, die teilweise übereinandergestülpt werden. "Mit der Oase der Ruhe hat es angefangen, mittlerweile sind wir in acht Instanzen geschützt", sagte er und erinnerte an die Fallleitung von Schopfloch nach Gutenberg, "die wegen Schmetterlingen nur im Winter gebaut werden durfte und deshalb um einiges teurer geworden ist".

Georg Zwingmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Klimakatastrophen in den vergangenen Jahren auffällig zugenommen haben. "Wir sollten die Erde verantwortlich nutzen, damit auch nachfolgende Generationen was von ihr haben", sagte er. Lenningen habe bereits erkannt, wie wichtig dies ist und sei deshalb mit der Ausweisung von Flächen verantwortlich umgegangen. "Einer guten Idee nicht gleich eine Absage erteilen", wollte Schlecht, "nur weil wir uns bei den Vogelschutzgebieten zu Recht übergangen fühlen sonst erreichen wir vielleicht sogar das Gegenteil", gab er zu bedenken.

Jürgen Rau störte sich wie auch die Mehrzahl der Gemeinderäte am Abgrenzungvorschlag. "Wenn wir uns hier einbringen können, könnte ich zustimmen", erklärte er. Bei drei Gegenstimmen stimmte die Mehrheit des Gremiums der geplanten Ausweisung der Gebiete unter Vorbehalt zu. Voraussetzung für die endgültige Zustimmung ist das Vorliegen und die Kentnissnahme des entsprechenden Verordnungsentwurfs.